Klimawandel-Prognose Berlin so heiß wie Australien, Madrids Sommer wie in Marrakesch

Eine neue Studie zeigt, wie die Sommer in 520 Städten in Zukunft aussehen könnten: In den Metropolen wird es demnach deutlich heißer - selbst wenn die Klimaziele eingehalten werden.

Rauchwolken über Canberra
Chris Lane/ Fairfax Media/ Getty Images

Rauchwolken über Canberra


Canberra in Australien. Der Ort im Landesinneren des Kontinents liegt zwischen sanften Hügeln an einem See. Zwar sorgen Bäume für Schatten. Doch im Sommer kann es hier heiß werden, sehr heiß. Die höchste jemals gemessene Temperatur lag bei mehr als 42 Grad Celsius, im sommerlichen Februar ist es auf der Südhalbkugel durchschnittlich knapp 20 Grad warm. Im Winter kann es bei Canberras kühlgemäßigtem Klima aber auch mal Frost und Schnee geben.

Werte wie in Australien, so glauben Forscher, könnten in etwa 30 Jahren auch in Berlin auftreten. Die Temperaturen an der sommerlichen Spree dürften um bis zu sechs Grad steigen. Auch in Hamburg und Köln wird es deutlich wärmer. An Elbe und Rhein könnte künftig ein Klima wie in San Marino herrschen.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die nun im Fachmagazin "Plos One" vorgestellt wurde. In der Arbeit haben Forscher um Jean-François Bastin von der ETH Zürich ausgewertet, wie das Klima im Jahr 2050 sich in mehr als 520 großen Städten entwickeln wird und es mit wärmeren Städten verglichen.

Anstieg der Temperaturen bis 2050

Klicken Sie auf die Orte für Details

Quelle: Plos One/Crowtherlab

Veränderung der Temperatur (in Grad Celsius)

Ort J W K zukünftig Klima wie jetzt in
Ljubljana 3,5 8 5,7 Virginia Beach
Belgrad 3,5 7,9 5,6 San Antonio
Budapest 3 7,8 3,7 Skopje
Turin 2,1 7,7 1,7 Dallas
Wien 2,3 7,6 3,5 Skopje
Bratislava 2,6 7,5 3,9 Canberra
Zagreb 2,3 7,3 3,5 Louisville
Mailand 2,5 7,2 3,6 Dallas
Tiflis 2,9 7,1 3,2 Bischkek
Skopje 2,4 6,9 4,4 Austin
Bukarest 2,9 6,9 4,4 Almaty
Sarajevo 2,7 6,8 4,1 Dallas
Lyon 1,8 6,7 2,4 Canberra
Kiew 3 6,7 3,9 Canberra
Prag 1,8 6,7 2,8 Tiflis
Warschau 2,4 6,6 3,4 Tiflis
Pristina 2,5 6,6 5 Skopje
Ankara 2,9 6,4 5,1 Taschkent
Madrid 2,1 6,4 3,1 Marrakesch
Manchester 2,9 6,2 3 Montevideo
Sofia 2,7 6,1 3 Skopje
Berlin 1,8 6,1 2,5 Canberra
Paris 1,4 6,1 2,3 Canberra
Gaziantep 2,7 6,1 4,2 Erbil
St. Petersburg 2,9 6,1 4,1 Sofia
Stockholm 3 5,9 4,9 Budapest
London 2,1 5,9 3 Barcelona
Vilnius 3,1 5,9 4,8 Pristina
Andorra 2,7 5,9 3,8 San Marino
Luxemburg 1,9 5,9 3,8 Montevideo
Köln 1,7 5,7 2,6 San Marino
San Marino 2,7 5,7 3,8 Bursa
Minsk 2,8 5,7 4,2 Sofia
Athen 2,5 5,7 3,6 Fez
Vaduz 2,6 5,7 4,3 Mailand
Zürich 2,2 5,6 4,3 Mailand
Oslo 2,2 5,6 2,6 Bratislava
Rom 2,5 5,5 2,8 Adana
Moskau 3 5,5 4,5 Sofia
Hamburg 1,4 5,4 2,3 San Marino
Vatikanstadt 2,6 5,3 2,8 Adana
Brüssel 1,8 5,2 2,5 Canberra
Marseille 1,3 5,2 -0,5 Algier
Helsinki 2,8 5,2 4,1 Wien
Tallinn 2,5 5,1 4,3 Bratislava
Kopenhagen 2 5 3,2 Paris
Bern 2,4 4,9 4,8 San Marino
Riga 2,6 4,8 3,7 Wien
Lille 1,5 4,8 2,7 Lyon
Leeds 2 4,6 2,7 Melbourne
München 1,2 4,6 2,2 Mailand
Cardiff 1,8 4,4 2 Montevideo
Birmingham 1,4 4,3 2,1 Paris
Edinburgh 1,7 4,3 1,8 Paris
Rotterdam 1,5 3,5 2,7 Paris
Valletta 1,7 3,5 2,4 Tel Aviv-Jaffa
Belfast 1,1 3,5 1,4 Cardiff
Barcelona 2,5 3,4 2,2 Adelaide
Amsterdam 1,3 3,4 2,6 Paris
Istanbul 2,1 3,4 3,4 Rom
Dublin 1,3 3,3 2,1 Leeds
Lissabon 1,6 3,3 2,9 Perth
Glasgow 1,5 3,2 1,8 Cardiff
Monaco 2,2 3 2,5 Rom
Nikosia 1,2 2,7 3 Mossul

Quelle: Plos One/Crowtherlab
J = Jahresmitteltemperatur
W = im wärmsten Monat
K = im kältesten Monat

Berücksichtigt wurden Temperaturen, Niederschläge und Jahreszeitenwandel. Für die Studie haben die Forscher mit einer eher konservativen Entwicklung der CO2-Emissionen kalkuliert und Schätzung herangezogen, die zu einer Erderwärmung von 1,5 bis 2 Grad Celsius bis 2050 führen würden.

Demnach wird sich Madrid auf ein Klima wie in Marrakesch einstellen müssen, in Stockholm wird es so warm wie in Budapest. Und von London muss keiner mehr im Sommer nach Barcelona reisen, weil es dort so schön warm ist.

Weltweit werden Städte, die sich derzeit in gemäßigten oder kalten Zonen der nördlichen Hemisphäre befinden, Orten ähneln, die mehr als tausend Kilometer näher am Äquator liegen.

In den Tropen fallen die Temperaturunterschiede nicht so groß aus wie anderswo. Hier wird sich die Klimakrise eher durch Dürren und extreme Niederschläge bemerkbar machen. Was das für diese Städte genau heißt, können die Forscher nicht vorhersagen. Nur so viel: Megacitys wie Jakarta, Singapur oder Kuala Lumpur stehen wohl vor tief greifenden Veränderungen.

Das alles hat Folgen für die Infrastruktur in den Städten, schreiben die Forscher, auf die die Planer noch nicht vorbereitet seien. So müssten beispielsweise die Wasserversorgungen teils neu gedacht werden.

Architekten und Ingenieure arbeiten schon länger an Konzepten, um Metropolen auf den Klimawandel einzustellen. Sogenannte Schwammstädte könnten dabei helfen. Denn ein Problem bei extremen Niederschlägen, die durch den Klimawandel zunehmen könnten, sind die versiegelten Böden. Das Wasser kann nicht versickern und die Kanalisation ist nicht für solche Wassermassen ausgelegt - es kommt zu Überflutungen.

In Schwammstädten sollen mehr Grünflächen entstehen, die Niederschläge speichern könnten. Die Verdunstung drückt gleichzeitig die Temperatur. Zudem wird auch klimaschädlicher Beton künftig sparsamer eingesetzt werden müssen. Auch weil er Wärme besonders gut speichert.

Die deutschen Wasserversorger sind sich bewusst, welche Herausforderungen der Klimawandel mit sich bringen wird. Demnach könnten zukünftig höhere Kosten für die Wasseraufbereitung entstehen. Immerhin: Solange es genug regnen wird, wird das Trinkwasser nicht knapp.

joe

insgesamt 228 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
G. Samsa 12.07.2019
1.
Siehe dazu auch: Eine neue Studie finnischer Forscher vom 29. Juni 2019: https://arxiv.org/abs/1907.00165
surfingod 12.07.2019
2. was haben wir erwartet
Was uns jetzt Probleme bereitet, haben wir vor 30 Jahren in die Luftgeblasen, das Schlimmste kommt erst noch. Lasst uns ganz schnell die CO² Steuer einführen und noch ein paar andere kleine Schräubchen drehen, dann wirds wieder. OK, wir Menschen werden das nicht mehr erleben, aber der Wille zählt und einen Tage weniger Schule in der Woche gibts auch noch, um zu zeigen, dass wir das nicht wollen. Wacht endlich auf ihr Traumtänzer!
lacleman 12.07.2019
3.
München wie Mailand - ich freue mich darauf. Für die Überschrift braucht es natürlich ein spektakulär klingendes Beispiel.
Affenhauptmann 12.07.2019
4. Golfstrom
Also bis vor kurzem ging man noch davon aus, dass bei zunehmender globaler Temperatur grössere Massen an Eis an den Polen schmelzen, dadurch der Salzgehalt der Ozeane zurückgeht, dadurch wiederum der Golfstrom nachlässt oder ganz versiegt und als Folge des Ganzen die Temperaturen in Nord- und Mitteleuropa deutlich sinken werden. Aber heute läuft es ja so: Hier ist das Ergebnis, macht mal eine Studie damit das passt.
memyselfeandi 12.07.2019
5. Und...
... und unsere Kinder werden Schnee nur noch aus Erzählungen kennen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.