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17. Juni 2019, 10:39 Uhr

Neuseeland

Pilz bedroht dickste Papageien der Welt

Kakapos werden etwa vier Kilo schwer, können nicht fliegen und sind vom Aussterben bedroht. Nun droht eine Pilzerkrankung den seltenen Papageien endgültig den Garaus zu machen.

Die dicksten Papageien der Welt stehen kurz vor dem Aussterben. Es wäre bereits das zweite Mal in der Geschichte. Grund dafür ist diesmal die sich massenhaft ausbreitende Infektionskrankheit Aspergillose.

Seit April seien 36 der in Neuseeland heimischen Kakapos in Tierkliniken eingeliefert worden, bei 16 wurde die Pilzinfektion bis heute diagnostiziert, teilte die Naturschutzbehörde Neuseelands mit. Sieben Vögel seien bereits gestorben, darunter zwei erwachsene Kakapos - ein herber Verlust bei einer Gesamtpopulation von nur noch 147 ausgewachsenen und 72 jungen Tieren.

Aspergillose habe "verheerende Auswirkungen" auf die seltenen Papageien, hieß es weiter. Die Krankheit befalle das Atmungssystem und bedrohe den Fortbestand der extrem seltenen Art. Der Erreger sei "weit verbreitet, schwer zu diagnostizieren und noch schwerer zu behandeln".

"Es ist eine nie dagewesene Bedrohung, und wir arbeiten hart daran zu verstehen, warum das dieses Jahr passiert", sagte der Tierarzt des Zoos von Auckland, James Chatterton, dem Sender TVNZ. Derzeit gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die hohen Temperaturen zu der starken Ausbreitung von Aspergillosis führte. Vor 2019 haben Experten nur einen an der Infektion gestorbenen Kakapo dokumentiert.

1990 gab es nur noch etwa 50 Kakapos

In der Tierklinik des Zoos von Auckland war vor wenigen Tagen ein 100 Tage altes Küken gestorben. "Es ist unwahrscheinlich, dass dieses Küken das Letzte ist, das wir verlieren", teilte das Kakapo-Bestandsprogramm der Naturschutzbehörde (DOC) auf Facebook mit.

Die gelbgrünen und rund vier Kilo schweren Vögel leben ausschließlich auf vier Inseln vor der neuseeländischen Küste, auf denen sie keine natürlichen Feinde haben. Die Tierart wird von Forschern strengstens überwacht. Kakapos galten bereits als ausgestorben, aufgefressen von eingeschleppten räuberischen Arten. Doch dann wurden um 1970 einige überlebende Exemplare gefunden. Die Erholung des Bestandes ging aber nur schleppend voran. In den Neunzigerjahren gab es weniger als 50 Exemplare.

Wissenschaftler versuchen seither, die Population zu stabilisieren. In diesem Jahr verhalfen sie den seltenen Papageien zu einer Rekord-Brutsaison: 50 Weibchen hatten 249 Eier gelegt, aus denen 77 lebendige Küken geschlüpft waren. Fünf davon sind allerdings bereits wieder an der Krankheit gestorben.

jme/dpa/AFP

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