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Fast fleckenfrei: Der Klimamacher Sonne

Foto: NASA / SOHO

Klima-Paradoxon entdeckt Sonne wärmt stärker während Schwächephase

Rätselhafter Temperaturanstieg: Eigentlich hätte die Sonne die Erde in den letzten Jahren abkühlen müssen - ihre Aktivität hatte nachgelassen. Doch Satellitenmessungen zufolge wärmte die Sonne die Luft zunehmend. Die Theorie über Klimazyklen der Sonne ist womöglich falsch.

Die Sonne geht seit Jahren durch eine Schwächephase; sie strahlt weniger Energie ins All. Die Aktivität der Sonne schwankt regelmäßig. Etwa alle elf Jahre erreicht sie einen Tiefpunkt, wenn kaum noch dunkle Sonnenflecken  auf dem Gestirn erscheinen. Klimarechnungen kalkulieren, dass sich die bodennahe Lufttemperatur auf der Erde leicht abkühlt, wenn die Sonne schwächelt.

Doch jetzt zeigen Messungen: Während des letzten Aktivitätsrückgangs erreichte verstärkt wärmende Strahlung die Erde. "Die Daten sind extrem überraschend", sagt der renommierte Sonnenforscher Sami Solanki vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung.

Wissenschaftler um Joanna Haigh vom Imperial College in London haben Satellitendaten aus den Jahren 2004 bis 2007 ausgewertet. In dieser Zeit nahm die Aktivität des Gestirns stetig ab; 2009 erreichte sie ihr Minimum. Die Daten zeigen, dass sich die Sonnenstrahlung anders entwickelt hat, als Klimamodelle vorhersagen: Als die Sonne schwächer wurde, gelangte mehr sichtbare Strahlung und mehr Infrarotlicht zur Erde. UV-Strahlung hingegen schwächte sich etwa fünfmal stärker ab als erwartet. Die Bilanz: Die Sonnenstrahlung senkte die bodennahe Temperatur auf der Erde nicht, sondern sie ließ sie steigen - um etwa ein Zwanzigstel Grad, berichten Joanna Haigh und ihre Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Nature" .

Prognosen über die Wirkung der Sonne auf das Klima sind mithin falsch - offenbar verlaufen die Zyklen der Sonnenaktivität nicht im Einklang mit ihrer Klimawirkung. Gleichwohl sei es zu früh, bisherige Theorien über die Wirkungen der Sonne zu ändern, schreibt Rolanda Garcia, Atmosphärenchemiker am National Center for Atmospheric Research in Boulder, USA, in einem Kommentar in "Nature" . Schließlich sei unklar, ob sich die Sonne in jedem Aktivitätszyklus gleich verhalte.

Zudem müsse sich erst zeigen, wie vertrauenswürdig die Strahlungsdaten seien. Einen Anhaltspunkt, an den Messungen zu zweifeln, haben die Experten allerdings offenbar nicht. Die Daten stammen vom Satelliten "Sorce" der US-Weltraumagentur Nasa, der die Erde in 645 Kilometern Höhe umkreist und seit sieben Jahren die Sonnenstrahlung misst. "Die Schlussfolgerungen der Studie sind plausibel, wenn man den Messdaten glaubt", sagt Solanki. Jedoch werde sich erst mit der Zeit zeigen, ob die Resultate richtig sind.

Die Sonne erstaunt die Wissenschaft derzeit auch auf andere Weise. Obwohl letztes Jahr ein neuer Sonnenzyklus begonnen hat, zeigen sich auf dem Gestirn kaum neue Flecken. Zwei Experten haben kürzlich eine über Jahrzehnte fleckenfreie Sonne prognostiziert - ein leichte Abkühlung auf der Erde könnte die Folge sein. Der neuen "Nature"-Studie zufolge scheint diese Schlussfolgerung jedoch gewagter denn je: Denn offenbar stehen Sonnenaktivität und die Klimawirkung der Sonne nicht im Einklang. Der immer stärker werdende Wärmeeffekt der Treibhausgase würde aber von den Schwankungen der Sonnenstrahlung wohl ohnehin kaum gemildert. Allerdings haben auch die Spekulationen über die Sonnenflecken gezeigt, dass verlässliche Vorhersagen der Klimawirkung der Sonne noch nicht möglich sind.

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