Reaktionen auf Klimagipfel "Verantwortungslos, egoistisch und kurzsichtig"

Der Klimagipfel endet mit einem Minimalkonsens, entsprechend verheerend fallen viele Reaktionen aus, bis hin zur Verurteilung der Konferenzergebnisse als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".
Delegierte in Madrid: "Zynische Gier hat den gemeinsamen Kampf gegen die Klimakrise in ihre tiefste Krise gestürzt"

Delegierte in Madrid: "Zynische Gier hat den gemeinsamen Kampf gegen die Klimakrise in ihre tiefste Krise gestürzt"

Foto: Nacho Doce/ REUTERS

Das Ergebnis ist keine Überraschung, eine herbe Enttäuschung ist es aus Sicht vieler Beobachter dennoch: Der Weltklimagipfel von Madrid ist weitgehend ergebnislos zu Ende gegangen. Das von Vertretern aus rund 200 Staaten verabschiedete Abschlussdokument hat fast alle wichtigen Entscheidungen auf den nächsten Gipfel in 2020 im schottischen Glasgow vertagt.

Entsprechend vernichtend fallen viele der ersten Reaktionen aus:

  • Greenpeace bezeichnete den Ausgang der Klimaschutzkonferenz als "Angriff auf das Herz des Pariser Abkommens". In einer Mitteilung der Umweltschutzorganisation heißt es: "Die zynische Gier der fossilen Industrie hat den gemeinsamen, multilateralen Kampf gegen die unübersehbare Klimakrise in ihre tiefste Krise gestürzt." Die Regierungen müssten sich komplett neu aufstellen, sagte Jennifer Morgan - "denn das Ergebnis der COP25 ist völlig inakzeptabel. Diese Klimakonferenz hat offenbart, wie Klimasünder die Politik beeinflussen und wie tief das Misstrauen der Jugendlichen gegenüber ihren Regierungen ist."
  • Ian Fry, Vertreter des Pazifik-Inselstaats Tuvalu, attackierte die Blockadehaltung der USA während der Verhandlungen heftig: "Es gibt Millionen von Menschen in der ganzen Welt, die schon jetzt unter den Folgen des Klimawandels leiden. Diesen Fakt zu bestreiten, könnte von einigen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit interpretiert werden."
  • Der WWF bezeichnete die Beschlüsse von Madrid als "so müde wie die Delegierten nach zwei durchverhandelten Nächten" und betonte, die Konferenz sei "ein gruseliger Fehlstart in das für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens so entscheidende Jahr 2020". WWF-Klimachef Michael Schäfer sagte: "Jetzt kommt es darauf an, dass wir Ursula von der Leyens Mondrakete zünden, also den EU-Klimabeitrag deutlich anheben und den Funken auf andere überspringen lassen." Die Bundesregierung dürfe beim Klimaschutz in Europa nicht weiter "auf der Bremse stehen".
  • Matthias Miersch, Vizevorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, machte seine hohen Erwartungen für den nächsten Gipfel deutlich: "Es darf jetzt nicht mehr um Debatten auf Metaebene gehen, sondern um konkrete Maßnahmen. Bis zur nächsten Konferenz in Glasgow ist noch viel zu klären."
  • Den Ausgang des Klimagipfels (COP25) kritisierte auch Luisa Neubauer vom deutschen Ableger der "Fridays for Future"-Bewegung: "Die Regierungen hatten bei der COP25 einen klaren Auftrag: die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Proteste von Millionen auf der Welt in politische Programme zu übersetzen", sagte sie. "Die Regierungen haben sich nicht an ihre Versprechen gehalten und sind daran gescheitert, ihre Ambitionen der Krisenrealität anzupassen. Die COP25 lässt uns nach einem Jahr mit beispiellosen Klimaprotesten ohne signifikanten Fortschritt zurück."
  • Enttäuscht zeigte sich der Präsident des Naturschutzbundes (Nabu). "Auch wenn am Ende ein Minimalkonsens erreicht wurde: Unter diesen Umständen könnte er kaum schwächer sein", sagte Jörg-Andreas Krüger. "Und das, obwohl die Folgen des begonnenen Klimawandels weltweit spürbar sind und Millionen Menschen mehr Klimaschutz einfordern."
  • Die Hilfsorganisation Brot für die Welt nahm die Industriestaaten in die Pflicht. "Es ist extrem verantwortungslos, egoistisch und kurzsichtig, dass sie Finanzzusagen gegenüber den ärmsten Staaten für die Bewältigung von Klimaschäden verwehren", teilte die Organisation mit. "Es scheint in den Köpfen der Delegationen aus Industrienationen kein angemessenes Bewusstsein für das Ausmaß der Klimakrise zu geben, das sie angerichtet haben und weiter anrichten und für deren katastrophale Auswirkungen auf die ärmsten Bevölkerungsgruppen." Ohne zusätzliche Hilfen werde die Klimakrise zu einem massiveren Lebensrisiko für arme Bevölkerungsgruppen im Süden der Welt.
  • Die Umweltaktivistin Greta Thunberg, Initiatorin der weltweiten "Fridays for Future"-Bewegung, hatte sich bereits am Samstag desillusioniert gezeigt. "Die Wissenschaft ist eindeutig, aber die Wissenschaft wird ignoriert." An dem Kampf, den sie zusammen mit ihren Mitstreitern gegen die Klimakrise führe, ändere das aber nichts: "Was auch immer passiert: Wir werden niemals aufgeben. Wir haben gerade erst angefangen", schrieb sie auf Twitter.
  • Die Hilfsorganisation Care kritisierte den "sehr vagen Aufruf" im Abschlussdokument: "Wie laut muss noch demonstriert werden, wie viele Warnungen muss die Wissenschaft noch aussprechen, wie viele junge Leute müssen ihre ganz reale Zukunftsangst noch äußern, damit die großen Wirtschaftsmächte sich endlich nicht mehr taub stellen?"
  • Die radikale Klimaschutzbewegung Extinction Rebellion zeigte sich ebenfalls enttäuscht. "Hoffnungen auf ambitioniertere Klimaschutzpläne wurden enttäuscht, obwohl dies wissenschaftlich erwiesen notwendig wäre", teilte der deutsche Ableger der Organisation auf Twitter  mit.
mxw/dpa
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