Farallon-Inseln vor Kalifornien Mäuse beeinflussen das Ökosystem – weil sie hungrig sind

Die Farallon-Inseln bei Kalifornien sind wichtige Brutkolonien für Seevögel. Forscher fanden nun heraus: Übermäßig viele Mäuse gefährden den Lebensraum der Vögel. Sie empfehlen eine radikale Gegenmaßnahme.
Hausmaus: Die Tiere sind Opportunisten und Allesfresser

Hausmaus: Die Tiere sind Opportunisten und Allesfresser

Foto: Michael Dietrich / imagebroker / IMAGO

Mäuse haben nicht den besten Ruf – besonders dann nicht, wenn sie in einer großen Anzahl vorkommen. Auf vielen Inseln sind Mäuse invasiv. Zugutekommt den Nagern dabei ihr Charakter: Mäuse sind Opportunisten und Allesfresser. Forscherinnen und Forscher der Louisiana State University haben herausgefunden, dass invasive Hausmäuse auf der Southeast Farallon Island südlich von Kalifornien einen großen Einfluss auf das heimische Ökosystem haben. Veröffentlicht wurde die Studie in »PeerJ—Life and Environment« , berichtet hatte das Magazin Spektrum .

Die Southeast Farallon Island liegt etwa 50 Kilometer westlich von San Francisco und ist die größte der Inseln, die zum Farallon Islands National Wildlife Refuge gehören – die größte Seevogelbrutkolonie in den USA, schreiben die Autoren. Die Mäuse wären auf der Insel nicht heimisch und hätten sich wahrscheinlich unbeabsichtigt im 19. oder 20. Jahrhundert dazugesellt. Schließlich bildeten sie eine der weltweit höchsten bekannten Mäusedichten auf einer Insel: Auf einer Fläche von etwa zwei Fußballfeldern leben einer Mitteilung  zufolge rund 50.000 Hausmäuse.

Ein Team unter der Leitung von Michael Polito, Professor für Ozeanografie und Küstenwissenschaften, hat die ökologische Nische der invasiven Hausmäuse auf der Insel untersucht, um die Ernährungsgewohnheiten in Bezug auf die regionale Flora und Fauna nachvollziehen zu können, heißt es in der Studie. »Vor dieser Untersuchung gab es keine Daten darüber, was genau Mäuse auf der Insel fressen und wie sich ihre Ernährung im Laufe des Jahres verändert«, wird Polito in der Mitteilung zitiert. Um die Ernährung der Mäuse zu untersuchen, nutzten die Forscher ein Verfahren, mit dem die Nahrungsquellen im Gewebe der Mäuse nachgewiesen werden können. Außerdem untersuchte das Team die jahreszeitliche Häufigkeit der Mäuse über einen Zeitraum von 17 Jahren und setzten sie in Beziehung zur Verfügbarkeit von einheimischen Seevögeln, Salamandern, Insekten und der Vegetation auf der Insel.

Southeast Farallon Island

Southeast Farallon Island

Foto: ZUMA Wire / IMAGO

Das Ergebnis: Mäuse sind opportunistische Allesfresser. Die Populationszahlen und Ernährungsgewohnheiten schwanken mit den Jahreszeiten, die Nager reagieren damit auf ein verändertes Nahrungsangebot, schreiben die Autorinnen und Autoren. Im Frühling, wenn die Population gering ist, ernähren sich die Mäuse demnach insbesondere von Pflanzen. Im Sommer hingegen, wenn die Population ansteigt, vor allem von Insekten und Seevögeln – im Herbst schließlich, auf dem Peak der Population, fressen sie fast ausschließlich Insekten. Dadurch würden die Mäuse in Konkurrenz mit dem Farallon-Baumsalamander treten: einer Art, die nur auf der Insel vorkommt. In den Wintermonaten geht die Population wieder zurück.

Ob die Mäuse Seevögel direkt jagen oder verlassene Eier oder Kadaver verzehren, ist der Mitteilung zufolge unklar. Jedoch hätten frühere Studien ergeben, dass allein die Anwesenheit von Mäusen auf den Inseln Raubtiere anlocken, wie etwa Eulen, die dann wiederum die einheimischen Seevögel angreifen können. Auch die Tatsache, dass es sich um eine Insel handelt, lässt den Einfluss der Mäuse wachsen: »Einheimische Pflanzen und viele Tiere können die Insel nicht verlassen, um vor den Mäusen zu fliehen«, wird Polito zitiert. »Diese Pflanzen und Tiere mussten nie ein Verteidigungsverhalten gegen Nagetiere entwickeln, wie es die Arten auf dem Festland entwickelt haben.«

Die Forscherinnen und Forscher kommen zu dem Schluss, dass die Mäuse aufgrund ihrer großen Anzahl und ihrer opportunistischen Ernährung weitreichende Auswirkungen auf das Ökosystem der Insel haben – und deshalb ihre Ausrottung überlegt werden sollte. »Unsere Studie liefert die neuesten und umfassendsten Erkenntnisse über die Ernährung von Mäusen und die Auswirkungen, die sie auf die einheimische Gemeinschaft haben – insbesondere auf den endemischen Baumsalamander«, wird Mitautor Pete Warzybok zitiert. »Diese Ergebnisse sprechen mehr denn je für die Ausrottung der Mäuse als einen entscheidenden Schritt zur Wiederherstellung des Ökosystems der Farallon-Inseln.« Die Ausrottung der Mäuse könne Vorteile für die Wiederherstellung des Ökosystems im Südosten der Insel Farallon bringen. Wichtig sei dabei vor allem die Überwachung nach der Ausrottung, heißt es in der Studie, die sich auf Pflanzen, wirbellose Landtiere, Salamander und Seevogelpopulationen konzentrieren müsse – so könnten die Vorhersagen bestätigt werden.

ani
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