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19. Mai 2015, 17:11 Uhr

Petersberger Klimadialog

Merkel fordert Umstieg auf kohlenstofffreies Wirtschaften

Frankreichs Präsident Hollande reiste eigens nach Berlin, um beim Petersberger Klimadialog mit Angela Merkel Einigkeit in Klimafragen zu demonstrieren. Umweltschützer warnten vor einem Flop für den Uno-Gipfel in Paris.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident François Hollande drängen auf größere Anstrengungen, um auf der Uno-Klimakonferenz, die im Dezember in Paris stattfindet, ein verbindliches, weltweites Klimaschutzabkommen zu erreichen. "Wir müssen alles tun, damit wir die Pariser Konferenz zu einem Erfolg machen", sagte Merkel beim Petersberger Klimadialog in Berlin. Sie kündigte an, deutsche Finanzhilfen bis Ende des Jahrzehnts zu verdoppeln.

Es müsse gelingen, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen, "um wenigstens die krassesten Folgen des Klimawandels abzuwenden", sagte Merkel in ihrer Rede. Dafür sei im Laufe dieses Jahrhunderts weltweit "ein vollständiges Umsteigen auf kohlenstofffreies Wirtschaften" notwendig.

Bekenntnis zum Zwei-Grad-Ziel

Merkel bekräftigte die deutschen Ziele, CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um bis zu 95 Prozent zu senken. Bei diesem Umbauprozess müsse es aber auch gelingen, "wirtschaftliche Leistung und ambitionierte Klimaziele in Einklang zu bringen".

In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sich Deutschland und Frankreich klar zum Zwei-Grad-Ziel. "Wir brauchen sofortiges Handeln und einen ambitionierten globalen Rahmen, um auf einen Pfad zu kommen, der mit diesem Ziel vereinbar ist", heißt es in dem Text. "Wir rufen alle Staaten auf, daran engagiert mitzuwirken."

Deutschland will seine Hilfe für die ärmsten Länder zum Schutz vor der Erderwärmung aufstocken und damit eine Hürde für einen Weltklimavertrag aus dem Weg räumen. "Deutschland strebt an, seine internationale Klimafinanzierung bis 2020 bezogen auf 2014 zu verdoppeln", sagte Merkel.

"Start eines Klima-Marathons"

Die Haushaltsmittel würden damit auf vier Milliarden Euro jährlich steigen. Dazu käme noch die Verdoppelung der Kredite der staatlichen KfW-Bank auf drei Milliarden Euro von zuletzt 1,5 Milliarden Euro. Die Weltgemeinschaft will ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar zum Schutz vor Dürre oder Sturmfluten aufbringen. Der Fonds müsse gesichert sein, um am Jahresende beim UN-Klimagipfel in Paris das Ja der ärmeren Staaten zu bekommen, sagte François Hollande.

Auch er hob die Bedeutung der Klimafinanzierung besonders zugunsten afrikanischer Länder und kleiner Inselstaaten hervor: "Wenn wir es nicht schaffen, uns in dieser Frage zu verständigen, wird es kein Abkommen in Paris geben." Hollande warb auch für eine weltweite Ausdehnung des Emissionshandels, um einen geringeren CO2-Ausstoß möglichst kostengünstig zu erreichen.

Kritisch auf den Streit in der Koalition um Emissionsminderung bei Kohlekraftwerken verwiesen Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt und Linken-Energieexpertin Eva Bulling-Schröter. Aktivisten von Greenpeace sowie des Netzwerks Campact protestierten vor dem Veranstaltungsgebäude am Brandenburger Tor für "100 Prozent erneuerbare Energien bis 2050" und gegen Kohleverstromung.

"Paris wird nicht der Big Bang, mit dem alle Probleme gelöst werden", sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). "Es wird der Start eines Klima-Marathons sein." Sie plädierte dafür, sich auf eine regelmäßige Überprüfung und Verschärfung der Kürzungspläne im Abstand von etwa fünf Jahren zu verständigen. Ziel müsse es sein, den CO2-Ausstoß der Weltwirtschaft in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf nahe Null zu drücken.

Wissenschaftler halten das Zwei-Grad-Ziel allerdings für kaum erreichbar, wenn nicht schnell die wachsenden CO2-Emissionen gestoppt und gesenkt werden. Diesen Anspruch hatte schon 2009 der Klimagipfel in Kopenhagen, der dann in nahezu allen Punkten scheiterte.

nik/dpa/Reuters/AFP

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