Kaleidoskop-Technik Das Schöne im Biest

Sind das Teppiche? Oder mathematisch erzeugte Muster? Die psychedelischen Bilder des Fotografen Michael Kern sind kaum zu durchschauen. Was dahinter steckt? Tierfotos.

Michael D. Kern

Wenn es ums Fotografieren von Tieren geht, hat Michael D. Kern schon fast alles erreicht. Er hat für Publikationen wie "National Geographic" und das "Smithsonian Magazine" gearbeitet, diverse Preise gewonnen und ein Buch über Schlangen veröffentlicht. Die Webseite "The Gardens of Eden" zeigt Dutzende seiner spektakulären Fotos.

Nun hat Kern, der in Palo Alto in Kalifornien lebt, ein neues Projekt gestartet. Unter dem Namen "Beauty in the Beast" hat er eigene Tierfotos so weit verfremdet, bis das ursprüngliche Motiv kaum noch erkennbar ist. Die Bilder ähneln dem, was man beim Blick in ein Kaleidoskop sieht - und das ist kein Zufall. Denn Kern hat einen kleinen Ausschnitt eines Tierfotos genommen, gespiegelt, kopiert, noch mal gespiegelt - bis daraus ein großes Muster entstanden ist.

"Wie bei vielen meiner neuen Ideen, war es eine zufällige Entdeckung, die mich zu einer neuen Kunstform führte", sagt er. Der Fotograf war auf der Suche nach einem querformatigen Bild für eine Präsentation. Schließlich nahm er ein Foto von einem Leguan-Auge und spiegelte es, denn nur so erreichte es das gewünschte Breitformat. Es entstand ein surreales, eindrucksvolles Bild.

Vorbild Kubismus

2007 bekam Kern dafür den Nature's Best Award in der Kategorie Creative Digital, das Bild hängt seitdem im Smithsonian Museum, obwohl die Ausstellung zum Award längst beendet ist. "Das hat mich zum Nachdenken gebracht", sagt er. Was könnte man noch alles mit den traditionellen Tierfotos anstellen, "wie weit kann ich mit der Technik gehen"?

Die Ergebnisse der Experimente von Kern präsentiert SPIEGEL ONLINE nun in einer Fotostrecke - siehe oben. Zuerst wird das Tierfoto gezeigt, das die Ausgangsbasis darstellte. Dann folgt ihre Kaleidoskopversion. "Die Farben der Fotos wurden nicht verändert", betont Kern.

Das Konzept hinter den psychedelischen Bildern sei nicht neu, sagt er. Schon im Kubismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts hätten Künstler wie Georges Braques und Pablo Picasso die Natur auf geometrische Grundformen reduziert. "In vielerlei Hinsicht ist es genau das, was ich mache - aber eben mit Fotos und nicht mit Malerei."

hda



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