Streit um streunende Tiere Braucht Deutschland eine Katzensteuer?

Für die einen sind sie die süßesten Haustiere überhaupt, die anderen halten sie für gefährliche Vogelkiller. Für Katzen sollten Steuern fällig werden, fordern Jäger. Eine TV-Reportage zeigt den erbitterten Streit um das Lieblingstier der Deutschen.


13 Millionen Katzen leben in Deutschland, längst hat die Katze den Hund als beliebtestes Haustier abgelöst. Der Deutsche Jagdverband sieht angesichts Millionen freilaufender Katzen die Artenvielfalt als gefährdet an. Katzenbesitzer sollten mehr Verantwortung und eine Abgabe leisten, als ökologische Ausgleichssteuer für den Schaden, den ihre Haustiere in der Vogelwelt anrichten.

Die Debatte um eine mögliche Katzensteuer ist Thema einer SPIEGEL-TV-Reportage, die am heutigen Abend auf Arte läuft. Politiker und Tierschützer lehnen die Katzensteuer ab. Sie fordern stattdessen eine Kastrationspflicht, damit die Zahl insbesondere der herumstreuenden Katzen nicht weiter steigt.

Auch der Bund der Steuerzahler spricht sich gegen die Katzensteuer aus. Aufwand und Ertrag würden in keinem Verhältnis stehen, sagt die Steuerexpertin des Verbands, Isabel Klocke. Zudem sei die Katzensteuer wenig praktikabel: Der Fiskus habe keine Chance, Wohnungskatzen aufzuspüren. Auch die Besitzer von Freigängern könne man nicht identifizieren.

Jagdlust längst verloren?

Wie weit Vogelfreunde bereit sind zu gehen, zeigt das Beispiel von Harald Körber aus Prisdorf im Kreis Pinneberg: Er hat die Volieren in seinem Garten mit einem Weidezaun unter Strom gestellt. So will er seine Vögel vor wilden Streunern schützen.

Doch wie gefährlich sind Katzen tatsächlich für die Vogelwelt? Sind sie brutale Raubtiere oder domestizierte Kuschelmiezen, die durch ihre menschlichen Ernährer die Lust auf Lebendbeute längst verloren haben?

Sabine Hallmann aus Alverdissen im Weserbergland beherbergt auf ihrem Hof zehn Katzen, die meisten davon sind ihr zugelaufen. Für die Rechtsanwältin sind Katzen wichtige Nutztiere: "Als wir damals den Hof übernommen haben, war hier eine richtige Rattenplage. Die Katzen haben hier nach und nach vernünftig aufgeräumt. Da weiß man dann auch, warum die alten Ägypter sie als Gottheiten verehrt haben. Katzen haben schon damals die Ernte gerettet."

Naturschützer wehren sich dagegen, Katzen pauschal als Risiko für andere Tierarten darzustellen. Lars Lachmann, vom Naturschutzbund kennt keine Studie, welche die Bedrohung der Katze für die Artenvielfalt in Deutschland ermittelt hat. Anders als auf geografisch isolierten Flächen - zum Beispiel Inseln - stellten Katzen in Deutschland keine Gefahr dar, sagt der Vogelexperte. In Mitteleuropa habe es schon immer Landraubtiere gegeben, auch Wildkatzen, ohne dass jemals eine einzige Vogelart durch diese Jäger vollständig ausgerottet worden sei.

Sendetermin: 13. Juni 2017, 19.40 Uhr oder Arte-Mediathek

Nicola Burfeindt

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