Kanada Gigantischer Eisberg losgebrochen

Das arktische Meereis zerfällt weiterhin mit dramatischem Tempo: Ein Jahrtausende altes Eisschelf ist losgebrochen und treibt nun im Ozean. Der Verlust an Eisfläche im hohen Norden übertrifft die Erwartungen von Forschern bei weitem.

Toronto - Der Zerfall der Eisschelfs in der kanadischen Arktis scheint unaufhaltsam. Jetzt haben Forscher bekanntgegeben, dass das Markham-Schelf in der Region um die Ellesmere-Insel abgebrochen ist und in Richtung Atlantik treibt. Das Schelf mit einer Fläche von 49 Quadratkilometern löste sich demnach bereits Anfang August. Als Ursache nannte Luke Copland vom Labor für Kryosphärenforschung an der University of Ottawa die ungewöhnlich hohe Lufttemperatur in diesem Sommer.

Nach Angaben des Eisforschers Derek Mueller von der Trent University in Peterborough (Provinz Ontario) sind damit allein in diesem Sommer 214 Quadratkilometer arktische Eisfläche verlorengegangen. Das ist fast ein Viertel des gesamten "ewigen Eises" in Kanadas Norden. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Temperaturen in der Arktis deutlich schneller gestiegen als im globalen Durchschnitt.

"Wir können nicht jedes einzelne Ereignis dem Klimawandel zuordnen, aber wir können sicher die Muster miteinander in Verbindung bringen", sagte Mueller. "Diese Veränderungen sind unumkehrbar und weisen darauf hin, dass die Umweltbedingungen, die diese Eisschelfs über Jahrtausende im Gleichgewicht gehalten haben, nicht mehr existieren." Allein im Bereich der Ellesmere-Insel seien in diesem Sommer rund 134 Quadratkilometer Eisfläche verlorengegangen. Das sei zehnmal mehr, als Wissenschaftler noch am 30. Juli geschätzt hätten.

Die Ellesmere-Insel, rund 800 Kilometer vom Nordpol entfernt, ist die drittgrößte und nördlichste kanadische Insel. Noch vor einem Jahrhundert war sie von einem riesigen, bis zu 70 Meter dicken und bis zu 4500 Jahre alten Gletscher bedeckt. Bis zum Jahr 1990 hatte sich die geschlossene Eisfläche auf sechs voneinander getrennte Eisbretter reduziert. Bereits im Juli war das Ward-Hunt-Schelf auseinandergebrochen. Erst vor wenigen Tagen hatten Forscher gemeldet, dass die Nordost- und Nordwestpassage erstmals gleichzeitig eisfrei sind.

mbe/AP/dpa/Reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.