Kein Schwips Elefanten torkeln ohne Alkohol

Wenn Elefanten mit einem Schwips durch die Savanne schwanken, liegt das nicht daran, dass die Dickhäuter vergorene Früchte verspeist haben. Britische Forscher glauben vielmehr, dass Gift aus Baumrinden die Rauschzustände verursacht.


Ihren Ruf als Trunkenbolde haben Elefanten schon lange weg. Im Filmklassiker "Die lustige Welt der Tiere" wankten die Giganten durch die afrikanische Savanne - ähnlich wie Kneipenbesucher nach einer Schnaps- und Bierorgie. Zudem kursieren Berichte von Elefanten, die in Bier- und Weinlager eingedrungen sein sollen, um sich dem Alkohol hinzugeben.

Elefant in Kenia: Doch kein Trunkenbold
REUTERS

Elefant in Kenia: Doch kein Trunkenbold

Schon länger bekannt ist auch die Vorliebe der Tiere für Marula-Bäume: Sobald deren Früchte reif sind, tummeln sich zahlreiche Elefanten in der Nähe der Bäume, um ihren Appetit zu stillen. Obwohl sie dabei Früchte bevorzugen, die noch am Baum hängen, verschmähen sie auch bereits herabgefallene Exemplare nicht.

Nach drei bis vier Tagen am Boden hat sich in dem Fallobst durch Gärungsprozesse ein Alkoholgehalt von etwa drei Prozent entwickelt. Bisher dachten Forscher, das Fressen dieser alkoholhaltigen faulen Früchte versetze die Elefanten in einen Rauschzustand.

Doch torkelnden Elefanten in der afrikanischen Savanne sind möglicherweise gar nicht betrunken: Biologen der Bristol University halten es für praktisch unmöglich, dass die Dickhäuter von den Früchten einen Schwips bekommen können. Dazu müssten die Tiere nämlich Unmengen des gärenden, aber nicht eben hochprozentigen Obstes zu sich nehmen, schreiben Steve Morris und seine Kollegen im Fachmagazin "Physiological and Biochemical Zoology".

Nach Meinung der britischen Biologen wäre ein Alkoholrausch nur möglich, wenn die Tiere ausschließlich Marula-Früchte fressen würden, und zwar mindestens das 400-Fache der maximal aufgenommenen Nahrungsmenge, ohne Wasser zu trinken. Zudem müssten dabei alle Früchte mindestens drei Prozent Alkohol enthalten. Nur unter diesen Voraussetzungen könne etwa ein drei Tonnen schwerer Dickhäuter genügend Alkohol für einen Schwips aufnehmen.

Die Ursache für die oft beobachteten Rauschzustände der Elefanten ist nach Meinung der Wissenschaftler vielmehr die giftige Baumrinde, die die Elefanten ebenfalls fressen. In ihr leben bestimmte Käferpuppen, die Einheimische traditionell zum Anfertigen giftiger Pfeilspitzen verwenden. Das in den Puppen enthaltene Gift könnte nach Ansicht der Forscher bei den Elefanten den oft beobachteten wankenden Gang auslösen und ihnen damit den Ruf als Trunkenbolde eingebracht haben.



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