Klima-Risiko-Index Deutschland bei Wetterextremen weltweit unter Top 20

Stürme, Hitze, Dürren: In den vergangenen 20 Jahren plagte Extremwetter Deutschland wie nur wenige andere Länder der Welt. Das zeigt eine aktuelle Analyse.
Feld in Niedersachsen: In den vergangenen Jahren war es in Deutschland viel zu trocken

Feld in Niedersachsen: In den vergangenen Jahren war es in Deutschland viel zu trocken

Foto: Fritz Rupenkamp / Countrypixel / imago images

Deutschland gehört seit Anfang der Nullerjahre zu den weltweit am stärksten von Wetterextremen betroffenen Ländern. Das geht aus dem Globalen Klima-Risiko-Index hervor, den die Umweltorganisation Germanwatch vorgestellt hat. Demnach belegt Deutschland im Langfristvergleich Platz 18 unter den Ländern, die am stärksten mit Hitzewellen, Dürren und Stürmen zu kämpfen hatten. An der Spitze der Liste stehen Puerto Rico, Myanmar und Haiti.

Der jährlich veröffentlichte Klima-Risiko-Index basiert auf einer Datenbank des Rückversicherers Munich Re und Informationen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er vergleicht die durch Extremwetter verursachten Todeszahlen und Sachschäden – sowohl die absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl und zum Bruttoinlandsprodukt.

Entwicklungsländer am härtesten betroffen

Die Datenbank gehört zu den umfassendsten Statistiken, die es zu dem Thema gibt, sie hat jedoch einige statistische Unschärfen. So fehlen beispielsweise Informationen über Hitzeschäden in weiten Teilen Afrikas.

Welche Rolle der Klimawandel bei den Wetterextremen spielt, geht aus der Analyse nicht hervor, betont Germanwatch. Die Ergebnisse seien allerdings eine Mahnung. Klimaforscher gehen davon aus, dass die steigenden Temperaturen Extremwetterereignisse wahrscheinlicher und intensiver machen.

Von 2000 bis 2019 starben in Deutschland der Analyse zufolge mehr als 10.700 Menschen durch Extremwetterereignisse – vor allem infolge von Hitzewellen. Der wirtschaftliche Schaden lag für Deutschland kaufkraftbereinigt jährlich im Schnitt bei umgerechnet 3,54 Milliarden Euro.

Im weltweiten Vergleich haben Extremwetter jedoch vor allem in Entwicklungsländern erhebliche Schäden angerichtet. Fast eine halbe Million Menschen kamen in den vergangenen 20 Jahren in der Folge ums Leben, heißt es in dem Bericht. Der globale wirtschaftliche Schaden liegt bei insgesamt umgerechnet rund 2,1 Billionen Euro.

Zugesagte Hilfen kommen nicht an

Im Jahr 2019 richtete Zyklon »Idai« schwere Schäden an. Es war der bis dahin verheerendste Wirbelsturm, der jemals im westlichen Indischen Ozean beobachtet wurde. Mosambik, Simbabwe und Malawi hatten zusammen mehr als 1100 Todesopfer zu beklagen und verzeichneten kaufkraftbereinigt einen Gesamtschaden von mehr als 5,7 Milliarden Euro.

Mit Blick auf den internationalen Klimagipfel an diesem Montag und Dienstag richtete Germanwatch einen Appell an die Industrienationen, die von Wetterextremen besonders schwer getroffenen Entwicklungsländer stärker zu unterstützen und ihnen zusätzliche Mittel bereitzustellen.

Im Pariser Klimaabkommen hatten sich 2015 wohlhabendere Länder verpflichtet, umgerechnet 80 Milliarden Euro pro Jahr an ärmere Staaten für Klimaschutz zu zahlen. Nach aktuellen Studien liegen die tatsächlichen Zahlungen jedoch weit darunter. Ärmere Staaten, »die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, benötigen nun dringend finanzielle und technische Unterstützung«, sagte David Eckstein, einer der Autoren des Klima-Risiko-Index.

koe/dpa