Spurensuche Schlüpfriges Sediment begünstigte Seebeben von Japan

2011 wurde Japan vom schwersten Erdbeben in seiner Geschichte getroffen, ein Tsunami verwüstete riesige Landstriche, viele Tausende Menschen starben. Forscher drangen nun zum Epizentrum des Bebens vor. Sie stießen nicht nur auf die dünnste Plattengrenze der Erde.

SPIEGEL ONLINE

Wie beim Einschlag eines riesigen Meteoriten wurde 2011 der Meeresgrund vor Japan erschüttert. Extrem schlüpfriges Sedimentmaterial hat dabei das verheerende Seebeben vor der Küste des Landes begünstigt, wie ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Science" schreibt. Demnach könnte es in anderen Gegenden des Nordpazifiks zu ähnlich starken Beben kommen.

Östlich von Japan schiebt sich die Pazifische Platte am sogenannten Japangraben mit gut acht Zentimetern pro Jahr unter die Nordamerikanische Platte. Bei dem Tohoku-Beben der Stärke 9, das sich in einer Tiefe von 32 Kilometern ereignete, verrutschten Teile der Erdkruste um bis zu 50 Meter. Die daraus resultierenden Verwerfungen reichten bis zum Meeresboden hinauf und führten zu dem verheerenden Tsunami, der die japanische Küste traf.

Um die Ursachen des Bebens zu klären, hatten internationale Forscherteams von einem Schiff nahe des Epizentrums etwa 800 Meter tief in den Meeresboden gebohrt. Das Meer ist an dieser Stelle, 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und knapp 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio, rund 7000 Meter tief. Die Analyse der Bohrkerne legten die Forscher nun in drei Studien vor.

"Schlüpfrigste Material, das man sich vorstellen kann"

Sie ergab, dass die Störungszone zwischen den beiden Platten an der Bohrstelle mit 4,86 Metern extrem dünn ist. "Nach unserem Wissen ist das die dünnste Plattengrenze der Erde", wird die Geologin Christie Rowe von der McGill University in Montreal in einer Pressemitteilung der Universität zitiert. An der San-Andreas-Verwerfung an der Westküste Nordamerikas sei die Störungszone stellenweise mehrere Kilometer dick.

Zudem bestand das Material in dem Spalt vor Japan aus extrem feinem Ton. "Das ist das schlüpfrigste Material, das man sich vorstellen kann", sagt Rowe. "Wenn man es zwischen den Fingern reibt, fühlt es sich wie ein Schmiermittel an." Diese Art Material gebe es auch in anderen Subduktionszonen im Nordwestpazifik, von der russischen Halbinsel Kamtschatka bis zu den Aleuten. Dort könne es ebenfalls zu schweren Erdbeben kommen.

Vor der Küste Japans hatte 2011 eines der weltweit stärksten Erdbeben seit Beginn der Messungen riesige Tsunamis ausgelöst. Es erschütterte den Meeresboden so stark wie der Einschlag eines mehrere hundert Meter dicken Meteoriten.

nik/dpa



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