Kalkuliert Klimawandel verlängert die Tage

Belgische Forscher haben einen kuriosen Nebeneffekt der Erderwärmung ermittelt: Nach ihren Berechnungen führt der steigende Kohlendioxid-Gehalt zu immer längeren Tagen.


Sonnenuntergang in der Südsee: Die Tage werden länger
GMS

Sonnenuntergang in der Südsee: Die Tage werden länger

Wenn belgische Forscher Recht behalten, werden die Tage durch menschlichen Einfluss um Winzigkeiten länger - verursacht von der steigenden Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Allerdings wird der Effekt, wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" berichten, vermutlich erst in Jahrzehnten messbar sein.

Das Team um Olivier de Viron von der Königlichen Sternwarte von Belgien ging bei seinen Berechnungen, für die es 14 verschiedene Klimamodelle einsetzte, von einem jährlichen Anstieg der CO2-Konzentration um ein Prozent aus - den Forschern zufolge ein realistisches Szenario. Mit dieser Steigerungsrate wäre in 70 Jahren eine Verdopplung des heutigen CO2-Wertes erreicht.

Derzeit können Wissenschaftler die Länge eines Tages mit einer Genauigkeit von rund zehn Mikrosekunden messen, also bis auf eine Hunderttausendstel Sekunde. Dabei lassen sich leichte Schwankungen feststellen, die vor allem auf Veränderungen der atmosphärischen Winde und der Meeresströmungen zurückgehen. Die Bewegung der Lufthülle und Ozeane hat einen Einfluss auf die Erdrotation, und damit auch auf die Länge der Tage.

Ein vom CO2-Anstieg hervorgerufener Klimawandel würde daher auch die Tageslänge verändern. Der von den belgischen Forschern errechnete jährliche Zuwachs liegt allerdings nur in der Größenordnung einer Mikrosekunde. Solche Änderungen wären zu gering, um sie mit den heutigen Messmethoden von den natürlich auftretenden Schwankungen unterscheiden zu können.

Über Jahrzehnte hinweg würde sich der Effekt jedoch nachweisen lassen, wie die Wissenschaftler meinen. Sie erwarten, dass sich die Tage pro Dekade im Schnitt um etwa elf Mikrosekunden verlängern werden, womit sich der Anstieg messen ließe. Allerdings würde selbst der Zuwachs in einem Jahrhundert nur 0,11 Millisekunden betragen - immer noch deutlich weniger als ein Wimpernschlag.



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