Grüner Vordenker und Utopist »Gaia«-Visionär James Lovelock stirbt im Alter von 103 Jahren

Er sah die Erde als lebenden Organismus und galt damit als Stichwortgeber der Umweltbewegung. Der Wissenschaftler und Zukunftsdenker James Lovelock ist jetzt im Alter von 103 Jahren in England gestorben.
Der 94-jährige James Lovelock 2013 mit einer seiner Erfindungen, einem Gas-Chromatographen

Der 94-jährige James Lovelock 2013 mit einer seiner Erfindungen, einem Gas-Chromatographen

Foto: Nicholas.T.Ansell / AP

An seinem 103. Geburtstag ist der britische Wissenschaftler James Lovelock gestorben, einer der Urheber der sogenannten Gaia-Hypothese. Das berichteten britische Medien unter Berufung auf die Familie des Forschers, dessen Ideen eine Grundlage für die grüne Bewegung bildeten. Lovelock starb offenbar am Dienstagabend in Gegenwart von Familienmitgliedern in seinem Haus im südwestenglischen Gebiet Dorset.

Die Gaia-Theorie gilt als wichtiger Beitrag zur Ökologie. Sie besagt, dass die Erde als ein sich selbst regulierender Organismus fungiert, der aus all seinen Lebensformen besteht. »Viele Menschen halten es für unsere wichtigste Aufgabe, den Planeten zu retten, aber das ist mit Sicherheit vermessen«, sagte Lovelock einmal. Der Mensch sei zwar eine mächtige Spezies, aber Teil eines noch viel mächtigeren Systems. Unsere wichtigste Aufgabe sei vielmehr, uns selbst zu retten – damit verbunden sei die Verantwortung für die Lebewesen und Ökosysteme der Erde, auf denen unser Leben nun einmal basiere.

Er liebte Atomkraft und warnte vor dem Klimawandel

Geboren 1919, arbeitete der Chemiker, Biophysiker und Mediziner in den 1960er-Jahren als freier Wissenschaftler für die US-Weltraumbehörde Nasa. Später wies er nach, dass sich die vom Menschen hergestellten Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) bereits in der gesamten Atmosphäre ausgebreitet hatten. Früh warnte der Brite vor den Folgen des Klimawandels. Die Zeitung »Guardian« schrieb , Lovelocks Entdeckungen hätten »einen immensen Einfluss auf unser Verständnis der globalen Auswirkungen der Menschheit und auf die Suche nach außerirdischem Leben« gehabt.

Wegen seiner Unterstützung für Atomkraft und Fracking wurde er aber von anderen Ökologen kritisiert. Im SPIEGEL erklärte er noch 2020 , dass er nicht viel von der neuen »Fridays for Future«-Umweltbewegung halte: »Das sind Schüler und Studenten, die zu viel Zeit haben.« Er hoffte auf Technik: Atomkraft, Cyborgs und Sonnenschirme im All.

mgo/dpa
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