Java Bohrfirma soll für Schlammvulkan aufkommen

Es war eines der ungewöhnlichsten Naturspektakel des vergangenen Jahres: Ein Vulkan spie auf der Insel Java Schlamm - und tut das bis heute. Nun soll eine Bohrfirma für die immensen Schäden geradestehen.


Das vergangene halbe Jahr war für die Einwohner des Landkreises Sidoarjo im Osten der indonesischen Insel Java ein einziger Albtraum. Nicht bloß, dass die Insel am 27. Mai von einem starken Erdbeben erschüttert wurde. 300 Kilometer von der Inselhauptstadt Yogyakarta und 35 Kilometer von der Drei-Millionen-Stadt Surabaya entfernt steigt stinkender, heißer Schlamm aus 3000 Metern Tiefe an die Oberfläche, überflutet Felder und Dörfer, zerstört Existenzen und verdreckt die Gegend.

Seit Ende Mai geht das so. Weder Bagger noch Beton noch magische Beschwörungen durch selbsternannte örtliche Zauberer konnten den braunen Geysir stopfen. Bis heute sprudelt der Schlammvulkan.

Jetzt hat der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono den Betroffenen wenigstens in der Entschädigungsfrage Hoffnung fürs neue Jahr gemacht - und geklärt, wer für die Aufräumarbeiten geradestehen muss. "Wir müssen uns auf Kosten von geschätzten 140 Millionen US-Dollar gefasst machen", sagte der Präsident, "und das wird Lapindo bezahlen."

PT Lapindo Brantas ist jene Firma, die zwei Tage vor dem plötzlichen Ausbruch des Schlammvulkans nur 150 Meter von der jetzigen Dreckfontäne entfernt eine Gas-Probebohrung vorgenommen hatte. Von Anfang an galt sie neben dem Erdbeben als möglicher Auslöser des Schlamm-Ausbruchs.

Zwar hatte Yudhoyono schon im Sommer per Dekret die Firma Lapindo für haftbar erklärt. Ob sie aber je zur Kasse gebeten würde, war damals offen. Denn auch Experten waren unsicher, ob man die Schuldfrage überhaupt vor Gericht würde klären können.

Täglich 50 Schwimmbecken voll Schlamm

Außerdem gehört die Unglücksfirma zum Firmenkonglomerat der Milliardärsfamilie Bakrie. Ihr entstammt auch Sozialminister Aburizal Bakrie aus dem Kabinett der indonesischen Regierung. Er hatte einen Großteil des Wahlkampfs des Präsidenten bezahlt.

Bis nächsten März, kündigte Yudhoyono nun an, müsse Lapindo 20 Prozent der Entschädigungen an die Opfer gezahlt haben. Insgesamt beläuft sich die Wiedergutmachung auf umgerechnet 210 Millionen Euro, die noch zu den Kosten der Aufräumarbeiten hinzukommen. Im Dezember hatte Lapindo sich bereiterklärt, verschmutztes Land, Gebäude und Felder aufzukaufen.

Derweil stößt der Vulkan weiterhin über 125.000 Kubikmeter Schlamm pro Tag aus. Das entspricht in etwa der Füllmenge von 50 olympischen Schwimmbecken. Inzwischen wird an einer Ableitung durch den Fluss Brantas gearbeitet. Einer seiner beiden Hauptarme, der Porong, soll den Schlamm ins Meer befördern. Das Material ist zwar Messungen zufolge arm an Schadstoffen, dafür aber sehr salzhaltig. An einem Forschungsprojekt zu den Auswirkungen auf die Umwelt sind auch deutsche Forscher aus Bremen und Geesthacht beteiligt.

Mit der Ableitung in Richtung Meer nehmen die Ingenieure vor Ort nach Meinung von Experten nur das ohnehin Unvermeidliche vorweg. Die Schlammmassen aufzuhalten gilt als unmöglich. "Genauso gut könnte man versuchen, den Nil daran zu hindern, ins Meer zu fließen", hatte der norwegische Wissenschaftler Martin Hovland Anfang Oktober dem SPIEGEL gesagt.

stx



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