Jagdstrategie Riesenvögel stampften Beute tot

Sie waren die gefräßigsten Fleischfresser Südamerikas: die sogenannten Terrorvögel. Bis vor zwei Millionen Jahren standen die räuberischen Laufvögel an der Spitze der Nahrungskette. Forscher haben nun ihre brutale Jagdstrategie entschlüsselt.


Riesenvogel im Vergleich: Die Phorurhacidae wurden bis zu drei Meter hoch
Gustavo Lecuona

Riesenvogel im Vergleich: Die Phorurhacidae wurden bis zu drei Meter hoch

Die riesigen Vögel mit den verkümmerten Flügeln waren flugunfähig. Und einige Arten der Familie der Phorusrhacidae (Lumpenträger) waren kaum größer als ein Truthahn. Doch die größten Exemplare erreichten bis zu drei Meter und wurden 350 Kilogramm schwer. Und mit ihren muskulösen Beinen konnten sie nicht nur enorm schnell laufen. Nach neuesten Erkenntnissen brachten sie damit auch ihre Beute zur Strecke.

Hinter der Theorie steckt Mathematik. Ernesto Blanco und Washington Jones von der Universität Montevideo in Uruguay haben die fossilen Knochen der Terrorvögel, die auch von Forschern als solche bezeichnet werden, vermessen. Aus dem Längenverhältnis von Oberschenkel-, Unterschenkel- und Fußknochen sowie dem Gewicht, ermittelten sie zunächst die Laufgeschwindigkeit der zweibeinigen Räuber.

Danach glichen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse mit Beobachtungen an den noch lebenden Laufvogel-Arten Nandu, Strauß und Emu ab. Das Resultat: Die Terrorvögel waren mit bis zu 50 km/h so schnell wie heutige Rennhunde.

Laufvogel Nandu: Ähnlicher Lauf, anderer Speiseplan
Jens Büttner / DPA

Laufvogel Nandu: Ähnlicher Lauf, anderer Speiseplan

Die besonders stabilen und überdimensionierten Beinknochen einer Art, ließen Rückschlüsse auf die Jagdmethoden der Lumpenträger zu: Nicht ihre spitzen, gebogenen Schnäbel dienten den gefiederten Räubern demnach als Angriffswaffe, sondern ihre Beine. Ein Tritt reichte wahrscheinlich aus, um einer ausgewachsenen Antilope die Knochen zu brechen, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences". Darauf deuteten auch die großen, gebogenen Krallen am Fuß hin, mit dem die Terrorvögel zustechen konnten. Hauptsächlich kleine bis mittlere Säugetiere fielen den Fleischfressern so zum Opfer.

Im frühen Pleistozän schließlich bekamen die Terrorvögel Konkurrenz von den nordamerikanischen Säbelzahntigern. Die Lumpenträger zogen sich daraufhin zurück, begnügten sich zunächst mit Aas, bevor sie vor zwei Millionen Jahren ausstarben. Die ersten Menschen haben die trittfreudigen Terrorvögel deshalb nicht mehr erlebt.



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