Neuseeland Pilz bedroht dickste Papageien der Welt

Kakapos werden etwa vier Kilo schwer, können nicht fliegen und sind vom Aussterben bedroht. Nun droht eine Pilzerkrankung den seltenen Papageien endgültig den Garaus zu machen.

Kakapo auf Beerensuche: Weltweit gibt es nur noch 147 erwachsene Tiere
Nature Picture Library/ imago images

Kakapo auf Beerensuche: Weltweit gibt es nur noch 147 erwachsene Tiere


Die dicksten Papageien der Welt stehen kurz vor dem Aussterben. Es wäre bereits das zweite Mal in der Geschichte. Grund dafür ist diesmal die sich massenhaft ausbreitende Infektionskrankheit Aspergillose.

Seit April seien 36 der in Neuseeland heimischen Kakapos in Tierkliniken eingeliefert worden, bei 16 wurde die Pilzinfektion bis heute diagnostiziert, teilte die Naturschutzbehörde Neuseelands mit. Sieben Vögel seien bereits gestorben, darunter zwei erwachsene Kakapos - ein herber Verlust bei einer Gesamtpopulation von nur noch 147 ausgewachsenen und 72 jungen Tieren.

Aspergillose habe "verheerende Auswirkungen" auf die seltenen Papageien, hieß es weiter. Die Krankheit befalle das Atmungssystem und bedrohe den Fortbestand der extrem seltenen Art. Der Erreger sei "weit verbreitet, schwer zu diagnostizieren und noch schwerer zu behandeln".

"Es ist eine nie dagewesene Bedrohung, und wir arbeiten hart daran zu verstehen, warum das dieses Jahr passiert", sagte der Tierarzt des Zoos von Auckland, James Chatterton, dem Sender TVNZ. Derzeit gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die hohen Temperaturen zu der starken Ausbreitung von Aspergillosis führte. Vor 2019 haben Experten nur einen an der Infektion gestorbenen Kakapo dokumentiert.

Forscher Michael Lierz mit einem Kakapo (Archivbild)
Deidre Vercor/DOC/dpa

Forscher Michael Lierz mit einem Kakapo (Archivbild)

1990 gab es nur noch etwa 50 Kakapos

In der Tierklinik des Zoos von Auckland war vor wenigen Tagen ein 100 Tage altes Küken gestorben. "Es ist unwahrscheinlich, dass dieses Küken das Letzte ist, das wir verlieren", teilte das Kakapo-Bestandsprogramm der Naturschutzbehörde (DOC) auf Facebook mit.

Die gelbgrünen und rund vier Kilo schweren Vögel leben ausschließlich auf vier Inseln vor der neuseeländischen Küste, auf denen sie keine natürlichen Feinde haben. Die Tierart wird von Forschern strengstens überwacht. Kakapos galten bereits als ausgestorben, aufgefressen von eingeschleppten räuberischen Arten. Doch dann wurden um 1970 einige überlebende Exemplare gefunden. Die Erholung des Bestandes ging aber nur schleppend voran. In den Neunzigerjahren gab es weniger als 50 Exemplare.

Wissenschaftler versuchen seither, die Population zu stabilisieren. In diesem Jahr verhalfen sie den seltenen Papageien zu einer Rekord-Brutsaison: 50 Weibchen hatten 249 Eier gelegt, aus denen 77 lebendige Küken geschlüpft waren. Fünf davon sind allerdings bereits wieder an der Krankheit gestorben.

jme/dpa/AFP



insgesamt 2 Beiträge
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gehdoch 17.06.2019
1. "Die letzten Ihrer Art"
Das Buch "Die letzten Ihrer Art" von Douglas Adams (Ja, genau der mit "Anhalter durch die Galaxis") hat in den späten 80ern dieses wunderbare Buch herausgebracht. Ich kann es nur jedem empfehlen. Er hatte damals zusammen mit einem Zoologen alle möglichen seltenen Tiere besucht und auf seine einmalige Art darüber berichtet. Unter Anderem auch über die Kakapos. Die Vermehrung ist aus sehr lustigen Gründen eher schwierig, unter Anderem deswegen, weil die Männchen einen so tiefen Brunftschrei ausstoßen, dass die Weibchen den Schrei zwar alle hören, den Verursacher aber nicht finden (Prinzip Subwoofer) Das Buch ist toll. Traurig, dramatisch, entlarvend, tragisch und eben auch immer wieder saukomisch.... wirklich, es lohnt sich!
permissiveactionlink 17.06.2019
2. Dickste Papageien
der Welt ? Pummlig, jaaaa, mollig, okay, aber bitte nicht dick ! An den Tieren (Strigops habroptila) ist kein Gramm Fett zuviel, was sie in den kühleren Monaten des Jahres nicht dringend zum Überleben brauchen, wenn ihre Nahrungspflanzen gerade nicht üppig viel hergeben. Der evolutive Umstieg auf reines Bodenleben (mit aktivem Klettern in Bäumen und Sträuchern), verbunden mit Flugunfähigkeit, führt eben zu einer etwas untersetzteren Körperform, Hobbits der Vogelwelt. In die Extinktion wird die Art allerdings durch die himmelschreiende Dummheit des Homo sapiens getrieben (nicht durch Aspergillus fumigatus, der bei uns auch Storchennachwuchs befällt, und schon immer auf Neuseeland heimisch war), der in seiner extremen Kurzsichtigkeit und seinem Mangel an Einsicht in komplexe Ökosysteme nach Inbesitznahme von Aotearoa als erstes ganze Horden von plazentalen Predatoren einführte, darunter Katzen, Marder, Hunde und Füchse. Die ursprünglich von den Maori mitgebrachten Schweine und Ratten verschmähen Vogeleier natürlich auch nicht. So nahm das traurige Schicksal der neuseeländischen Vogelwelt ihren Lauf. Auf Hawaii waren es übrigens nicht Raubtiere, welche die heimische Vogelwelt dezimierten, sondern aus Südamerika in Trinkwasserfässern der Schiffe eingeführte Stechmücken (Culex pipiens fatigans, der Übeltäter ist bekannt, die HMS Wellington). Zahlreiche von Zugvögeln mitgebrachte Krankheitserreger, besonders der Malariaerreger Plasmodium, hatten nun einen geeigneten Vektor, um die hawaianische Vogelwelt zu befallen. Die Gesänge des mamo, des ula-ai-hawane, des Laysan-Kleidervogels, des Goldkopf- und Orangebrust-Koagimpels, des Konagimpels, des Grünrücken-Kleidervogels, des nukupuu, des amaui, der kioea, der oo und verschiedener anderer Vögel Hawaiis werden wir deshalb niemals mehr hören. Das gleiche gilt für zahlreiche Vogelarten der Insel Guam, auf die eine Schlange, die braune Nachtbaumnatter, unabsichtlich vom amerikanischen Militär eingeführt wurde, und die seitdem in der Vogelwelt dort wütet. Sapiens ? Eher nicht. Wir sind blöd, und wir bleiben blöd.
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