Klimagipfel in Montreal USA lehnen Verpflichtungen ab

Die Vereinigten Staaten sind kategorisch gegen konkrete Verpflichtungen zur Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes. Das Land bemühe sich aber ebenso wie andere Staaten um den Klimaschutz, erklärte ein US-Vertreter auf dem Weltklimagipfel.


Montreal - In Kanada beraten seit gestern rund 10.000 Delegierte aus 189 Ländern darüber, wie der erste im Kyoto-Protokoll festgelegte Schritt zur Reduzierung der Treibhausgase über das Jahr 2012 hinaus verlängert werden kann. Die USA haben konkrete Verpflichtungen kategorisch abgelehnt. "Die Vereinigten Staaten sind gegen jegliche solcher Diskussionen", sagte der US-Vertreter Harlan Watson bei der Konferenz in Montreal.

US-Unterhändler Watson: "Gegen jegliche solcher Diskussionen"
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US-Unterhändler Watson: "Gegen jegliche solcher Diskussionen"

Die USA haben schon das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet. Darin verpflichten sich rund 40 Industriestaaten, ihre Kohlendioxid-Emissionen bis 2012 zu senken und an festen Quoten zu orientieren. Der größte Teil der weltweiten Treibhausgas-Emissionen geht auf das Konto der USA.

Watson verteidigte die Umweltpolitik von Präsident George W. Bush. In den USA seien die Emissionen in der Zeit von 2002 bis 2003 stärker zurückgegangen als im selben Zeitraum in der Europäischen Union, sagte Watson. Statistiken der Vereinten Nationen zufolge lagen die US-Emissionen jedoch im Jahr 2003 mehr als 13 Prozent über dem Niveau von 1990, während die EU im Schnitt einen Rückgang von 1,4 Prozent erreicht habe.

Umweltschutzorganisationen warfen den USA vor, die Verhandlungen zu blockieren. "Wenn man in der Konferenzhalle herumläuft, sagen einem die Delegierten, dass viele Themen auf der Tagesordnung stehen", sagte Bill Hare von der Umweltschutzorganisation Greenpeace, "aber dass es nur ein wirkliches Problem gibt - und das sind die Vereinigten Staaten." Die USA seien das sprichwörtliche Haar in der Suppe und könnten die Konferenz scheitern lassen.

Watson wies den Vorwurf zurück. Er sehe nicht, wieso die Konferenz zum Scheitern verurteilt sei. "Es gibt mehr als einen Weg, gegen den Klimawandel vorzugehen."

Europa droht laut Studie Gletscherschmelze

Europa droht einem Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) zufolge der "schlimmste Klimawandel" seit gut 5000 Jahren. Sollte sich die derzeitige Erderwärmung fortsetzen, könnten "bis zum Jahre 2050 drei Viertel der Schweizer Gletscher weggeschmolzen sein", heißt es in dem jüngsten Bericht der EUA. Die Studie wurde heute in Paris veröffentlicht.

Die globale Erdtemperatur stieg laut EUA im vergangenen Jahrhundert um 0,7 Grad Celsius an; Europa erwärmte sich sogar um 0,95 Grad Celsius. Allein im Hitzesommer 2003 seien zehn Prozent der Alpengletscher weggschmolzen. Diese Entwicklung werde sich ohne eine "effiziente, auf Jahrzehnte angelegte Aktion" beschleunigen, warnt die EUA. Die Folge werde das Abschmelzen des Eises im Norden und eine Ausbreitung von Wüsten im Süden Europas sein. "Die Bevölkerung des Kontinents könnte sich immer mehr auf Mitteleuropa konzentrieren", sagte die Direktorin der Agentur, Jacqueline McGlade.



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