Klage wegen Folgen der Klimakrise Australien muss Inselbewohner im Pazifik entschädigen

Gärten und Begräbnisstätten werden bereits zerstört: Laut den Vereinten Nationen hätte Australien indigene Bewohner der Torres-Strait-Inseln früher vor den Folgen der Klimakrise schützen müssen.
Kinder spielen auf der Insel Boigu an einem Anleger

Kinder spielen auf der Insel Boigu an einem Anleger

Foto: Brook Mitchell / Getty Images

Australien hat die Bewohner der Torres-Strait-Inseln im Pazifik zu lange nicht ausreichend vor den Auswirkungen des Klimawandels geschützt – das entschieden die Vereinten Nationen. Wegen der Versäumnisse sei der Staat verpflichtet, die Menschen zu entschädigen, hieß es in dem Entscheid des Uno-Menschenrechtsausschusses.

Acht indigene Inselbewohner hatten sich an das Gremium gewandt, das die Einhaltung von international vereinbarten bürgerlichen und politischen Rechten überwacht. Sie argumentierten in ihrer Klage, dass das Leben und die Kultur wegen des steigenden Wasserspiegels und häufigerer Überflutungen in Gefahr seien.

Die Inseln liegen in der Torres-Meerenge zwischen Nordaustralien und Papua-Neuguinea. Sie gehören heutzutage überwiegend zu Australien, einige aber auch zu Papua-Neuguinea. Von den mehr als 270 Inseln sind 21 bewohnt.

Minderheitenrechte verletzt

Die Menschenrechtskommission berücksichtigte, dass seit 2019 ein staatliches Programm zur Errichtung von Uferdämmen auf den Inseln läuft. Die Maßnahme sei jedoch zu spät erfolgt, hieß es. Die für die Einwohner wichtigen Obstbäume, Gärten und Begräbnisstätten seien bereits der Zerstörung ausgesetzt.

Minderheitenrechte sowie die Rechte auf Wohnung, Privatleben und Familie seien verletzt worden. Gemäß dem Uno-Vertrag über bürgerliche und politische Rechte müsse Australien nun »den Klägern angemessene Entschädigung für die erlittenen Schäden zu gewähren«, hieß es in dem Entscheid.

Der Entscheid sei ein wichtiger Schritt, sagte Ausschuss-Mitglied Hélène Tigroudja: »Der Ausschuss hat einen Weg geschaffen, auf dem Einzelpersonen Ansprüche geltend machen können, wenn staatliche Maßnahmen besonders gefährdete Gruppen unzureichend vor den negativen Auswirkungen des Klimawandels auf Menschenrechte schützt.«

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Die Torres-Strait-Insulaner waren wie andere indigene Bewohner Australiens von gewaltsamen Umerziehungsmaßnahmen betroffen. Zwischen 1910 und 1970 entriss die australische Regierung Tausenden Familien die Kinder. Sie sind bekannt als die »Gestohlenen Generationen«. Erst im Jahr 2008 entschuldigte sich der damalige australische Premierminister Kevin Rudd öffentlich für das Unrecht und das angetane Leid. Im vergangenen Jahr kündigte Australien an, die Betroffenen zu entschädigen.

kko/dpa
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