Analyse von Wetterextremen Wie der Jetstream für Hitze und Dürre sorgt

Normalerweise flattern die Jetstream-Winde wie ein Band durch die Atmosphäre. Eine neue Analyse von Wetterdaten zeigt: Wenn diese Wellen ins Stocken kommen, kann das für Extremwetter am Boden sorgen.

Teils vertrocknetes Weizenfeld bei Templin in Brandenburg (im Mai 2018)
DPA

Teils vertrocknetes Weizenfeld bei Templin in Brandenburg (im Mai 2018)


Wer mal mit dem Flugzeug über den Atlantik geflogen ist, hat die Kraft des Jetstreams wahrscheinlich zu spüren bekommen. Der starke Wind tritt in etwa zehn Kilometern Höhe auf, er hilft dabei, Luftdruckunterschiede zwischen dem warmen Äquator und der kühlen Arktis auszugleichen. Im Bereich der Nordhalbkugel weht der Jetstream von West nach Ost, teils mit bis zu 500 Kilometern in der Stunde. Dank ihm dauern Flüge von Amerika nach Europa deutlich kürzer als andersherum.

Normalerweise flattert der Jetstream wie ein Band durch die Atmosphäre, die Schlängelungen heißen Rossby-Wellen. Doch unter bestimmten Bedingungen bewegt er sich kaum - und das kann am Boden zum Problem werden: Im vergangenen Jahr seien die Wellen des Windbands oft stehen geblieben, statt wie sonst immer weiter um die Erde zu wandern, berichten Forscher um Kai Kornhuber von der University of Oxford und dem Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Fachmagazin "Environmental Research Letters".

"Wetterextreme im Sommer 2018 waren nicht zufällig"

So hätten die vorherrschenden Wetterbedingungen in manchen Regionen länger angehalten und seien zum Extrem geworden, erklärten die beteiligten Forscher nach der Analyse von Wetterdaten. In Westeuropa gab es Rekordhitze und Dürren, gleichzeitig hätten Starkregen und Überschwemmungen Südosteuropa und Japan heimgesucht.

Auch bei den Hitze- und Dürrephasen der Jahre 2003, 2006 und 2015 hätten sich die stockenden Wellen des Jetstreams gezeigt, so die Forscher. In den zwei Jahrzehnten vor 1999 habe es so eine Situation dagegen nicht länger als zwei Wochen gegeben. "Unsere Studie zeigt, dass die spezifischen Orte und der Zeitpunkt der Wetterextreme im Sommer 2018 nicht zufällig waren", sagt Kornhuber.

"Wir sehen einen starken Zusammenhang zwischen dem Windmuster und den anhaltenden Hitzeextremen in Westeuropa, Nordamerika und der Region um das Kaspische Meer", erklärt auch Co-Autor Dim Coumou von der Universität Amsterdam. Das nun erkannte Muster biete die Möglichkeit, die Vorhersage künftiger extremer Wetterereignisse für gefährdete Regionen auf der Nordhalbkugel zu verbessern, hieß es.

Nach Ansicht der Wissenschaftler ist zu erwarten, dass das beobachtete Muster durch Klimawandel und globale Erwärmung in Zukunft häufiger auftreten wird. Frühere Simulationen hatten solch einen Zusammenhang bereits nahegelegt. Die Begründung: Landmassen neigten dazu, sich schneller zu erwärmen als Meeresgebiete. Das erhöhe den Temperaturunterschied zwischen beiden. Und das wiederum könne die Ausbildung der stabilen Wellenmuster begünstigen.

chs/dpa



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