Klima 2014 war wärmstes Jahr seit Beginn der Messungen

Der erste Datensatz über das Klima 2014 liegt vor: Das vergangene Jahr war das wärmste seit Beginn der Messungen, meldet die japanische Wetterbehörde. Nimmt die globale Erwärmung wieder Fahrt auf?
Temperaturabweichungen 2014: Rot zeigt Regionen, die wärmer waren als im Durchschnitt von 1981 bis 2010, blaue Gebiete waren kühler als diejenigen von 1981 bis 2010

Temperaturabweichungen 2014: Rot zeigt Regionen, die wärmer waren als im Durchschnitt von 1981 bis 2010, blaue Gebiete waren kühler als diejenigen von 1981 bis 2010

Foto: Japan Meteorological Agency

Hamburg - Eine der bedeutendsten Fragen der Wissenschaft erhält neuen Zündstoff: Geht die globale Erwärmung weiter? Seit Ende der Neunzigerjahre war der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur ins Stocken geraten - obwohl zugleich der Ausstoß von Treibhausgasen aus Industrie, Heizungen und Straßenverkehr verstärkt weiterging.

Forscher machen vor allem die Ozeane für die scheinbar paradoxe Entwicklung verantwortlich, ihr Wasser hat womöglich mehr Wärme aufgenommen. Zahlreiche weitere Erklärungen für die unerwartete Entwicklung zeigen jedoch, wie umstritten die Frage ist. Umso dringender wäre die Antwort der Natur: Nimmt der Temperaturanstieg der Luft wieder Fahrt auf?

Mit Spannung erwarten Wissenschaftler die Veröffentlichung neuer Temperaturmessungen von mehreren Instituten in den kommenden Wochen. Als Erstes hat die japanische Wetterbehörde JMA ihre Wetterdaten für 2014 veröffentlicht. Demnach war das vergangene Jahr das wärmste seit Beginn der Messungen Ende des 19. Jahrhunderts.

Globale Erwärmung: Die JMA-Grafik zeigt die Abweichung der weltweiten Durchschnittstemperatur vom Durchschnitt zwischen 1981 bis 2000

Globale Erwärmung: Die JMA-Grafik zeigt die Abweichung der weltweiten Durchschnittstemperatur vom Durchschnitt zwischen 1981 bis 2000

Foto: Japan Meteorological Agency

El Niño legt nach

Auch die Daten anderer Institute deuteten auf einen neuen Rekord im Jahr 2014 hin. Und für 2015 erwarten Meteorologen das Aufziehen des pazifischen Wetterphänomens El Niño, das die globalen Temperaturen gewöhnlich nach oben treibt. Der Erwärmungstrend der bodennahen Luft dürfte also wieder zulegen.

Gleichwohl sei es trotz neuer Wärmerekorde "zu früh, vom Ende der etwa 15-jährigen Erwärmungspause auszugehen", hatte das Deutsche Klima-Konsortium, ein Zusammenschluss führender Institute, bereits erklärt. "Erst mit den Folgejahren wird sich beurteilen lassen, inwieweit die globale Erwärmung der Erdoberfläche wieder Fahrt aufgenommen hat."

Der langfristige Trend zeige ohnehin stetig nach oben, erklärt die japanische Wetterbehörde. Über die vergangenen 100 Jahre gerechnet sei die globale Durchschnittstemperatur um 0,7 Grad gestiegen. Und die Periode der Jahrtausendwende war die wärmste seit Beginn der systematischen Messungen Ende des 19. Jahrhunderts - trotz Pause. "14 der 15 wärmsten Jahre liegen im 21. Jahrhundert", betont der Chef der Uno-Wetterbehörde WMO, Michel Jarraud.

TÜV für Prognosemodelle

Was bedeutet die Entwicklung für die Zukunft? Der Klimarat der Vereinten Nationen sagt weiterhin eine gravierende Erwärmung vorher, falls der Ausstoß von Treibhausgasen nicht massiv eingedämmt werde. Zwar gebe es erhebliche Unsicherheiten bei den Berechnungen, weshalb kurzfristige Klimaschwankungen oft unerklärlich blieben. Auf lange Sicht jedoch werde sich die wärmende Wirkung der menschengemachten Abgase durchsetzen.

Die stockende Erwärmung der vergangenen Jahre gibt den Forschern allerdings Rätsel auf - vor allem, weil ihre Prognosemodelle die lange Pause nicht auf der Rechnung hatten. Derzeit laufen zahlreiche Tests, die die Qualität der Programme beweisen sollen.

Sensibles Klima

Zudem erstaunen Satellitenmessungen, die seit Mitte der Neunzigerjahre für höhere Luftschichten besonders in den Tropen kaum Erwärmung zeigen. Forscher debattieren deshalb, ob die Sensibilität der Lufttemperatur gegenüber Treibhausgasen womöglich schwächer ist als vermutet.

Geologische Daten der Erdgeschichte indes legen die Befürchtung nahe, insbesondere die großen Eismassen in der Antarktis und in Grönland könnten weitaus empfindlicher reagieren als erhofft - die Meeresspiegel würden schneller steigen. Andere Daten jedoch deuten eher auf Stabilität.

Die Unsicherheiten zeigen, dass die entscheidenden Fragen über die Zukunft nicht anhand kurzfristiger Temperaturschwankungen beantwortet werden können. Ein einziges Jahr, so erklärt es das Deutsche Klimakonsortium, falle bei den üblichen natürlichen Klimaschwankungen kaum ins Gewicht. Wärmerekord hin, Erwärmungspause her - die Sorgen und Fragen zum Klimawandel bleiben die alten.

Der Autor auf Twitter:

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.