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14. Mai 2014, 15:46 Uhr

Klimaforscher Bengtsson

"Ich hatte Angst um meine Gesundheit und Sicherheit"

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Der angesehene Meteorologe Lennart Bengtsson wechselte ins Lager der Klimaskeptiker. Nun macht er einen Rückzieher: Kollegen hätten sich von ihm abgewendet, der Druck sei zu groß geworden.

Hamburg - Es war eine der erstaunlichsten Personalien der Wissenschaft seit langem. Einer der angesehensten Klimatologen, der emeritierte Max-Planck-Direktor Lennart Bengtsson, wechselte Ende April ins Lager der Klimaskeptiker, die grundlegende wissenschaftliche Schlussfolgerungen des Uno-Klimaberichts bezweifeln. Die Skeptiker halten die Prognosen über die Folgen der Erderwärmung für zu pessimistisch.

Bengtsson war dem Akademischen Beirat der Global Warming Policy Foundation (GWPF) beigetreten. Jetzt macht er seinen Schritt rückgängig. "Ich wurde unter so großen Druck gesetzt, den ich nicht mehr ertragen konnte", erklärt Bengtsson in einer Mitteilung an die GWPF. Kollegen hätten sich abgewendet, manche hätten die Zusammenarbeit beendet. Er hätte sich zudem um seine Gesundheit und Sicherheit gesorgt, weshalb er aus dem GWPF wieder ausgetreten sei.

"Wie bei der Kommunistenverfolgung"

Er fühle sich an die Zeit der Kommunistenverfolgung in den USA in den Fünfzigerjahren erinnert, erklärt Bengtsson. Er habe es nie für möglich gehalten, dass dergleichen möglich sei in der Meteorologie. Die Wissenschaftlerzunft scheine sich verändert zu haben in den vergangenen Jahren.

Die Global Warming Policy Foundation (GWPF) erklärt, man habe den Rücktritt mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen. Der Vorgang offenbare einen "schockierenden Grad an Intoleranz in der Gesellschaft und einen Widerspruch zu den Grundprinzipien einer offenen wissenschaftlichen Debatte".

Mit seinem Beitritt zur Skeptikerszene hatte Bengtsson eigentlich die Debatte über Klima und Energie öffnen wollen, wie er im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt hatte. Der Uno-Klimabericht setze sich nicht ausreichend kritisch mit den Schwächen der Klimaszenarien auseinander. Er sehe keine Notwendigkeit, einen Konsens herbeizuführen "in einem Gebiet, das so unvollständig verstanden ist wie das Klimasystem", hatte Bengtsson gesagt.

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