Eisbrecher auf dem Weg Kanada will Anspruch auf Nordpol beweisen

Seit zwölf Jahren erhebt Kanada Gebietsansprüche in der Arktis - wie auch Russland. Die Klärung der Frage, wem im Norden was gehört, wird über Rechte auf Rohstoffe entscheiden. Kanada hofft, mit neuen Vermessungen Tatsachen zu schaffen.
Eisbrecher "Terry Fox" (Archivbild): Forschungsschiffe sollen Beweise für Kanadas Gebietsansprüche liefern

Eisbrecher "Terry Fox" (Archivbild): Forschungsschiffe sollen Beweise für Kanadas Gebietsansprüche liefern

Foto: Pierre Morel/ AP

Toronto - Kanada hat am Freitag zwei Forschungseisbrecher in die Arktis entsandt, um die seit elf Jahren laufende Kartierung des arktischen Meeresbodens fortzuführen. Die Kartierung wird gebraucht, um weitreichende Gebietsansprüche zu untermauern, die Kanada im Dezember 2013 gegenüber der Uno-Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels  (CLCS) angemeldet hat.

Kanadas Premierminister Stephen Harper hatte zunächst Anspruch auf 1,2 Millionen Quadratkilometer polarer Region anmelden lassen , das aber nachträglich um Forderungen ergänzt, die nun auch den Nordpol selbst einschließen. Auf den erhebt allerdings auch Russland Anspruch , und Dänemark könnte folgen: Sollte die Vermessung des Kontinentalschelfs östlich von Grönland entsprechende Ergebnisse bringen, hätte Dänemark gute Aussichten, den Zuschlag zu bekommen.

Über den entscheidet maßgeblich die CLCS. Wenn diese Festlandsockelkommission tagt, dann stehen die Kamerateams eher selten Schlange, um sich über die neuesten Anträge  zu informieren. Dabei hat dieser von der Uno bestellte Ausschuss eine Aufgabe, die im Wortsinn die Welt verändern könnte: Seit 1980 prüft die Kommission die Seegebietsansprüche der Nationen und definiert deren 200-Meilen-Zonen.

Das klingt bürokratisch, ist aber höchst brisant. Denn die Ausdehnung der 200-Meilen-Zone, in deren Grenzen die Nationen Rechte zur Ausbeutung natürlicher Ressourcen genießen, werden vom Verlauf der Kontinentalsockel bestimmt - und die entsprechen oft nicht unbedingt dem, was man davon über Wasser sieht.

So ist es beispielsweise Neuseeland in den vergangenen Jahrzehnten durch Vermessung und Nachweis seiner Kontinentalsockelgrenzen gelungen, die fünftgrößte 200-Meilen-Zone der Welt zu beanspruchen. Die vergleichsweise kleine Doppelinsel verfügt nun über größere Seegebiete als die USA.

Von besonderer Brisanz sind solche Fragen, wenn die Ansprüche auf Gebiete bisher nicht geklärt, die Ressourcen nicht ausgebeutet wurden. So wie im Fall der Arktis, deren Eismassen es bisher verhinderten, die Rohstoffvorkommen auf ihren Meeresgründen  auszubeuten. Seit die nördliche Polkappe merklich zurückgeht und die Technik zur Förderung auch unter arktischen Bedingungen voranschreitet, sind die Begehrlichkeiten gewachsen.

Alle Anrainerstaaten erheben Ansprüche auf arktische Regionen, und Russland und Kanada die weitestgehenden. Neben Dänemark sind sie die einzigen, die auch Ansprüche auf die Polregion selbst anmelden könnten - wenn der Nachweis einer direkten Verbindung oder Zugehörigkeit der umstrittenen Regionen mit dem eigenen Kontinentalschelfgebiet gelänge.

Beim Versuch, diesen Nachweis zu führen, treffen sich kanadische und russische Forscher seit 2001 jedes Jahr in arktischen Gewässern. Seit 2013 erheben beide Nationen, basierend auf vorläufigen Studien, offiziell Anspruch auf die Polregion. Der Ton im Disput um die Eigentumsrechte wird dabei zunehmend schärfer: Im vergangenen Winter verstärkte Russland nicht zum ersten Mal seine militärische Präsenz in der Arktis, um seine Ansprüche zu untermauern.

Der US-amerikanische Geological Survey geht davon aus, dass die umstrittene Region 30 Prozent der weltweiten Gasvorkommen vorhält und 15 Prozent der restlichen Ölvorräte. Gelänge Kanada der Nachweis, dass der unter dem Pol verlaufende, aus Kontinentalkruste bestehende Lomonossow-Rücken zu Kanada gehörte, würde das den kanadischen Anteil an diesen Gebieten und Ressourcen erheblich vergrößern.

Seit Freitag sind die kanadischen Küstenwachen-Eisbrecher "Terry Fox" und "Louis St. Laurent" genau dorthin unterwegs. Die Kollegen aus dem Osten dürften bald folgen.

Mit Informationen der Nachrichtenagentur AP