Kältestarre Beutelmäuse fallen täglich in Mini-Winterschlaf

Sie fallen regelmäßig in eine Art Stand-by-Modus: Um unter den harschen Bedingungen des Outbacks zu überleben, genehmigen sich Australische Beutelmäuse täglich eine Dosis Winterschlaf. Forscher sind verblüfft, wie groß die so erzielte Energie-Einsparung ist.


Berlin - Es kann empfindlich kalt werden im australischen Outback. Zwar herrschen tagsüber oft schweißtreibende Temperaturen, doch in sternklaren Nächten fallen sie manchmal auf den Gefrierpunkt. Angesichts dieser Extreme haben Australische Beutelmäuse eine interessante Überlebensstrategie entwickelt, wie Forscher nun herausgefunden haben.

Für durchschnittlich elf Stunden pro Tag fallen die kleinen Tiere in eine Kältestarre, in der sie Stoffwechsel und Körpertemperatur herunterregeln, berichtet ein Team um die Zoologen Fritz Geiser und Gerhard Körtner von der University of New England im australischen Armidale. Mit diesem Verhalten kommen die Tiere an die Energie-Effizienz eines Winterschlafs heran, obgleich sie täglich aufwachen und nach Nahrung suchen. Bislang gingen Wissenschaftler auf Basis von Laboruntersuchungen davon aus, dass die Beutelmäuse nur gelegentlich in Kältestarre verfallen.

Die Forscher hatten zunächst in der topfebenen, baumlosen Felslandschaft des Astrebla-Downs-Nationalparks im australischen Bundesstaat Queensland sechs männliche und zwei weibliche Schmalfuß-Beutelmäuse gefangen. Die Tiere sind rund zehn Zentimeter lang, haben einen noch einmal zehn Zentimeter langen Schwanz und einen charakteristischen schwarzen Strich, der zwischen den Ohren zur Nase reicht. Den rund 20 Gramm schweren Tieren implantierten die Forscher knapp zwei Gramm schwere Temperatursensoren unter die Bauchdecke.

Über zwei Monate des australischen Winters beobachteten die Forscher die Lebensweise der Tiere. Überrascht stellten sie fest, dass die Beutelmäuse fast täglich in Kältestarre fielen - ihre Körpertemperatur sackte dann im Schlaf unter 30 Grad Celsius ab. Im aktiven Zustand liegt sie bei 37 Grad. Der Online-Dienst des Fachmagazins "Nature" berichtet, die Forscher hätten bei den Tieren Energie-Einsparungen von 90 Prozent beobachtet. Das sei vergleichbar mit den Werten, die andere Arten während eines Winterschlafs erreichten.

Die Beutelmäuse schalteten bei winterlichen Außentemperaturen um den Gefrierpunkt bis plus 15 Grad in der Nacht in den Stand-by-Modus. Tagsüber lagen die Wintertemperaturen bei bis zu 36 Grad. Die Forscher vermuten daher in diesem bis zu elf Stunden dauernden Schlaf im Energiesparmodus eine spezielle Anpassungsleistung an die Umgebungsbedingungen. Nach dem Schlaf baden die Tiere lange in der Sonne, um sich wieder aufzuwärmen.

Laborversuche hatten bisher ganz andere, offenbar falsche Erkenntnisse zur Lebensweise der Beutelmäuse gebracht. Geiser und Körtner betonen, wie wichtig es ist, Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu untersuchen. Die beiden Forscher befassen sich schon seit langer Zeit mit dem Phänomen des Winterschlafs.

Geiser, der nun den wohl kürzesten Winterschlaf mitentdeckt hat, hatte vor rund anderthalb Jahren auch über das Tier mit der längsten Winterpause berichtet. Der Dickschwanz-Schlafbeutler, der ebenfalls in Australien lebt, kann bis zu 367 Tage am Stück in eine Art Starre fallen, die es ihm ermöglicht, Trockenheiten oder Phasen extremer Nahrungsknappheit zu überdauern.

Korrektur: In der ursprünglichen Fassung dieses Artikels wurden die Beutelmäsue fälschlicherweise als Nagetiere bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich aber um Beuteltiere, die nicht mit den Nagetieren verwandt sind. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

chs/ddp



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