Fressen und putzen Kängurus machen's mit links

Die Feinarbeit mit links, das Grobe mit rechts - ähnlich wie Menschen, nutzen auch viele Kängurus eine Körperseite bevorzugt. Die meisten sind Linkshänder.

Andrey Giljov/ National Geographic

Menschen tun es, Kakadus auch, ebenso wie Pferde: Sie bevorzugen eine Seite ihres Körpers, um bestimmte Aufgaben zu erledigen. Händigkeit, die man lange allein dem Menschen zuschrieb, ist im Tierreich durchaus üblich. Eine aktuelle Studie zeigt: Auch einige Känguruarten verwenden bevorzugt eine Hand zum Fressen oder Fellputzen.

"Wir haben eine bemerkenswerte Konsistenz in den Reaktionen von zweifüßigen Arten gefunden", sagt Yegor Malashichev von der Saint Petersburg State University in Russland. "Sie bevorzugen eindeutig die linke Hand."

Feinarbeit mit links

Malashichev und Kollegen hatten über 50 wild lebende Kängurus auf Tasmanien und in Kontinentalaustralien beobachtet und ihre Bewegungsabläufe bei unterschiedlichen Tätigkeiten ausgewertet. Besonders häufig bevorzugen demnach das Östliche Graue Riesenkänguru und das Rote Riesenkänguru die linke Vorderpfote. Mit ihr säubern sie ihre Schnauze, heben Blätter auf oder knicken Äste ab.

Rotnackenwallabies, auch bekannt als Bennett-Kängurus, entscheiden dagegen stärker nach Aufgabe, welche Hand sie nutzen: Die linke Hand übernimmt in der Regel die Feinarbeit, die rechte Aufgaben, für die es Kraft braucht. So biegen sich die Kängurus etwa Äste und Stämme mit der rechten Hand zurecht, während sie mit der linken die Blätter zum Maul führen.

Kängurus, die in Bäumen leben, neigen dagegen offenbar zur Beidhändigkeit", schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Current Biology". Auch Kängurus, die in Zoos leben, nutzen in der Regel beide Hände.

Anders verdrahtet

Wie die Tiere ihre Bewegungen koordinieren und wilde Exemplare eine Rechts- oder Linkshändigkeit entwickeln, stellt die Forscher noch vor Rätsel. Rechte und linke Hirnhälfte der Kängurus sind anders verdrahtet als bei den meisten anderen Säugetieren.

Die Forscher wollen nun zunächst die Neigung zur Händigkeit bei anderen Arten weiter untersuchen. So ließe sich herausfinden, wie sich das Phänomen im Zuge der Evolution durchgesetzt hat, sagt Malashichev.

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jme



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Seite 1
unglaeubig 19.06.2015
1.
Üüüüber 50 wildlebende Kängurus wurden beobachtet. Und dann noch verschiedene Arten. Wahrscheinlich sind dafür führende Forscher aus der ganzen Welt für monatelange Exkursionen nach Australien geflogen. Ich bin beeindruckt, was das für ein Aufwand gewesen sein muss [ironie off] Warum kann man für sowas nicht einfach eine australische Schulklasse in den Zoo schicken?
filos eleftherias 19.06.2015
2. Gleichberechtigung bei Menschen
Interessant wäre, warum bei "Gleichberechtigung" am Arbeitsplatz usw. fast immer an Frauen, Schwule usw. gedacht wird, und nicht an die 10-15% Linkshänder. Von der Computermaus bis zu manchen Alarmknöpfen sind die meisten Einrichtungen an Arbeitsstätten und im öffentlichen Leben für Rechtshänder ausgerichtet. Eine Sekunde Nachdenken kann im Zweifel ein Menschenleben bedeuten, von der systematischen Benachteiligung von Linkshändern durch all die kleinen Ungerechtigkeiten ("Mikroaggressionen") ganz zu schweigen. Warum wird hier kein Drama gemacht? Vermutlich weil Männer prozentual häufiger linkshändig sind als Frauen...
MFKBoulder 19.06.2015
3. War doch klar,
Die stehen Downunder ja auch Kopfüber.
kugelsicher, 19.06.2015
4.
Zitat von filos eleftheriasInteressant wäre, warum bei "Gleichberechtigung" am Arbeitsplatz usw. fast immer an Frauen, Schwule usw. gedacht wird, und nicht an die 10-15% Linkshänder. Von der Computermaus bis zu manchen Alarmknöpfen sind die meisten Einrichtungen an Arbeitsstätten und im öffentlichen Leben für Rechtshänder ausgerichtet. Eine Sekunde Nachdenken kann im Zweifel ein Menschenleben bedeuten, von der systematischen Benachteiligung von Linkshändern durch all die kleinen Ungerechtigkeiten ("Mikroaggressionen") ganz zu schweigen. Warum wird hier kein Drama gemacht? Vermutlich weil Männer prozentual häufiger linkshändig sind als Frauen...
Ich bin froh Linkshänder zu sein, quasi Elite. Und da ich aufs mit Rechts schreiben umgelernt wurde, habe ich zwar einen kleinen Schaden, aber auch Vorteile. Ich habe meine schwache Seite stets gefordert, ohne meine starke Seite zu vernachlässigen. Stichwort Über-Kompensation. Ach.. wir sind eh die genialeren. ;-)
Art. 5 19.06.2015
5.
Zitat von kugelsicherIch bin froh Linkshänder zu sein, quasi Elite. Und da ich aufs mit Rechts schreiben umgelernt wurde, habe ich zwar einen kleinen Schaden, aber auch Vorteile. Ich habe meine schwache Seite stets gefordert, ohne meine starke Seite zu vernachlässigen. Stichwort Über-Kompensation. Ach.. wir sind eh die genialeren. ;-)
Genauso wie die Menschenaffen. Auch Schimpansen bevorzugen bei kniffeligen Aufgaben ihre linke Hand.
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