Klima-Risiko-Index Deutschland weltweit am drittstärksten von Extremwetter betroffen

Hitzewellen, Stürme, Dürren: 2018 plagten Extremwetterereignisse Deutschland wie wenige andere Länder weltweit. Dies zeigt eine Untersuchung, die die Organisation Germanwatch auf der Weltklimakonferenz vorstellte.
Zerstörtes Haus in Sachsen: Stürme, Hitzewellen, Dürren in Deutschland

Zerstörtes Haus in Sachsen: Stürme, Hitzewellen, Dürren in Deutschland

Foto: Bernd März/ DPA

Deutschland gehörte im Jahr 2018 erstmals zu den drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Ländern der Welt. Das geht aus dem aktuellen Klima-Risiko-Index (KRI) hervor, den die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch während der Weltklimakonferenz in Madrid vorgestellt hat.

Der jährlich veröffentlichte Klima-Risiko-Index basiert auf einer Datenbank des Rückversicherers Munich Re und Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er vergleicht die durch Extremwetter verursachten Todeszahlen und Sachschäden, und zwar sowohl die absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl und zum Bruttoinlandsprodukt.

Laut dem Bericht machten Deutschland besonders drei Extremwetterereignisse zu schaffen:

  • Demnach forderte die Hitzewelle im Jahr 2018 in Deutschland mehr als 1200 Todesopfer. Zwischen April und Juli lag die Durchschnittstemperatur 2,9 Grad über dem Niveau aus vorindustrieller Zeit. Es war die höchste Durchschnittstemperatur für diesen Zeitraum, die je gemessen wurde. Laut einem aktuellen Bericht der Bundesregierung ist die mittlere Lufttemperatur in Deutschland bereits um 1,5 Grad Celsius im Vergleich zu 1881 gestiegen - allein um 0,3 Grad in den vergangenen fünf Jahren.
  • Die gleichzeitig anhaltende Trockenheit verursachte Schäden in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro, hauptsächlich durch Ernteeinbußen. Laut Bauernverband gingen damals zwischen 50 und 70 Prozent der Ernte verloren, einige Bauern ernteten überhaupt nichts.
  • Auch die Orkantiefs Friederike im Januar und Fabienne im September verursachten hohe Schäden.

Insgesamt verzeichnete Deutschland 2018 Schäden durch Wetterextreme in Höhe von rund 4,5 Milliarden Euro. Es ist das erste Mal in der 14-jährigen Geschichte des Klima-Risiko-Index, dass Deutschland unter den Top 3 im Ranking landet. 2017 lag Deutschland noch auf Platz 40. Nur Japan und die Philippinen waren im vergangenen Jahr noch stärker von Extremwettern betroffen als Deutschland, gefolgt von Madagaskar, Indien und Sri Lanka.

Japan machten heftige Regenfälle zu schaffen, gefolgt von einer Hitzewelle, bei der die Temperaturen auf bis zu 41,1 Grad stiegen, ein neuer Rekord. Im September fegte dann der stärkste Taifun seit 25 Jahren über das Land. Auf den Philippinen richtete vor allem Taifun "Mangkhut" verheerende Schäden an. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 270 Kilometern pro Stunde war er der stärkste je gemessene Taifun.

Germanwatch betont, dass der Index keine Aussage über den Einfluss des Klimawandels auf die Ergebnisse zulasse. Er sei allerdings eine Mahnung, erklärte die Organisation mit Blick auf die derzeit in Madrid tagende Uno-Klimakonferenz. Klimaforscher gehen davon aus, dass die steigenden Temperaturen Extremwetterereignisse wahrscheinlicher und intensiver machen.

Zudem hat die Analyse einige statistische Unschärfen. Die Datenbank dokumentiert zwar 30.000 Ereignisse in Zusammenhang mit Naturkatastrophen und gehört damit zu den umfassendsten Statistiken, die es zu dem Thema gibt. Allerdings fehlen beispielsweise Informationen über Hitzeschäden in weiten Teilen Afrikas.

Der Klima-Risiko-Index gibt auch eine Einschätzung, welche Länder langfristig am häufigsten von Extremwetterereignissen getroffen wurden. Zwischen 1999 bis 2018 wurden demnach Puerto Rico, Myanmar und Haiti am häufigsten von Stürmen, Überflutungen und Dürren geplagt.

In den vergangenen 20 Jahren hätten insgesamt mehr als 12.000 extreme Wetterereignisse knapp eine halbe Million Menschen das Leben gekostet und kaufkraftbereinigt rund 3,5 Billionen Dollar Schäden verursacht. Im Langfrist-Index sind sieben der zehn am stärksten betroffenen Staaten ärmere Länder.

Wie die teils verheerenden Schäden in den betroffenen Staaten finanziell bewältigt werden können, ist eines der Themen auf der Uno-Klimakonferenz in Madrid, die am Montag begonnen hat und zwei Wochen dauert.

koe/dpa