Klima-Dilemma gelöst Eiszeit bestätigt Treibhauseffekt

Der Treibhauseffekt durch Kohlendioxid ist für viele Experten schon lange bewiesene Sache. Doch noch immer gibt es Forscher und Politiker, die ihre Zweifel haben. Ihnen scheint nun aber ein wichtiges Argument dahinzuschmelzen, wenn ein amerikanischer Geologe mit der neuen Datierung einer Eiszeit Recht behält.


Eiszeit: Kälte ließ den Meeresspiegel vor 450 Millionen Jahren sinken
DPA

Eiszeit: Kälte ließ den Meeresspiegel vor 450 Millionen Jahren sinken

Die Eiszeit am Ende des Ordoviziums war für Klimaforscher lange Zeit eine harte Nuss. Vor 443 Millionen Jahren schleuderten Vulkane gewaltige Mengen von Kohlendioxid in die Atmosphäre. Das Treibhausgas hätte der Erde eigentlich ordentlich einheizen müssen. Und doch sollte zur gleichen Zeit Eis weite Teile der Kontinente bedeckt haben. "Wie kann es Eis geben, wenn gleichzeitig die Kohlendioxid-Werte durchs Dach schießen? Da waren wir mit einem echten Dilemma konfrontiert", sagte auch der Geologe Matthew Saltzman von der Ohio State University.

Immerhin war dieses Dilemma für manche Experten Grund genug, um an den gängigen Theorien zum Treibhauseffekt zu zweifeln. Und verschiedene Regierungen leihen diesen Zweiflern noch immer ihr Ohr, bewahren sie deren Argumente doch vor einschneidenden Gesetzen zum Klimaschutz.

Aber Matthew Saltzman könnte das Rätsel jetzt gelöst haben. Er fand deutliche Hinweise darauf, dass die Eiszeit etwa zehn Millionen Jahre früher stattfand als bisher angenommen. Das Kohlendioxid aus den Vulkanen hätte dann tatsächlich einen Treibhauseffekt verursacht, der die Eiszeit beendete.

Saltzman untersuchte Quarzsand-Ablagerungen in Nevada, Norwegen und Estland. All diese Ablagerungen waren vor etwa 450 Millionen Jahren entstanden. Eine Zeit, die man bisher nicht mit dem Eis in Verbindung brachte. Der Sand entstand, weil zuvor von Meerwasser bedeckte Quarzfelsen freigelegt wurden. Wind und Regen attackierten sie dann so lange, bis nur noch Sand übrig war. Geologen glaubten bisher, an allen drei Orten sei das Freilegen durch lokale tektonische Verschiebungen geschehen.

Globales Ereignis ließ Meeresspiegel sinken

Da Saltzman jedoch an den drei weit von einander entfernten Stellen auf die gleichen Sandvorkommen stieß, glaubte er nicht mehr an eine lokale Ursache. Ein globales Ereignis müsse die Felsen über den Meeresspiegel gebracht haben: die Eiszeit, zehn Millionen Jahre früher als zuvor angenommen. Denn wenn große Mengen von Wasser an den Polen oder auf dem Land gefrieren, sinkt der Meeresspiegel. "Es muss das Resultat eines globalen Eisaufbaus gewesen sein", bekräftigte Saltzman.

Der Geologe analysierte auch Kalkstein, den er zusammen mit dem Sand gefunden hatte. Dabei stellte er fest, dass zur Entstehungszeit große Mengen Kohlenstoff in den Ozeanen gebunden waren. Folglich sei wenig Kohlendioxid in der Atmosphäre gewesen, passend zu einer Kaltzeit. "Ich denke, wir haben jetzt gute Beweise, die den Widerspruch zwischen Eiszeit und hohen Kohlendioxidwerten auflösen", so Saltzman.

Er hofft nun, in Russland weitere Hinweise dafür zu finden, dass die Eiszeit tatsächlich zehn Millionen Jahre früher kam.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.