Klimaforschung Wetterdaten erklären Geheimnisse der Geschichte

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2. Teil: Hinweise im Holz: Helden und Hunnen


Es war ein Aufbruch nach der Kälte: Mitte des ersten Jahrtausends vor Christus hatte Europa gerade die frostigste Phase seit der Eiszeit hinter sich, die Jahresmitteltemperaturen in Europa lagen um bis zu zwei Grad tiefer als heute. Es war eine Hochphase der Kriege, die viele Völker in den Untergang trieben, etwa Babyloner und Mykener. Heldensagen und Religionen waren populär geworden.

Als es 300 vor Christus allmählich wärmer wurde und gleichzeitig relativ viel Regen fiel, erblühte das Römische Reich. Das Klima verhalf den Römern zum Aufstieg, wie Historiker festgestellt haben: Die Ernteerträge stiegen, Bergbaugebiete konnten erschlossen werden, Nordeuropa wurde vereinnahmt, sobald der Weg über die Alpen im Winter passierbar war. Selbst in England florierte der Weinanbau.

Allein aus dieser Zeit haben die Forscher um Esper und Büntgen nun bis zu 550 Wetter-Beweisstücke analysiert: Aus der Breite von Jahresringen im Holz von Eichen lesen Experten die Niederschlagsmenge im Frühjahr und Juni, aus den Ringen von Lärchen und Kiefern die Sommertemperaturen. Über das Wetter aus anderen Jahreszeiten können sie keine Angaben machen, denn Bäume wachsen nur im Frühjahr und Sommer.

Jeder Baumring lässt sich eindeutig einem Jahr zuordnen: Denn Wissenschaftler verfügen mittlerweile über eine datierte Reihe von Jahresringen aus den vergangenen Jahrtausenden. Dieser Muster-Reihe haben Büntgen und seine Kollegen ihre Holzfunde nun zugeordnet.

Germanen überrannten Rom

Holzstämme für die Niederschlagsgeschichte fanden die Wissenschaftler in vielen Gebieten in Deutschland und Ostfrankreich, etwa in alten Flussbetten und bei archäologischen Grabungen. Als Temperaturarchive hingegen kommen nur Bäume von der Waldgrenze im Gebirge in Frage, denn nur ihr Wachstum wird von der Temperatur bestimmt. Alle anderen Bäume hingegen werden vor allem vom Niederschlag beeinflusst.

Die Forscher um Esper und Büntgen konnten für ihre Temperaturrekonstruktion folglich nur Bäume aus den Alpen verwenden. Deren Daten gelten aber für weite Teile Mitteleuropas, Italiens, Frankreichs und des Balkans - das zeigen Vergleiche mit Temperaturmessungen aus dem 20. Jahrhundert.

Die Daten zeigen ab dem vierten Jahrhundert nach Christus eine gravierende Klimaverschlechterung: Es wurde kalt und trocken in Mittel- und Südeuropa. Historiker sprechen vom "Klimapessimum der Völkerwanderung". Sie wissen zwar, dass vor allem die Invasion der Hunnen die Wanderungen der Germanen, Goten und anderer Völker auslöste. Doch fest steht, dass klimatisch bedingte Missernten, Hungersnöte und Seuchen die Wanderungen verschärften, auch die der Hunnen.

Die Temperaturen fielen weiter, aber die Niederschläge ließen nach. Die zunehmende Trockenheit förderte die Erosion des Bodens, die Felder gaben immer weniger her. 375 brachen germanische Stämme nach Süden auf, sie überrannten die Römer. 410 eroberten die Westgoten Rom. Das Ende des Römischen Reiches war gekommen. Das "dunkle Zeitalter" hatte begonnen, ein durchaus zutreffender Begriff, wie sich zeigen sollte.

insgesamt 395 Beiträge
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anrheiner111 14.01.2011
1. Klima ändert sich ständig
... womit die Protagonisten der Klima-Hysterie sich selbst ein Bein stellen. Klimaveränderungen - hier z.B. "rauhes" Klima genannt - gab's schon immer und hatten - sollte man ihnen in diesem Fall glauben - immer schon die Menschheitsgeschichte beeinflusst. So wie es auch in den nächsten Jahrhunderten sein wird... so what?
Geometretos 14.01.2011
2. .
Ooops, Spon - Nicht aufgepaßt? Der Artikel ist doch ein Superargument gegen die Lügen vom MENSCHENgemachten Klimawandel. Danke.
henningr 14.01.2011
3. ?
Zitat von sysopWissenschaftler haben in einem einzigartigen Projekt die Klimageschichte der vergangenen 2500 Jahre erforscht - und bieten überraschende Einblicke in die Kulturgeschichte Deutschlands und Europas. Warum überlebten Hannibals Elefanten in den Alpen, wie gelang der Bau der Regensburger Donaubrücke? http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,739422,00.html
"Mitteleuropa erlebte in der Römerzeit und im Hochmittelalter ähnliche Warmzeiten wie heute." Das passt nicht zur sonstigen Klimaerwämungspanik, lieber SPON. Bitte zensieren.
Tengoinfo 14.01.2011
4. Wissenschaft die Skeptiker mögen
Last mich raten liebe Skeptiker des anthropogenen Einflusses auf das Klima, diese Forschung beweist das ihr recht habt, oder?
Peddersen, 14.01.2011
5. .............
Zitat: ".....Berichte, wonach die Donau in jenem Jahr fast trocken gefallen war. Die Regensburger nutzten das Niedrigwasser für den Bau der Steinernen Brücke.....Zitatende Was für eine Zeit - EIN trockenes Jahr wird zum Bau einer wichtigen Brücke ausgenutzt - merkt jemand was? Aber die konnten ja auch noch einen Dom bauen ohne Computer-und wahrscheinlich auch ohne einen Wasserkopf von Dampfplauderern, Medienbeauftragten und anderen Telefondesinfizierern.
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