Klimakrise Das Ansteigen des Meeresspiegels wird nicht einfach enden

Auch wenn die Weltgemeinschaft das 1,5-Grad-Ziel erreicht, ist der Anstieg des Meeresspiegels damit nicht abgewendet, zeigt eine Studie. Zahlreiche Städte müssten sich auf verheerende Überflutungen einstellen.
Überschwemmungen wie hier in der chinesischen Stadt Fuzhou werden in Zukunft häufiger

Überschwemmungen wie hier in der chinesischen Stadt Fuzhou werden in Zukunft häufiger

Foto: picture alliance / dpa

Der Anstieg des Meeresspiegels ist eine langfristige Bedrohung. Eine neue Studie, die im Fachjournal »Environmental Research Letters«  erschienen ist, zeigt: Auch wenn es der Menschheit gelingt, den globalen Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, wird der steigende Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts nicht zu stoppen sein.

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Viele wissenschaftliche Schätzungen und Erhebungen zum Anstieg des Meeresspiegels beziehen sich auf den Zeitraum bis 2100. Abhängig von verschiedenen Variablen wird bis dahin mit einem Anstieg von weniger als einem Meter kalkuliert.

Die Zentralmoschee in Lagos in Nigeria. Rechts zeigt eine Simulation, wie ein Temperaturanstieg von 3 Grad Celsius das Bild verändern würde.
Die Zentralmoschee in Lagos in Nigeria. Rechts zeigt eine Simulation, wie ein Temperaturanstieg von 3 Grad Celsius das Bild verändern würde.

Die Zentralmoschee in Lagos in Nigeria. Rechts zeigt eine Simulation, wie ein Temperaturanstieg von 3 Grad Celsius das Bild verändern würde.

Foto: Climate Central / Climate Central

Bedingt durch die Erwärmung des Wassers und die Eisschmelze werde das Ansteigen des Pegels jedoch über das Jahr 2100 hinaus andauern, warnen die Forscher – und zwar vorerst unabhängig davon, wie schnell die Treibhausgasemissionen reduziert werden.

Neun von zehn stark betroffenen Metropolen liegen in Asien

Die Region, die der Anstieg des Meeresspiegels am härtesten treffen wird, ist der Studie nach Asien. Dort befänden sich neun der zehn Küstenmetropolen, die am stärksten von Überschwemmungen bedroht sind. China, Indien, Indonesien und Vietnam und Bangladesch wiesen die größte Bevölkerung auf, die unterhalb der prognostizierten Hochwasserlinie lebe, heißt es in der Erhebung.

Die Festungsanlage Lalbag-Fort in Dhaka, Bangladesch
Die Festungsanlage Lalbag-Fort in Dhaka, Bangladesch

Die Festungsanlage Lalbag-Fort in Dhaka, Bangladesch

Foto: Climate Central / Climate Central

Ein Szenario mit weiterhin hohen oder sogar steigenden Emissionen vorausgesetzt sei mit einer Erderwärmung von rund vier Grad Celsius und einem mittleren Anstieg des globalen Meeresspiegels um 8,9 Meter innerhalb eines Zeitraums von 200 bis 2.000 Jahren zu rechnen. Das hätte zur Folge, dass sich 50 Großstädte »gegen ein weltweit beispielloses Ausmaß an Überflutung schützen müssten, sofern dies möglich ist«, schreiben die Autoren der Studie. Sollte es den betroffenen Städten nicht gelingen, sich vor den Fluten zu schützen, drohe ein »nahezu vollständiger Verlust ihrer Fläche«.

Plaza de la Catedral, Havana, Cuba
Plaza de la Catedral, Havana, Cuba

Plaza de la Catedral, Havana, Cuba

Foto: Climate Central / Climate Central

Auf der Grundlage der mittleren Meeresspiegelprognosen wäre mindestens eine große Nation auf jedem Kontinent außergewöhnlich stark gefährdet, Australien und die Antarktis ausgenommen. Viele kleine Inselstaaten wären vom nahezu vollständigen Verlust bedroht.

Jeder Zwanzigste ist heute schon bedroht

Rund fünf Prozent der Weltbevölkerung lebten bereits heute in Gebieten, denen in Zukunft schwere Überschwemmungen drohen könnten, sagte der Hauptautor der Studie, Ben Strauss. Strauss ist zudem Präsident der Wissenschaftsorganisation Climate Central .

»Die CO₂-Konzentration ist heute um 50 Prozent höher als im Jahr 1800, und die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Erde ist um 1,1 Grad Celsius gestiegen«, sagte er. Das reiche aus, um den Meeresspiegel um fast zwei Meter anzuheben, »egal ob es zwei oder zehn Jahrhunderte dauert«.

Wenn sich die Erde um noch ein halbes Grad mehr erwärme – also um zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Wert – könnten die Häuser und Wohnungen von einer halben Milliarde Menschen überschwemmt werden. Etwa 200 Millionen weitere Einwohner von Küstenstädten würden dann regelmäßig zum Opfer von Überschwemmungen werden, errechneten die Wissenschaftler. Auch Unwetter könnten zu einem noch größeren Problem werden.

Die Lujiazui-Hochhäuser in Shanghai, China
Die Lujiazui-Hochhäuser in Shanghai, China

Die Lujiazui-Hochhäuser in Shanghai, China

Foto: Climate Central / Climate Central

»In Glasgow und bis zum Ende dieses Jahrzehnts haben wir die Möglichkeit, den nächsten hundert Generationen entweder zu helfen oder sie zu verraten«, sagte Strauss mit Blick auf den anstehenden Weltklimagipfel COP26.

Auf der Website von Climate Central  findet sich eine Karte, die Modelle für die verschiedenen Emissionsszenarien zeigt. Auch für Regionen in Deutschland hat der steigende Meeresspiegel Konsequenzen.

Auch im Hamburger Stadteil Rothenburgsort würde ein 3-Grad-Szenario für schwere Überschwemmungen sorgen.
Auch im Hamburger Stadteil Rothenburgsort würde ein 3-Grad-Szenario für schwere Überschwemmungen sorgen.

Auch im Hamburger Stadteil Rothenburgsort würde ein 3-Grad-Szenario für schwere Überschwemmungen sorgen.

Foto: Climate Central / Climate Central
vki/AFP
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