Klimakonferenz in Kopenhagen Entwicklungsländer wettern gegen Entwurf für Gipfelbeschluss

Umweltschützer und Delegierte aus Entwicklungländern sind wütend: Ein jetzt bekannt gewordener Entwurf für das Klimaabkommen von Kopenhagen schützt ihrer Meinung nach einseitig die Interessen der reichen Länder. Gastgeber Dänemark spielt die Bedeutung des Papiers herunter.
Sudanesischer Klimadiplomat Di-Aping: "Schwach, zu elitär, selektiv und intransparent"

Sudanesischer Klimadiplomat Di-Aping: "Schwach, zu elitär, selektiv und intransparent"

Foto: Jens Nørgaard Larsen/ AFP

Klimagipfel in Kopenhagen

Kopenhagen - Manchmal ist weniger einfach mehr. Bei komplizierten internationalen Verhandlungen ist es durchaus üblich, dass sich einige Staaten zusammentun, um einen Kompromissvorschlag auszuarbeiten. Oft haben sie dafür den Segen der Verhandlungsleitung. Beim hat sich unter anderem eine Gruppe von Diplomaten unter dem Namen "The Circle of Commitment" zusammengefunden, wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet. Zu der Gruppe gehören demnach unter anderem Vertreter von Großbritannien, den USA und Gipfelgastgeber Dänemark.

Ein Vorschlag dieser Gruppe für ein Abkommen erzürnt nun aber Entwicklungsländer und Umweltschützer. Es geht um ein Dokument mit rund einem Dutzend Seiten, das auf den Fluren von Kopenhagen und im Internet zirkuliert. An einigen entscheidenden Stellen des Textes fehlen noch Angaben. Wo Reduktionsziele und Finanzzusagen stehen sollen, sind derzeit noch Platzhalter zu finden. Sie könnten in der kommenden Woche von den zuständigen Ministern und schließlich in den letzten Gipfeltagen von den mehr als 110 Staats- und Regierungschefs verhandelt werden.

Ein paar Punkte sind indes schon konkret - und bergen einiges Konfliktpotential. Deswegen wird sich erst zeigen müssen, wie viel von dem jetzigen Text noch zu retten sein wird.

Schwellenländer

Da ist unter anderem der Vorschlag, "das Ziel einer Reduktion der weltweiten Emissionen bis 2050 um mindestens 50 Prozent im Vergleich zu 1990 zu unterstützen". Während die Industrienationen ihren Treibhausgas-Ausstoß insgesamt um 80 Prozent senken sollen, schlägt der Text einen noch zu bestimmenden "Spitzenausstoß" für Entwicklungsländer vor, ab dem die Emissionen auch dort gedrosselt werden sollen. Die großen China, Indien, Brasilien und Südafrika lehnen dies entschieden ab.

"Einseitig die Interessen der reichen Länder geschützt"

Der Sprecher der in der Gruppe G77 zusammengeschlossenen Entwicklungsländer, Lumumba Stanislaus Di-Aping, nannte das Papier "unausgewogen". In der dänischen Zeitung "Berlingske Tidende" warf der Sudanese dem dänischen Regierungschef Lars Løkke Rasmussen vor, mit dem Textentwurf "einseitig die Interessen der reichen Länder zu schützen". Weiter meinte er: "Der Text geht gegen alles, wofür wir vor diesem Gipfel eingetreten sind. Di-Aping kritisierte, dass die Dänen auf ein neues Klimaabkommen statt der Fortschreibung des bisherigen Kyoto-Abkommen setzen wollen. Damit würden auch den Entwicklungsländern Verpflichtungen von weniger CO2- und anderen Treibhausgas-Emissionen auferlegt.

China hat die Klimaschutzziele der EU, der USA und Japans scharf kritisiert. Industrieländer sollten ihre "historische Verantwortung" für den Klimawandel anerkennen, sagte der chinesische Verhandlungsführer Su Wei. Sie sollten ihre Treibhausgase um wirklich große Mengen verringern. "Die Emissionen der USA steigen noch immer, obwohl das Land schon lange voll industrialisiert ist", sagte Su.

Klimaschützer kritisierten den Text des Entwurfs als zu vage. Die Umweltstiftung WWF nannte das Papier "schwach, zu elitär, selektiv und intransparent". WWF-Klimachef Kim Carstensen unterstellte den Dänen, den reichen und mächtigen Staaten der Welt gefallen zu wollen - und nicht der ärmeren Mehrheit zu dienen. Die Hilfsorganisation Oxfam International erklärte, der Entwurf bleibe weit hinter den erforderlichen Emissionsreduktionen zurück und sei in Geldfragen zu vage.

Tatsächlich finden sich einstweilen kaum konkrete Finanzzusagen, lediglich für die Zeit zwischen 2010 und 2012 werden zehn Milliarden Dollar pro Jahr als Soforthilfe in Aussicht gestellt. Chinas Klimadiplomat Su kritisierte diese Summe mit drastischen Worten: "Zehn Milliarden Dollar sind weltweit gesehen nicht einmal zwei Dollar pro Person". Dafür könne man sich in Kopenhagen nicht einmal eine Tasse Kaffee kaufen.

Dänemark warnte unterdessen davor, dem Dokument zu viel Gewicht beizumessen. Es handele sich lediglich um ein Arbeitspapier, sagte die dänische Klimaschutzministerin Connie Hedegaard. Sie leitet den Klimagipfel - und wird bis zum Abschluss Nervenstärke brauchen. Ihr eigenes Arbeitspapier und die Aufregung darum haben dafür gesorgt, dass es wohl noch ein bisschen mehr werden dürfte.

chs/dpa/AFP
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