Rekordbrände in Kalifornien Der Fluch des Windes

Heftige Winde fachen die Waldbrände im US-Bundesstaat Kalifornien an. Meteorologen sprechen von einer völlig neuen Warnstufe. Der Klimawandel dürfte die Feuergefahr in Zukunft sogar noch vergrößern.

Das Kincade-Feuer wütet im Weinbaugebiet Sonoma County nördlich von San Francisco
Justin Sullivan/Getty Images/AFP

Das Kincade-Feuer wütet im Weinbaugebiet Sonoma County nördlich von San Francisco


Die Warnungen der Meteorologen sind deutlich: Wind mit der Geschwindigkeit kleiner Hurrikane könnte bestehende Feuer in Kalifornien neu anfachen und weitere Brände auslösen. In den Bezirken Los Angeles und Ventura seien Böen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 130 Kilometer pro Stunde möglich. Die Experten des US-Wetterdienstes sprechen wörtlich von einer "extreme red flag warning" und verwenden damit eine auf ihrer Bewertungsskala bisher nicht vorgesehene Kategorie, um die Gefahr zu beschreiben. Niemand könne sich daran erinnern, dass die Situation jemals so dramatisch gewesen sei wie derzeit.

Dabei kommt es zu dieser Jahreszeit in Kalifornien eigentlich regelmäßig zu Bränden. Das liegt an saisonal stärker auftretenden Winden. Im Süden des Bundesstaats spricht man von den sogenannten Santa-Ana-Winden, im Norden von den Diablos. Sie entstehen, weil sich über dem Hochplateau der Bundesstaaten Nevada, Utah und Idaho ein Hochdruckgebiet bildet. Dessen zunächst kalte und sehr trockene Luft strömt im Uhrzeigersinn in Richtung der Pazifikküste. Dort fällt sie - weil sie schwerer ist als die warme Luft vor Ort - nach unten ab, wird beschleunigt und weiter ausgetrocknet.

Rund 130 Millionen vertrocknete Bäume

In engen Canyons entstehen besonders hohe Windgeschwindigkeiten. Die Vegetation wird durch die trockene Luft zusätzlich ausgetrocknet. Schätzungen zufolge stehen in den kalifornischen Wäldern außerdem bereits rund 130 Millionen vertrockneter Bäume, mehr als genug Nahrung für die Feuer. Gibt es dann eine Zündquelle - eine weggeworfene Zigarette, ein außer Kontrolle geratenes Lagerfeuer, eine defekte Stromleitung - kann das Inferno beginnen.

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Waldbrände in Kalifornien: Kampf gegen die Flammen

In diesem Jahr sind die Winde besonders stark, hinzu kommen außergewöhnlich hohe Temperaturen. Sie treffen eine Region, in der es über Jahre hinweg viel zu wenig geregnet hat. Ein Mix, der das Ausbreiten von Flammen begünstigt.

Im vergangenen Jahrhundert hat sich Kalifornien bereits um drei Grad erwärmt - also stärker als der Durchschnitt der Welt. Dadurch trocknen Pflanzen vermehrt aus und werden noch bessere Nahrung für Feuer. Für die Zukunft sagen Forscher außerdem eine Verschiebung der Niederschlagsmuster voraus - sodass Regenfälle, die Brände löschen könnten, zunehmend erst später im Winter auftreten.

Dazu kommt ein weiteres Problem: Die Klimaforscherin Janin Guzman-Morales von der Scripps Institution of Oceanography an der University of California in San Diego hat mit Computermodellen ausgerechnet, dass sich die Waldbrandsaison in Kalifornien - begünstigt durch den Klimawandel - in Zukunft vom Herbst in den Winter verschieben dürfte. Die Feuer würden also womöglich später beginnen, aber - wegen der dann noch trockeneren Vegetation - länger dauern.

Im Video: So kämpfen die Feuerwehrleute gegen die Flammen

ETIENNE LAURENT/EPA-EFE/REX

Schon jetzt ist die Lage dramatisch: Die diesjährigen Waldbrände haben bereits Zehntausende Menschen aus ihren Häusern vertrieben, Dutzende Gebäude zerstört und mehr als eine Million Menschen wegen vorsorglicher Stromabschaltungen im Dunkeln sitzen lassen. Mit den gezielten "Blackouts" soll verhindert werden, dass durch den Wind beschädigte Leitungen Funken schlagen und dadurch - wie schon mehrfach geschehen - Brände auslösen.

Vor allem für Nordkalifornien ist das insolvenzgeplagte Unternehmen PG&E verantwortlich, im Süden die Firma Southern California Edison. PG&E hatte nach massiver Kritik eine Schuld am Ausbrechen des verheerenden "Camp"-Feuers bei der Ortschaft Paradise im vergangenen Jahr eingestanden, in dessen Folge mindestens 86 Menschen gestorben waren. Die Firma hatte sich in einem Vergleich zur Zahlung von elf Milliarden Dollar an Versicherungsunternehmen verpflichtet.

In diesem Jahr schaltet die Firma deutlich größere Teile des Leitungsnetzes zum vorsorgenden Brandschutz ab. Bäume an Stromleitungen werden per Helikopter gestutzt. Außerdem sollen Kabel nun vermehrt unterirdisch verlegt werden - beim aktuellen Ausbautempo würde PG&E dafür in Kalifornien allerdings etwa tausend Jahre brauchen.

chs/dpa

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