Klimabericht der Bundesregierung Deutschland hat sich bereits um 1,5 Grad erwärmt

Vertrocknete Wälder, Niedrigwasser in Flüssen, Sturmfluten an der Küste: Der Klimawandel ist einer neuen Auswertung zufolge in Deutschland angekommen, die Effekte lassen sich immer klarer direkt messen.
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Okertalsperre im Harz: Die Harzwasserwerke sind der größte Trinkwasserversorger Niedersachsens, im September waren die sechs großen Stauseen nur noch zu 46 Prozent gefüllt

Foto: Jacob Maibaum/ Getty Images

Die Folgen der globalen Erderwärmung werden in Deutschland schon heute immer spürbarer: Zu diesem Ergebnis kommt der zweite Klima-Monitoringbericht der Bundesregierung. Demnach hat sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. Allein in den vergangenen fünf Jahren stieg diese um 0,3 Grad an.

"Die Folgen des Klimawandels treten immer deutlicher zutage", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Die Erderwärmung führe zu höheren Gesundheitsrisiken durch Hitzebelastung, einem Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee sowie zu stärkeren Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft. Besonders Städte müssten sich besser vor Hitze, Starkregen und Hochwasser wappnen.

Die weiteren Ergebnisse im Überblick:

  • Die Erhöhung der mittleren Temperatur führt auch zu mehr Hitzetagen, an denen die Temperatur über 30 Grad steigt. Gab es 1951 noch durchschnittlich drei Hitzetage pro Jahr, sind es mittlerweile zehn.
  • Erstmals führt der Bericht hitzebedingte Todesfälle in Deutschland auf. Demnach sind im Jahr 2003 rund 7500 Menschen mehr gestorben, als ohne Hitzeperiode zu erwarten gewesen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es jeweils 6000 zusätzliche Todesfälle.
  • Langanhaltende Trockenheit habe in den vergangenen zehn Jahren immer häufiger zu niedrigen Grundwasserständen geführt. Einige Gemeinden hatten deshalb Probleme bei der Trinkwasserversorgung. (Mehr dazu lesen Sie hier.)
  • Niedrige Wasserstände in Flüssen beeinträchtigen nicht nur das Ökosystem, sondern auch die Wirtschaft, weil nur noch eingeschränkt Schiffe fahren können. Zudem sei die Versorgung von Kraftwerken und Industrie mit Kühlwasser gefährdet.
  • Das verfügbare Wasser in landwirtschaftlich genutzten Böden hat in den vergangenen 50 Jahren deutlich abgenommen. Im Jahr 2018 verursachten Hitze und Trockenheit in der Landwirtschaft Schäden in Höhe von 700 Millionen Euro.
  • Seit 1881 hat die mittlere jährliche Niederschlagsmenge um 8,7 Prozent zugenommen. Damit sind Tendenzen zu mehr Starkniederschlägen in den letzten 65 Jahren zu erkennen, allerdings reicht die Datenlage nicht für eine statistisch gesicherte Aussage.
  • Seen werden wärmer, mit Folgen für Tiere und Pflanzen. Am Bodensee betrug der Anstieg in der Saison März bis Oktober zwischen 1971 und 2017 rund zwei Grad. Auch Nord- und Ostsee erwärmen sich - und die Meeresspiegel steigen. Damit nimmt die Gefährdung durch Sturmfluten zu. Zudem erodieren Küsten, vor allem Bade-Sandstrände mit Brandung.

Nicht immer sei klar, welchen Anteil der Klimawandel an einzelnen Veränderungen habe, denn es spielten verschiedene Faktoren zusammen, räumen die Autoren des Berichts ein. Allerdings seien Trends klar erkennbar.

Die Studie zeige, dass der Klimawandel kein abstraktes Problem zukünftiger Generationen sei. "Die Zukunft hat uns bereits erreicht", sagt Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA), das ebenfalls an der Auswertung beteiligt war. Die Auswirkungen des Klimawandels müssten weiter erforscht werden. "Denkbar ist ein von Bund und Ländern getragenes und finanziertes Sonderprogramm Klimavorsorge", so Krautzberger.

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Uno-Bericht zu weltweiten Emissionen

Die Uno warnt indes, dass die aktuellen weltweiten Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel nicht ausreichten. Die Länder müssten ihre Anstrengungen immens verstärken, wenn sie gemeinschaftlich das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollen, heißt es in einer Studie des Uno-Umweltprogramm Unep, die ebenfalls am Dienstag vorgestellt wurde.

Wenn die Weltbevölkerung so weiterlebe wie aktuell, droht die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu 3,9 Grad statt wie angestrebt um nur 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu steigen. Selbst wenn alle Staaten ihre derzeit zugesagten Beiträge zum Klimaschutz auch wirklich erbringen, werden demnach 2030 noch immer 32 Gigatonnen CO2 zu viel ausgestoßen, um das 1,5-Grad-Ziel erreichen zu können.

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Vom 2. bis 13. Dezember treffen bei der Uno-Klimakonferenz in Madrid Vertreter aus 200 Ländern zusammen, um über den Kampf gegen die Klimakrise zu debattieren.

koe/dpa