Klimageschichte Monsun bestimmte Chinas Kultur

Der Regen bringende Monsun hat maßgeblich bestimmt, welche Herrscherdynastien in China besonders erfolgreich waren. Das haben Forscher jetzt herausgefunden, als sie mit Hilfe eines einmaligen natürlichen Archivs 1800 Jahre in die Vergangenheit blickten.


Washington - Die Wanxiang-Höhle liegt zwischen Tibet und dem großen Lössplateau im Norden Chinas. In ihrem Inneren gibt es zahlreiche Tropfsteine, die langsam aber stetig wachsen. Ein 1,18 Meter hohes Exemplar haben chinesische Forscher nun näher untersucht. An den Wachstumsringen des Stalagmiten lässt sich ablesen, welche Jahre besonders regenreich und welche sehr trocken waren.

Der zyklisch wiederkehrende Monsunwind bringt Luftfeuchtigkeit und ausgeprägten Regen nach China. Weil die Höhle in einem Monsungebiet liegt, spiegelt der Tropfstein, der sich im Lauf der Jahrtausende gebildet hat, auch die Änderungen des Wetterphänomens wider. So konnten die Forscher die Geschichte des asiatischen Monsuns nachvollziehen.

Setzt man diese in Bezug zur kulturellen Entwicklung Chinas in den vergangen knapp 2000 Jahren, ergeben sich interessante Parallelen: So profitierte die nördliche Song-Dynastie in den Jahren 960 bis 1126 beispielsweise von starkem Monsun, der für die Reisbewässerung genutzt werden konnte. Das führte zu höheren Erträgen bei der Reisernte, was die Bevölkerungszahl anwachsen ließ.

Einen Monsun-Tiefpunkt mit besonders wenig Regen habe es in den Jahren 1580 bis 1640 gegeben. Kurz darauf, im Jahre 1644 endete die fast 300 Jahre währende Herrschaft der Ming-Dynastie. Aufstände unter der Bevölkerung und fehlende Mittel, diese niederzuschlagen, führten zum Untergang des Herrschergeschlechts. Ihre Ergebnisse stellen die Forscher um Pingzhong Zhang von der Universität in Lanzhou im Fachmagazin "Science" vor (Bd. 322, S. 940).

Temperaturänderungen in der nördlichen Hemisphäre, bedingt durch Schwankungen in der Sonneneinstrahlung, seien stets die Ursache für den Monsun gewesen und hätten über seine Stärke entschieden. Diese Jahrtausende alte Beziehung habe sich nach Beobachtungen der Forschergruppe aber seit einiger Zeit geändert. Seit etwa 1960 habe der Mensch den Monsun beeinflusst - und zwar über Treibhausgase, Ruß und Aerosole in der Atmosphäre. Nach Beobachtungen der Forscher haben die Monsunwinde vor allem in den vergangenen zwei Jahrzehnten wieder stark nachgelassen.

chs/ddp/dpa



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