Klimapolitik Bush wird von Parteifreunden attackiert

Mit seiner Umweltpolitik bringt US-Präsident George W. Bush selbst Parteifreunde gegen sich auf: Sechs frühere Leiter der amerikanischen Umweltschutzbehörde, darunter fünf Republikaner, haben Bush mit scharfen Worten kritisiert.


Die Wortwahl ließ an Deutlichkeit kaum zu wünschen übrig: Im Kampf gegen die globale Erwärmung versagten die Vereinigten Staaten nicht nur in ihrer Führungsrolle. Die US-Politik sei auch "unehrlich" und "selbstzerstörerisch". Diese Kritik kommt nicht von linksgerichteten Umweltfreunden, sondern von sechs ehemaligen Chefs der Environmental Protection Agency (EPA), der Umweltschutzbehörde der US-Regierung. Und: Nur einer von ihnen gehört zur Demokratischen Partei, alle anderen sind Republikaner und damit Bushs Lager zugehörig.

EPA-Chef Johnson (Mitte) mit Vorgängern Whitman, Train, Ruckelshaus, Thomas, Browner und Reilly (v. l.): Harsche Kritik an George W. Bush
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EPA-Chef Johnson (Mitte) mit Vorgängern Whitman, Train, Ruckelshaus, Thomas, Browner und Reilly (v. l.): Harsche Kritik an George W. Bush

"Wir brauchen Führung, aber ich denke nicht, dass wir sie derzeit bekommen", sagte Russel Train, EPA-Chef unter den Präsidenten Nixon und Ford, bei einer Tagung in Washington. Bill Ruckelshaus, erster Leiter der 35 Jahre alten Umweltbehörde, sprach Bush gar den Willen zu einer vernünftigen Klimapolitik ab: "Ich glaube nicht, dass es in dieser Regierung ein Bekenntnis dazu gibt."

Das Weiße Haus unter George W. Bush ist so sehr mit der wissenschaftlichen Gemeinde verkracht wie kaum eine Regierung zuvor - vor allem, aber nicht nur wegen ihrer Klimapolitik. Erst vor kurzem räumte Bush erstmals überhaupt ein, dass die globale Erwärmung vom Menschen zumindest mitverursacht sein könnte. Dennoch weigern sich die USA als weltweit größter Verursacher von Treibhausgasen beharrlich, dem Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz beizutreten.

Vor diesem Hintergrund ist es durchaus pikant, dass sich der jetzige EPA-Chef Stephen Johnson bei der gestrigen Podiumsdiskussion mit seinen fünf Amtsvorgängern einig erklärte, der Mensch trage eine bedeutende Mitschuld am Klimawandel. Zugleich betonte Johnson, dass die Regierung Bush durchaus gewillt sei, Maßnahmen gegen die globale Erwärmung zu ergreifen.

Das genügte seinen Vorgängern nicht. Die bloße Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes sei nicht genug, betonte Train. "Es ist selbstzerstörerisch, sich zurückzulehnen und zu sagen, wir kümmern uns später einmal darum." Lee Thomas, EPA-Chef unter Präsident Ronald Reagan, sieht die USA auf dem Weg in die internationale Isolation. "Wenn sich die Vereinigten Staaten in ihrer Führungsrolle nicht solchen Themen annehmen, werden sie außen vor bleiben."

Die deutlichsten Worte fand Christie Whitman, die erste von drei EPA-Leitern unter George W. Bush. "Man muss schon in einem Erdloch leben, um zu glauben, dass die Landveränderungen, das Waldsterben und die Luftverschmutzung einen wahrscheinlich natürlichen Trend nicht verstärkt haben", sagte sie. Der Mensch habe einen "enormen Einfluss" auf die Erwärmung der Erde.

Carol Browner, EPA-Leiterin unter Präsident Bill Clinton, attackierte Bush für dessen ständigen Verweis auf eine Minderheit unter Wissenschaftlern, die noch immer glaubt, den Menschen treffe keine Mitschuld am Klimawandel. "Wenn wir darauf warten, dass auch der letzte Wissenschaftler mit einer Meinung zum Klimawandel endlich umschwenkt, werden wir nie etwas tun."

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Seite 1
christian_g., 12.04.2005
1.
Ich denke, wenn man sich Seiten wie diese hier - http://www.lifeaftertheoilcrash.net/ - durchliest, sind Klimakatastrophen in den nächsten Jahren eines unserer geringsten Probleme. Ich bin eigentlich ein Optimist, aber so etwas macht einen dann doch schon etwas nachdenklich :)
C_Kulmann, 13.04.2005
2. Noch ist Zeit zum Bremsen
Aktuelle Wetterereignisse als Vorboten des Klimawandels zu sehen ist ohnehin Blödsinn. Das Jahreswetter verläuft in Wellen, jeder Sommer und jeder Winter hat seine Höhen und Tiefen. Der Klimawandel wird sich dadurch bemerkbar machen, dass sich das ganze System langsam, in der Größenordnung von Jahrzehnten, verschiebt. Auf die leichte Schulter nehmen sollten wir das trotzdem nicht. Im Februar 2005 gab es eine große Konferenz zu diesem Thema in England. Was diese Konferenz von ihren vielen Vorgängern unterschied war die Frage, was genau man denn als "gefährlichen Klimawandel" einschätzen muss. Ein Beitrag befasste sich mit der Eiskappe von Grönland. Das Grönlandeis ist im Augenblick noch stabil, aber wenn sich der Kohlendioxidgehalt der Luft ca. vervierfacht, fängt die Eiskappe an zu schmelzen. Das große Problem dabei ist, dass dieser Vorgang unumkehrbar ist, selbst wenn mittendrin das Klima wieder in seinen heutigen Zustand zurückkehrt. Weil die Oberfläche der Eiskappe beim Schmelzen in immer tiefere und wärmere Luftschichten absinkt, würde sie, wenn dieser Vorgang einmal begonnen hat, vollständig verschwinden. Der Meeresspiegel wäre dann um sieben Meter höher, und Hamburg und Bremen wären die neuen Traumziele von Unterwasser-Touristen. Auf dieser Konferenz wurden noch mehrere andere Beispiele für solche "gefährlichen Klimaveränderungen" genannt. Was mich persönlich erschreckt hat war die Tatsache, dass bei der Hälfte dieser Phänomene derzeit niemand weiss, ob sie eventuell schon begonnen haben. Es sind auf jeden Fall ziemlich heftige klimatische Schneebretter, die wir möglichst nicht lostreten sollten. Das Thema zu verharmlosen halte ich daher für unangebracht, unbegründet und sehr leichtsinnig. Bei der Klima-Diskussion ist mir auch noch ein weiterer Punkt immer wieder sauer aufgestoßen. Die meisten Berichte enthalten irgendwo den Satz "...es wird eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um 2°C / 5°C / 11°C etc. erwartet." Schön, könnte man meinen, dann werden die Sommer eben 2°C wärmer und die Winter etwas milder. Alles kein Problem? Nur die wenigsten Leser bedenken dabei, dass der Unterschied zwischen der heutigen Welt und dem Höhepunkt der letzten Eiszeit als "globale Durchschnittstemperatur" betrachtet gerade mal 5°C betrug. Es waren "nur 5°C", die darüber entschieden, ob z.B. hier in Bremen ein mild-maritimes Klima wie heute oder ein voll entwickeltes arktisches Klima wie vor 20.000 Jahren herrschte. Die Veränderungen in den Ozeanen und der Atmosphäre sind leider erheblich komplizierter, als einfach nur die "Suppe" etwas wärmer zu machen. Das sollten wir dabei bedenken. Ich möchte damit keine Katastrophen herbeireden und auch niemandem den Tag verderben - ganz im Gegenteil. Wenn man sich mal ein bisschen breiter über das Thema informiert wird deutlich, dass wir auch jetzt immer noch eine ganze Menge zu unserem eigenen Vorteil unternehmen können. Der Klimawandel ist noch nicht so weit fortgeschritten, dass wir zwangsläufig in eine Katastrophe geraten. Immerhin hieß es bei der Hälfte der "gefährlichen Klimaveränderungen" auf der Konferenz, dass sie noch nicht begonnen haben. Es ist also immer noch Zeit zum Bremsen.
Abakan, 14.04.2005
3. ups and downs and our wallets
Und wer sagt das es sich dabei eben NICHT um ein natürliches Phänomen handelt? Eiszeiten und Hitzeperioden hat es schon vor dem Menschen gegeben. Ich persönlich glaube das die ganze Klimageschichte nur aufgezogen wird um uns die Kohle aus den Taschen zu ziehen ( zumindest beim Staat ist das offensichtlich )
C_Kulmann, 15.04.2005
4.
Moin Abakan, Ob natürliches Phänomen hin oder her, bedrohlich ist es allemal und wir wären dämlich, nicht darauf zu reagieren. Aber für meinen Geschmack kämen dabei zuviele Zufälle auf einmal zusammen; zumal der Temperaturtrend der letzten 8.000 Jahre zumindest für die Nordhalbkugel eher auf eine Abkühlung hinlief. Die meisten Prognosen sind bisher lediglich Computermodelle, aber immer mehr von diesen Vorhersagen scheinen sich zu bestätigen. Die Welt verändert sich, und wir müssen uns irgendwie darauf einstellen. Und was ich vor allem sagen wollte war, dass wir lieber nicht die Hände in den Schoß legen und einfach abwarten sollten, bis die schlimmsten Prognosen eingetreten sind. Denn manche dieser Vorgänge würden die Erde unwiderruflich und sehr zu unserem Nachteil verändern. Christoph
C_Kulmann, 19.04.2005
5. Menschengemacht?
Zur Frage, inwieweit die jüngste Erderwärmung von Menschen mitverursacht wird, gibt es bei SPIEGEL Online gerade einen interessanten Artikel: http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,351110,00.html Christoph
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