Jungfernzeugung Ameisenart kommt vollständig ohne Männchen aus

Frauenpower ohne Kompromisse: Eine südamerikanische Ameisenart hat die Männchen komplett abgeschafft. Forscher vermuten, dass so Konflikte zwischen Königinnen und Arbeiterinnen vermieden werden.


London - Es ist die einzig bekannte Art, die sich ausschließlich asexuell vermehrt: In den Kolonien der Ameise Mycocepurus smithii leben nur genetisch identische Weibchen. Und obwohl eine solche Vermehrungsstrategie beträchtliche Nachteile mit sich bringt, ist die Art weit verbreitet, wie ein Forscherteam um Anna Himler von der University of Arizona in Tucson im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" (Online-Vorabveröffentlichung) berichtet.

Ameise: Mindestens eine Art vermehrt sich ausschließlich asexuell
DPA

Ameise: Mindestens eine Art vermehrt sich ausschließlich asexuell

Die Vorteile für die Ameisen scheinen also die Nachteile zu überwiegen. Die Forscher vermuten, dass die Ameisen durch die nahe Verwandtschaft Konflikte zwischen Königinnen und Arbeiterinnen vermeiden.

Bereits in früheren Studien hatten Forscher mehr als 200 Ameisennester untersucht - ohne ein einziges Männchen zu finden. Für ihre neuen Studien sammelten Himler und ihr Team nun in Panama fünf verschiedene Kolonien und beobachteten sie fünf Jahre lang im Labor. Während dieser Zeit schlüpfte kein einziges Männchen. Als die Forscher zusätzlich jeweils das Erbgut von Königinnen und Arbeiterinnen aus zwölf weiteren Kolonien verglichen, stellten sie fest, dass es identisch und die Arbeiterinnen somit Klone der Königinnen waren. Da sich die Geschlechtsorgane der Königinnen bereits zurückgebildet hatten, müsse die Umstellung auf die männerfreie Jungfernzeugung schon länger zurückliegen, vermuten die Forscher.

Nun suchen die Wissenschaftler nach dem Grund für diese Fortpflanzungsform. Bei der asexuellen Vermehrung fehlt nämlich die genetische Durchmischung - und dadurch sinkt normalerweise nach und nach die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten. Die meisten Lebewesen vermehren sich daher sexuell, obwohl diese Art der Fortpflanzung sehr zeit- und energieaufwendig ist.

Die Vermutung, die Ameisen könnten von Parasiten befallen sein, die wiederum die Jungfernzeugung auslösen, konnten die Forscher nicht bestätigen. Denkbar sei allerdings, dass die Ameisen durch die asexuelle Vermehrung Konflikte zwischen Königinnen und Arbeiterinnen vermeiden, erklären die Forscher: Je näher die Verwandtschaft, desto stärker unterstützen die Arbeiterinnen ihre Königin. Umgekehrt gilt, je geringer der Verwandtschaftsgrad, desto höher ist das Risiko von Meutereien.

Allerdings scheinen die Ameisen einen Trick zu nutzen, um genetisch nicht völlig in eine Sackgasse zu geraten: Die Tiere kultivieren im Gegensatz zu anderen Arten nicht nur eine einzige Pilzart in ihren Nestern, sondern bauen in unterschiedlichen Nestern unterschiedliche Arten an. Dadurch müssen sie sich immer wieder an neue Gegebenheiten anpassen, was die negativen Folgen der asexuellen Fortpflanzung nach Ansicht der Wissenschaftler abschwächen könnte.

chs/ddp



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