Zahlungen von Energiekonzernen verschwiegen Klimaforscher unter Verdacht

Ein Wissenschaftler gerät unter Beschuss: Seine Studien, die einer gefährlichen menschengemachten Erwärmung widersprechen, sollen heimlich von der Industrie bezahlt worden sein.
Kohlekraftwerk Mehrum in Hohenhameln: Heißer Luft, hitzige Debatte

Kohlekraftwerk Mehrum in Hohenhameln: Heißer Luft, hitzige Debatte

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Hamburg - Der Klimaforscher Willie Soon soll heimlich hohe Geldbeträge von der Industrie bekommen haben. Das berichtet die "New York Times" ("NYT") unter Berufung auf Greenpeace: Der Umweltorganisation lägen Dokumente vor, die entsprechende Forschungsverträge Soons aufführten.

Denen zufolge habe der US-amerikanische Wissenschaftler die Zuwendungen entgegen seiner wissenschaftlichen Pflicht verschwiegen, schreibt die "NYT". Als "Leistungen" ("deliverables") würde Soon seine Studien in den Verträgen bezeichnen.

Seine Arbeiten sind bekannt, weil sie einem gefährlichen menschengemachten Klimawandel widersprechen. Sogenannte Klimaskeptiker laden Soon gerne als Kronzeugen zu Vorträgen.

Soon wollte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE keine Stellung nehmen. In seinem Auftrag antwortete sein Kollege, der britische Politiker Christopher Monckton, der einige der umstrittenen Studien mitverfasst hat: "Die Anschuldigungen gegen Willie Soon sind vollkommen falsch und ohne Basis", erklärte er.

"Kriminelle Verschwörung"

Finanzielle Zuwendungen habe Soon seinem Arbeitgeber, dem Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (CfA), stets mitgeteilt. "Jede Zuwendung galt einem bestimmten Projekt, und jedes Projekt wurde genau geprüft vom Institut", teilte Monckton mit. Soon ist wie viele amerikanische Forscher für seine Arbeit auf private Gelder angewiesen.

Er geriet bereits 2011 in die Schlagzeilen, weil bekannt wurde, dass er mit Gagen von jeweils einigen Hunderttausend Dollar von der Ölindustrie unterstützt worden war, etwa von Exxon Mobil.

Monckton gibt sich kämpferisch: "Die Anschuldigungen, die von klima-kommunistischen Journalisten gemacht werden, werden von Anwälten untersucht." Es handelte sich um eine "kriminelle Verschwörung", die den Ruf Willie Soons zerstören solle.

Das CfA hingegen ist anscheinend anderer Meinung: "Ich glaube, wir haben es mit unangemessenem Verhalten zu tun", sagte CfA-Direktor Charles Alcock der "NYT". Man untersuche den Fall. Das CfA verpflichte seine Mitarbeiter zwar nicht ausdrücklich, Zuwendungen zu veröffentlichen. Sie seien allerdings aufgefordert, sich an die Regeln der Fachmagazine zu halten. Die fordern üblicherweise, mögliche Interessenkonflikte unter einer Studie zu nennen.

Einfluss der Industrielobby

2003 geriet Soon aus fachlichen Gründen unter Beschuss. Eine Studie Soons im Fachblatt "Climate Research" hatte die derzeitige Warmphase bezüglich der mittelalterlichen Wärmeperiode vor tausend Jahren relativiert. Klimaskeptiker feierten die Studie. Die meisten Experten hielten sie allerdings für methodisch mangelhaft. Nach ihren Protesten trat der Herausgeber der Fachzeitschrift zurück. Die Arbeit hätte nicht publiziert werden dürfen, bemängelte er.

Die Verwicklung von Lobbygruppen in die Klimaforschung ist ein altes Problem. Bereits in den Neunzigerjahren finanzierte die Industrielobby Kampagnen. 1991 wandte sich das "Information Council on the Environment" an "weniger gebildete Menschen", wie es in einem Strategiepapier hieß: Eine Kampagne sollte demnach "die globale Erwärmung als realitätsfern erscheinen lassen".

Einfluss der Umweltlobby

Doch auch gebildete Schichten sollten angesprochen werden. Die Global Climate Coalition etwa - eine Gründung von Energiefirmen - nahm gezielt Einfluss auf Uno-Delegierte vor Klimaverhandlungen. Auch vor dem US-Kongress wurde dem Rat der skeptischen Wissenschaftler erhebliche Bedeutung beigemessen.

Auf der anderen Seite haben zahlreiche führende Klimaforscher für Umweltverbände gearbeitet; manche erhielten hohe Preisgelder. Allein am ersten Teil des jüngsten Uno-Berichts haben mindestens zwei "koordinierende Leitautoren" mitgearbeitet, die für einzelne Kapitel des Klimareports verantwortlich waren, die zuvor bei Umweltverbänden tätig waren.

Dass aber die Finanzierung einzelner Studien von Umweltverbänden verheimlicht würde, ist bislang nicht bekannt.


Der Autor auf Twitter:

boj
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.