Klimakrise Neuseeland erlebt den wärmsten Winter seit mehr als 100 Jahren

Seit Beginn der Aufzeichnungen war noch kein Winter in Neuseeland so warm wie 2021: Die Durchschnittstemperatur lag bei knapp zehn Grad Celsius. Auch die Zahl der Extremwetterereignisse nimmt zu.
Blick auf den Lake Tekapo in Neuseeland

Blick auf den Lake Tekapo in Neuseeland

Foto: Sanka Vidanagama / NurPhoto / Getty Images

Der Winter auf der Südhalbkugel, der gerade zu Ende geht, war auf Neuseeland der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Nach Angaben des Nationalen Instituts für Wasser- und Atmosphärenforschung Niwa  lag die Durchschnittstemperatur in den Monaten Juni, Juli und August bei 9,8 Grad Celsius – 1,3 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Damit übertrafen die Werte aus diesem Jahr den winterlichen Wärmerekord aus dem Jahr 2020 um 0,2 Grad.

Für Neuseeland gibt es seit 1909 durchgehende Temperaturaufzeichnungen. Diese Daten zeigen auch, dass sieben der zehn wärmsten Winter seit dem Jahr 2000 verzeichnet wurden.

Mehr Regen als Schnee

Die Meteorologin Nava Fedaeff, die an dem neuseeländischen Institut arbeitet, erklärte die außergewöhnlich hohen Temperaturen so: In diesem Jahr seien mehr warme Winde als üblich aus dem Norden gekommen, außerdem seien die Meerestemperaturen höher gewesen.

Die Schneefälle in tieferen Lagen hätten in diesem Winter weit unter dem Durchschnitt gelegen, häufig sei statt Schnee auch Regen gefallen. Diese Entwicklung könne sich im weiteren Jahresverlauf noch deutlicher bemerkbar machen – wenn die Wasserstände in den Flüssen sänken, weil die Schneeschmelze ausbleibe. Das könne sich wiederum auf die Bewässerung in landwirtschaftlichen Betrieben auswirken, sagte Fedaeff.

Es habe auch in Neuseeland mehr extreme Wetterereignisse gegeben, sagte die Expertin weiter, darunter schwere Überschwemmungen, aber auch Trockenperioden in bestimmten Gegenden.

Der langfristige Trend der Erwärmung lasse sich auch anhand der Kohlendioxidkonzentration in der Luft nachvollziehen, sagte sie: In Neuseeland sei die CO₂-Konzentration von 320 parts per million vor 50 Jahren auf etwa 412 parts per million angestiegen.

»Wenn wir die Erwärmung nicht bald in den Griff bekommen, wird es für große Teile der Welt schmerzhaft werden.«

James Renwick, Klimaforscher an der Victoria-Universität Wellington

Auch James Renwick, Klimawissenschaftler an der Victoria-Universität Wellington, äußerte sich zum Temperaturanstieg. Er sagte, die Veränderungen übten Druck auf die natürlichen Ökosysteme aus. Mehr und mehr Arten seien deshalb vom Aussterben bedroht. Renwick rief dazu auf, unbedingt die Treibhausgasemissionen zu verringern. »Wenn wir die Erwärmung nicht bald in den Griff bekommen, wird es für große Teile der Welt schmerzhaft werden«, sagte er.

Der Wissenschaftler lobte die Zusage der neuseeländischen Regierung, bis 2050 kohlenstoffneutral zu werden. Es gebe viele natürliche Ressourcen wie Wind, Sonne und Wasser, die den Energiebedarf des Landes mit erneuerbarer Energie decken könnten.

vki/AP
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