Satellitenbild der Woche Ein Erz und eine Seele

Die weltgrößte Eisenerzmine liegt im Norden Schwedens - unter einer Stadt, die ihretwegen umziehen muss. Ein Bild aus dem All erzählt ihre Geschichte.


Kiruna aus dem All
U.S. Geological Survey/ NASA

Kiruna aus dem All

Sie fragen sich, wie viele Wortspiele man mit dem Wort Erz machen kann? Es sind viele, glauben Sie uns. Also erzlich willkommen in diesem Text! Nur echt mit mindestens einem - gelegentlich auch etwas bemühten - Erz-Kalauer in jedem Absatz.

Vordergründig geht es natürlich, wie in jeder Woche in dieser Rubrik, um ein Satellitenbild. Dieses stammt vom Nasa-Satelliten "Landsat 8" und zeigt das nordschwedische Kiruna aus 700 Kilometern Höhe. Die Stadt (in der Bildmitte) ist wegen ihrer Mine (links im Bild) berühmt. Dort wird seit rund 120 Jahren ein riesiges Vorkommen an Magnetit ausgebeutet, das größte seiner Art. Weil das Bergwerk von Kiruna immer größer und tiefer wird, mittlerweile fördert man in 1365 Metern Tiefe, erz-wingt es jetzt den Umzug des gesamten Ortes mit seinen rund 18.000 Einwohnern.

Seit 2014 gibt es einen Plan für die schrittweise Verlegung um fünf Kilometer nach Osten. Sie soll bis ins Jahr 2033 dauern. Widerstand aus der Bevölkerung gibt es dagegen kaum. Alles eine Frage der Erz-iehung - schließlich arbeitet ein großer Teil der Bewohner Kirunas in irgendeiner Form für die Mine.

Das denkmalgeschützte Rathaus aus den frühen Sechzigerjahren zieht nicht mit um und wird abgerissen, wenn Kiruna in den kommenden Jahren an seinen neuen Standort verlegt wird. Hier wären der Ab- und Wiederaufbau teurer als eine komplette Neukonstruktion. Umgesetzt wird dagegen die 1912 gebaute Holzkirche. Hand aufs Erz - wer würde auch ein Gotteshaus abreißen?

Wenn die Erz-Bischöfin der Schwedischen Kirche, die deutschstämmige und alles andere als erz-konservative Antje Jackelén, ihre Schäfchen in Kiruna besuchen will, muss sie übrigens in ein Flugzeug steigen. Von ihrem Bischofssitz in Uppsala in den hohen Norden braucht sie dann immer noch knapp zwei Stunden. Aber das sei hier nur am Rande erz-ählt.

So lebt es sich in Kiruna

Die Transportfrage stellt sich auch für die Millionen Tonnen an Eisenerz, die jedes Jahr in Kiruna gefördert werden. Sie werden über eine mehr als 470 Kilometer lange Eisenbahnstrecke ins norwegische Narvik gebracht. Dort gibt es einen eisfreien Hafen, über den der zu einem Granulat verarbeitete Rohstoff ganzjährig mit dem Schiff abtransportiert werden kann. Erze ohne Grenzen, sozusagen.

Das Eisen im Boden unter Kiruna dürfte der Minengesellschaft LKAB auch noch auf Jahrzehnte gute Geschäfte bescheren. Genug davon da ist jedenfalls, eine Erz-insuffizienz ist nicht zu befürchten. Vielleicht bauen allerdings eines Tages Roboter die Vorkommen vollautomatisch ab. Zumindest einen sollte man dann Erz-Zwo-Dee-Zwo nennen.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

In einer Art Erzschlagfinale ist es uns tatsächlich gelungen, diesen Text mit seinen diversen platten Wortspielen und Sch-erzen sicher zu Ende zu bringen. Ganz erzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir holen uns jetzt erztlichen Rat, wie wir mit dieser verdammten Wortspielerei aufhören können. Das wäre erzallerliebst!

chs



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
morini22 06.11.2016
1. Vielen Dank an den Erz-Ähler ..
Schöner,lockerer Beitrag ! Allerdings bin ich etwas erstaunt über die Aussage ,dass das denkmalgeschützte Rathaus aus Kostengründen abgerissen wird . Geld dürfte bei dem Umzug eine eher nachgeordnete Rolle spielen . Zudem ist Denkmalschutz meinem Verständnis gerade eine Massnahme,um monetäre Abwägungen auszuschließen.
KlausF20 06.11.2016
2. Gotteshaus
in Skandinavien sind bis zu 85% der Bevölkerung Atheisten. Bis auf die historische und kulturelle Bedeutung ist es mit der Wichtigkeit von Kirchen also nicht so weit her.
herr wal 06.11.2016
3. Sie müssen das Aufhören ja auch nicht erz-wingen.
In einer Art Erzschlagfinale ist es uns tatsächlich gelungen, diesen Text mit seinen diversen platten Wortspielen und Sch-erzen sicher zu Ende zu bringen. Ganz erzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir holen uns jetzt erztlichen Rat, wie wir mit dieser verdammten Wortspielerei aufhören können. Das wäre erzallerliebst! Erz-ählen Sie doch einfach noch ein bißchen weiter. Vielleicht von dem Grubengeologen, der vor ca. 100 Jahren gesagt hat: Leute, baut die Stadt für die Minenarbeiter doch bitte woanders hin. Denn in 100 Jahren werden unsere Nachkommen genau darunter sprengen, und dann wird es im Ort sehr wackelig und rissig. Sic. Und von dem Erts- sorry Ortsbürgermeister und den kostenbewußten Businessmenschen, die alle Warnungen in den Wind schlugen. Oder von den beh-erz-ten Schweden (oder waren es Norweger?), die ihre eigene Brücke sprengten, so da-SS die Erz-Züge nicht mehr zum Erz-Hafen in Narvik fahren konnten. Woraufhin das Eisen-Erz im Berg blieb, statt im Deutschen Reich in E-SS-en zu Panz-erz verarbeitet zu werden.
Bueckstueck 06.11.2016
4. Hier! Ich weiss wer!
"Hand aufs Erz - wer würde auch ein Gotteshaus abreißen?" Die Deutschen! Für den Braunkohletagebau wurden schon zahlreiche Kirchen platt gemacht. Als Ersatz gab es dann oft einen schicken Betonbau.
schlegel69 06.11.2016
5. Das grenzt doch an...
Erz-enzählerei, wenn man das Rathaus nur aus kostengründen nicht mit umzieht!
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