Katzen-Intuition Weibchen reagieren sensibler auf Babyschreie

Ruft ein Jungtier panisch nach Beistand, reagieren weibliche Katzen sofort. Auch Kater nehmen das Miauen wahr - können aber offenbar nicht einschätzen, wie dringend es ist. Beim Menschen ist das ähnlich.

Versuchskater Carlos
Sebastian Gollnow/dpa

Versuchskater Carlos


Weibliche Katzen können den Erregungsgrad von Katzenbabys am Miauen der Kleinen erkennen. Sie reagieren um zehn Prozent schneller auf Laute von Kätzchen, die sich in großer Not wähnen, wie Wissenschaftler von der Tierärztlichen Hochschule und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) herausgefunden haben.

Kater reagierten zwar grundsätzlich auch auf Rufe von Kätzchen - allerdings immer gleich, egal in welcher Situation sich die Kleinen befanden. "Offenbar sind die akustischen Unterschiede zwischen dem Miauen von weniger und stark erregten Jungtieren für die Männchen entweder nicht wahrnehmbar oder nicht von Bedeutung", sagt die Biologin Wiebke Konerding von der MHH. Sie ist Erstautorin der Studie, die im Fachmagazin "BMC Evolutionary Biology" veröffentlicht wurde.

In einer vorherigen Untersuchung hatte das Forscherteam bereits herausgefunden, dass sich die Dauer und Tonhöhe der Kätzchenschreie mit der Dringlichkeit ihrer Hilfebedürftigkeit unterscheidet.

Auch kinderlose Katzen beunruhigen die Schreie

In der aktuellen Studie beobachteten die Forscher insgesamt neun erwachsene Kater und acht Kätzinnen aus der Tierhaltung der MHH. Ihnen wurden zum einen Rufe von Kleinen vorgespielt, die für drei Minuten aus der Wurfbox genommen und von Mutter und Geschwistern getrennt wurden. Zum anderen wurden sie mit Schreien von stärker erregten Kätzchen konfrontiert, die zusätzlich hochgehoben wurden.

Die Forscher halten ihre Ergebnisse trotz der geringen Stichprobe für aussagekräftig. "Alle Weibchen, sogar die, die noch keinen eigenen Nachwuchs hatten, reagierten differenziert auf die Schreie", sagt Konerding. Sie drehten sich schneller zum Lautsprecher um, wenn dieser Rufe der sehr erregten Kätzchen abspielte.

Diese Fähigkeit sei möglicherweise angeboren oder entwickele sich mit der Geschlechtsreife. "Eine Überraschung war, dass die Männchen überhaupt reagiert haben", sagt die Biologin.

In der Vergangenheit haben Wissenschaftler bereits mehrfach beim Menschen die Reaktionen von Frauen und Männern auf Babygeräusche untersucht. Auch dabei zeigten einige Studien, dass Frauen sensitiver auf Säuglinge reagierten, ganz gleich ob sie bereits Mütter waren oder nicht, berichtete die Biologin Marina Scheumann.

jme/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.