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28. November 2015, 13:21 Uhr

Klimagipfel in Paris

Unbekannte Weltpolitiker auf Rettungsmission

Die größte Pokerpartie der Welt geht ins Finale: Ab Montag feilschen in Paris Vertreter aller Staaten um einen Welt-Klimavertrag. Der SPIEGEL hat einflussreiche Delegierte ein Jahr begleitet. Sie ringen um jedes Wort - mit erstaunlichem Erfolg.

Am 30. November beginnt in Paris der entscheidende Uno-Klimagipfel, die "wichtigste Konferenz aller Zeiten". Es geht um nichts weniger als die Zukunft des Planeten Erde.

Trotz aller Einschränkungen nach den Terroranschlägen ist es eine Konferenz der Superlative: 150 Staats- und Regierungschefs werden zum Auftakt erwartet. Delegierte aus 196 Ländern kommen, 14.000 Vertreter von Umweltverbänden und mehr als 3000 Journalisten.

Was aber wird COP21 bringen, wie der Gipfel in der Sprache der Diplomaten genannt wird? Gelingt der große Wurf - ein internationaler Klimavertrag? Wie will die Weltgemeinschaft heute und künftig Schäden des Klimawandels kompensieren? Wie soll eine weltweite Energiewende gelingen? Wie viel Treibhausgase soll die Menschheit noch ausstoßen?

Fünf Redakteure von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE haben ein Jahr lang wichtige Akteure bei Klimaverhandlungen begleitet - das Ergebnis der ausgiebigen Recherche können Sie im aktuellen SPIEGEL lesen.

Axel Bojanowski befragte Karsten Sach, den deutschen Chef-Unterhändler, Guido Mingels besuchte den indischen Umweltminister Prakash Javadekar in Neu-Delhi, Hauke Goos beobachtete Seyni Nafo den Sprecher der Afrika-Gruppe, Samiha Shafy reiste nach Washington, um zu beschreiben, welche Argumente Leugner des Klimawandels anführen.

Ullrich Fichtner ließ sich von Laurence Tubiana in Paris erklären, wie man einen solchen Mammutgipfel organisiert - und weshalb sie so sicher ist, dass die Konferenz ein Erfolg wird.

Die Delegierten sind zugleich unbekannt und einflussreich: Sie machen Weltpolitik, aber das lieber im Verborgenen. Erfolg können sie nur gemeinsam haben, und doch verfolgen sie alle auch die Interessen ihres Landes. Die unbekannten Weltpolitiker streiten ständig ums Geld, niemand darf Schwäche zeigen - doch triumphieren darf man schon gar nicht.

Die eigentümliche Welt der Klimadiplomaten soll den Klimawandel bändigen. Sie haben das ganze Jahr um jedes Wort und jedes Komma gerungen. Obwohl die Interessen der Staaten oft vollkommen zuwiderlaufen, ist es ihnen gelungen, einen robusten Entwurf für einen Klimavertrag vorzubereiten - ein erstaunlicher Erfolg.

Sogar die USA und China sind jetzt an Bord. In Paris wollen sie die Teilung der Welt in Industriestaaten und Entwicklungsländer endgültig beenden.

Doch selbst wenn sie es schaffen, wenn sich die Weltgemeinschaft zu einem Vertrag durchringt: Die bislang vorliegenden Selbstverpflichtungen zum CO2-Ausstoß reichen nicht aus, um die Erwärmung der Erde ausreichend zu bremsen - demnach wird die Menschheit den Treibhausgasausstoß bis 2030 weiter erhöhen.

Die vielen Treffen dieses Jahres haben deutlich gemacht: Selbst für kleine Fortschritte brauchen die Verhandler enorme Ausdauer und ein großes diplomatisches Geschick.

Ob am Ende dann tatsächlich der erhoffte Weltklimavertrag zustande kommt, bleibt trotzdem ungewiss. Klimapolitik, sagt der Sprecher der Afrika-Gruppe, Seyni Nafo, ähnelt einer gewaltigen Denksportaufgabe aus Variablen, Koalitionen, Gegensätzen und Zeitdruck.

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