Befragung der Münchner Sicherheitskonferenz In europäischen Ländern wächst die Sorge ums Klima

Was macht Ihnen Angst? Und wovor fühlen Sie sich sicher? Für eine große Umfrage haben Tausende Menschen weltweit darauf geantwortet – ein Thema löst länderübergreifend Sorge aus.
Abgestorbene Fichten in Nordrhein-Westfalen

Abgestorbene Fichten in Nordrhein-Westfalen

Foto: Luidger Weyers / imagebroker / imago images

Rund 12.000 Frauen und Männer in den sieben wichtigsten Industriestaaten der Welt, in Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika haben Meinungsforscher im Auftrag der Münchner Sicherheitskonferenz danach befragt. was ihnen Angst macht, wo sie sich sicher fühlen. Nun liegen die Ergebnisse vor, die »Süddeutsche Zeitung« berichtet  vorab über den erstmals veröffentlichten »Sicherheitsindex«.

Demnach hat sich gerade in westlichen Staaten das Bedrohungs- und Sicherheitsgefühl verschoben – die Menschen dort sorgen sich zunehmend um das Klima, um Extremwetter und die Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen. Speziell in Europa ist die Sorge wegen der Klimakrise und ihren Folgen gewachsen.

Bei der Auswertung für Deutschland liegt das Thema zusammen mit zwei anderen auf Platz eins: Auf einer Skala von 1 bis 100 landen Klimawandel, Extremwetter und Waldbrände sowie die Zerstörung der Natur mit jeweils 66 Punkten vorn. Dahinter folgen unter anderem die Coronapandemie und islamistischer Terrorismus mit 64 Punkten.

Zum Vergleich: Die Gefahr durch den Klimawandel wird von chinesischen Befragten nur mit 37 Punkten bewertet. Damit liegt das Thema aber trotzdem auf Platz eins der Liste im Land – denn die Risikowahrnehmung insgesamt scheint in China deutlich geringer ausgeprägt zu sein. Den zweitniedrigsten Punktwert für das Thema Klima gab es in den USA, wo die Befragten 48 von 100 Punkten vergaben. Größte wahrgenommene Bedrohung hier waren Cyberattacken mit 61 Punkten.

China vorn bei sauberer Technik

Trotzdem: Die Verantwortlichen der Sicherheitskonferenz sehen eine Art weltweiten Konsens über globale Risiken im Bereich Umwelt, Zerstörung natürlicher Ressourcen und Klimawandel. »Wir tun noch so, als ob wir von Panzern und Nuklearwaffen bedroht werden. Im 21. Jahrhundert entscheidet aber die Herrschaft über Daten und technologische Systeme den Wettbewerb. Da fällt schon auf, dass China in der Klimatechnologie die Führung übernimmt«, zitiert die »Süddeutsche Zeitung« Wolfgang Ischinger, den Vorsitzenden der Sicherheitskonferenz.

Daten von 2017 bis heute zeigten, dass China bei der Produktion von Elektroautos, Solaranlagen und Batterien mit Abstand führe. Die Europäische Union liege lediglich bei der Herstellung von Windenergieturbinen vorn.

Meinungsforscher hatten den Befragten insgesamt fünf Fragen zur Risikowahrnehmung gestellt. Dabei ging es unter anderem darum, für wie groß und wie wahrscheinlich ein Risiko gehalten wird. Dazu kam zum Beispiel die Frage, wie gut das eigene Land auf die entsprechende Bedrohung vorbereitet ist.

Offiziell wird der Risikoindex der Sicherheitskonferenz am Mittwoch veröffentlicht . Er ist Teil des »Munich Security Report 2021«, der sich auf der einen Seite mit dem zunehmenden Wettbewerb in der internationalen Politik befasst, zum anderen aber auch mit der Notwendigkeit zur Kooperation angesichts von Problemen wie der Klimakrise, globaler Aufrüstung und der anhaltenden Pandemie. Die Konferenz hatte in diesem Jahr nur virtuell und in kleinem Rahmen stattgefunden. Vor den anstehenden G7- und NATO-Gipfeln ging es offenbar auch darum, sich trotzdem noch einmal in die öffentliche Debatte einzubringen.

chs
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