Neue Zählung Im Wattenmeer leben immer mehr Kegelrobben

Die Kegelrobbe gilt als größtes Raubtier Deutschlands. Weil sie auch Fisch frisst, wurde sie lange stark bejagt. Inzwischen wachsen die Populationen wieder – aber nicht überall gleich schnell.
Ein Robbenbaby in der Seehundstation Friedrichskoog (Archivbild)

Ein Robbenbaby in der Seehundstation Friedrichskoog (Archivbild)

Foto: A3828 Christian Hager/ dpa

Es gibt mehr Kegelrobben im Nordwesten Deutschlands. Die Wattenmeer-Population, bei der die Anzahl der geborenen Jungtiere ermittelt wird, ist in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich elf Prozent pro Jahr gewachsen. Das Wattenmeer-Sekretariat in Wilhelmshaven stellte am Montag die Ergebnisse  einer aktuellen Zählung vor.

Im gleichen Zeitraum stieg demnach auch die Zahl der während des Fellwechsels gezählten Kegelrobben weiter an – mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 13 Prozent. Regionale Unterschiede müssten in den nächsten Jahren allerdings weiter untersucht werden, schrieb das Wattenmeer-Sekretariat.

Wenig Jungtiere in Schleswig-Holstein und Dänemark

Kegelrobben werden in den frühen Wintermonaten geboren. Bei der jüngsten Erhebung wurden insgesamt 1927 Jungtiere gezählt, 201 mehr als im Vorjahr. Die größten Zunahmen der Zahlen wurden in Niedersachsen (16 Prozent) und Helgoland (zwölf Prozent) beobachtet. Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer und in Dänemark wurden dagegen nur ein beziehungsweise drei Jungtiere gesichtet. Mit 1026 gezählten Tieren wird der Großteil der Meeressäuger immer noch im niederländischen Wattenmeer geboren, doch die Anzahl der Geburten ist dort geringer als im Zeitraum 2018 bis 2019 (1062 Jungtiere).

Kegelrobben gelten als größtes Raubtier Deutschlands. Bullen können bei einer Länge von bis zu 2,30 Metern ein Gewicht von über 300 Kilogramm auf die Waage bringen. Weibchen werden bis zu zwei Meter lang und bis zu 185 Kilogramm schwer. Vor dem Mittelalter gab es zahlreiche Kegelrobben, sie verschwanden jedoch vermutlich aufgrund übermäßiger Bejagung. Eine erwachsene Kegelrobbe frisst täglich bis zu sechs Kilogramm Fisch und andere Meerestiere.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kehrten die Tiere zurück ins Wattenmeer. Im Jahr 2021 wurden insgesamt 9069 Kegelrobben an der Nordsee gezählt. Zudem gibt es unter anderem auch an der Ostsee wieder Kegelrobben. Dort gehen Fachleute des Meereskundemuseums Stralsund von derzeit 60 bis 80 Tieren aus , die an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern leben. Fischer fürchten um den Heringsfang – und um ihre Netze. Kommerzielle Stellnetzfischer in den Küstengewässern bekommen deswegen 50 bis 80 Prozent der nachgewiesenen Fraß- und Netzschäden vom Land ersetzt .

chs/dpa
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