Kein Biotop aus Müll Reifen-Riff wird abgebaut

Es sollte das größte künstliche Korallenriff der Welt werden: 1972 wurden an der Küste Floridas vor Fort Lauderdale rund zwei Millionen alte Autorreifen versenkt - doch Korallen kamen einfach nicht. Jetzt wird der Müll wieder aus dem Meer geholt.


Künstliche Korallenriffs sind bizarre Erscheinungen. Da versinkt ein Schiff nahe der Küste im Meer - und wenige Jahre später haben Korallen das Wrack erobert. Mancher Stahlkoloss ist so überwuchert, dass er gar nicht mehr als solcher zu erkennen ist. Im Golf von Mexico wurde vergangenes Jahr sogar ein ehemaliger Flugzeugträger gezielt versenkt, um ein neues Riff entstehen zu lassen. Bereits 2004 haben die Briten das mit der Fregatte "Scylla" vor der Küste Südenglands vorgemacht.

Schon im Jahr 1972 hatten Wissenschaftler nahe Fort Lauderdale vor der Küste Floridas versucht, ein Riff mit alten Autoreifen anzulegen. Etwa zwei Millionen davon wurden am Meeresboden verankert. Erwünschter Nebeneffekt: Die Altreifen gaben Platz auf überfüllten Mülldeponien frei, der dringend für anderen Unrat benötigt wurde.

Aber das Projekt stand unter keinem glücklichen Stern. An den Reifen entwickelte sich nur wenig Unterwasserleben. Stattdessen lösten sich einige der Nylon- oder Stahlseile, mit denen die Bündel fixiert worden waren. Reifen wurden an die Strände Floridas gespült - und auch zu zwei nahe gelegenen natürlichen Riffs getrieben, wo sie schwere Zerstörungen anrichteten.

Ähnliche schlechte Erfahrungen hatten Forscher auch in Indonesien und Malaysia gemacht, als sie dort versuchten, aus Altreifen Unterwasserwelten zu schaffen. Mittlerweile haben die beteiligten Wissenschaftler in Florida eingesehen, dass ihr Vorhaben keine gute Idee war.

US-Militärtaucher haben jetzt damit begonnen, die Altreifen wieder vom Meersboden zurückzuholen. Sie haben sich viel vorgenommen: Schätzungsweise bis zum Jahr 2010 wird es dauern, bis der Mobilitätsmüll wieder aus dem Meer geborgen sind.

hda/AP



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