Neues aus der Geoforschung Imposante Klimaprognosen, Schutz vor Erdbeben, Meteoriten-Dröhnen

Heiße Debatte ums Klima: Wie zuverlässig sind die Prognosen? Gibt es Hoffnung auf eine gebremste Erwärmung? Außerdem im Überblick zur Geoforschung: Eine Tapete kann bei Erdbeben Leben retten - und das Dröhnen des Russland-Meteoriten wurde weltweit aufgezeichnet.
Foto: AFP

Hamburg - Das Klima hat sich in letzter Zeit anders entwickelt als erwartet. Die globale Erwärmung stockt seit 15 Jahren. Experten hegen deshalb Zweifel an der Zuverlässigkeit ihrer Prognosen. Die Entwicklung der Temperatur bewegt sich am unteren Rand der Uno-Szenarien. Nun aber gibt es einen Erfolg zu vermelden: Den Klimatrend über einen längeren Zeitraum hätten manche Szenarien erstaunlich gut vorhergesehen, berichten  Forscher im Fachblatt "Nature Geoscience".

Das Stocken der Erwärmung in den vergangenen Jahren bleibt zwar rätselhaft. Über zwei Jahrzehnte gesehen jedoch habe die Temperatur ziemlich exakt jenen Sprung gemacht, den Simulationen im Jahr 1999 vorhergesehen hätten, schreiben Myles Allen von der Oxford University und seine Kollegen. Die globale Durchschnittstemperatur der vergangenen zehn Jahre liege ein Viertelgrad über der durchschnittlichen Temperatur zwischen 1986 bis 1996. Solch ein Anstieg war in einer Prognose 1999 erwartet worden, berichten die Forscher. Die Erwärmung stockt nun zwar - aber eben auf vergleichsweise hohem Niveau.

Globale Temperatur

Globale Temperatur

Foto: Met Office

Die Studie scheint geeignet, das Vertrauen in Klimamodelle zu stärken, meinen die Klimatologen. Auch wenn kurzfristiges Auf-und-Ab nicht vorhergesagt werden könnte, scheinen längerfristige Trends gut dargestellt zu werden.

Allerdings bleibt die Frage, für welche Klimamodelle der Erfolg zutrifft: Allens Prognose von 1999 zeigte einen moderaten Temperaturanstieg, drastischere Szenarien hingegen sind bislang nicht eingetroffen. Deshalb hegen manche Forscher nun die Hoffnung, allzu pessimistische Klimaprognosen könnten falsch sein.

Hoffnung auf gebremsten Klimawandel

Lennart Bengtsson: "Verblüffende Entwicklung"

Lennart Bengtsson: "Verblüffende Entwicklung"

Foto: DPA

Lennart Bengtsson gilt als zurückhaltender Klimaforscher. Nun aber wendet sich der ehemalige Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie mit einem aufrüttelnden Aufsatz an die Öffentlichkeit, in dem er auf erhebliche Wissenslücken und unerklärliche Klimaentwicklungen hinweist.

Im Blog Die Klimazwiebel  diagnostiziert er angesichts der Zunahme des CO2-Treibhauseffektes um 80 Prozent seit dem Ende des 19. Jahrhundert "einen sehr gemäßigten Anstieg" der globalen Temperatur. Ebenso verblüffend sei, dass sich ausgerechnet die tropische Luft seit Beginn der Satellitenmessungen 1979 kaum erwärmt habe. Dabei sagen Klimaprognosen für die Region den stärksten Temperaturanstieg vorher - gewaltige Mengen Wasserdampf sollten den Treibhauseffekt dort eigentlich verstärken. "Es gibt keine einfache Erklärung dafür, außer dass der Planet sich der Hitze effektiver entledigen kann, als von den Modellen erwartet wird", schreibt Bengtsson.

Möglich sei, dass Wolkenbildung die Erwärmung stärker bremse als erwartet. Es könnte auch sein, dass der verstärkte Treibhauseffekt überbewertet werde, weil nicht so viel Wasserdampf in die Luft gelange, wie angenommen wurde. Womöglich lande ein Gutteil der Wärmeenergie aber auch in der Tiefsee. "Wie auch immer", resümiert der emeritierte Klimaforscher, "die globale Erwärmung schreitet deutlich langsamer voran als erwartet." Es gebe folglich Hoffnung, dass der Klimawandel weniger dramatisch verlaufe als vermutet.

Weltweites Dröhnen des Meteoriten

Am Morgen des 15. Februar registrierte die internationale Organisation zum Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) das stärkste Ereignis seit Beginn ihrer Messungen. Das globale Warnsystem für Atomexplosionen zeichnete eine Knallkaskade über Russland auf. 17 der 45 Messgeräte der CTBTO rund um den Globus meldeten das dumpfe, durchdringende, aber für Menschen unhörbare Geräusch (siehe Video).

Zufällig wurde das Ereignis auch optisch aufgezeichnet - denn es passierte direkt vor einer Großstadt: Über Tscheljabinsk war ein Meteor explodiert. Doch auch ohne die Bilder hätte die CTBTO das größte Meteoritenereignis seit mehr als 100 Jahren auf der Erde entdeckt - mit ihren Horchposten.

Einen Atomtest habe man sogleich ausschließen können: Das Geräusch wanderte, und es veränderte seine Lautstärke - die Eigenschaften waren nicht mit einem fixen Ereignis vereinbar. "So konnten wir das Geschehen auch gleich von einem Vulkanausbruch oder einer Bergbauexplosion abgrenzen", sagt CTBTO-Akkustiker Pierrick Mialle.

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Tapete schützt bei Erdbeben

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Fotostrecke

Häuser mit Haltung: Verstrebte Mauern

Foto: M. Urban/ KIT

Erdbeben töten keine Menschen. Es sind kollabierende Bauten, die gefährlich werden, wenn der Boden wackelt. Deutsche Forscher haben ein Gewebe entwickelt, das Häuserwände stabilisieren soll. "Mit der Markteinführung ist unsere Idee aus dem Labor nun in eine handfeste Innovation geflossen", freuen sich die Entwickler Lothar Stempniewski und Moritz Urban vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Vertrieben wird das Mape-Wrap EQ System von dem Unternehmen Bayer Material Science.

Die textile Gebäudeverstärkung wird mit einem Leim wie eine Tapete an die Wand geklebt und verputzt. Die zusätzliche Stabilität könnte den Einsturz von Gebäuden verhindern oder zumindest deutlich verlangsamen, so dass Zeit zur Flucht bleibt, hoffen die Forscher. Insbesondere bei mittelschweren Beben wie jenem in Mittelitalien 2009, bei dem mehr als 300 Menschen unter Gebäudeteilen zu Tode kamen, könnte der Kollaps von Häusern wohl in vielen Fällen verhindert werden.

Das Glasfasergewebe lasse sich in alte Häuser integrieren und mit normalen Tapeten oder anderen Beschichtungen überdecken, melden die KIT-Forscher. Im ersten Schritt werden Wände und Decken mit Putz bestrichen. In die Masse wird ein Glasfasergewebe gelegt, das schließlich mit einer zementartigen Masse aus Kunststoff und Sand bedeckt wird. Die Glasfasern verteilen die Erdbeben-Energie gleichmäßiger auf alle Wände.

Selbst wirtschaftlich starke Nationen wiegen sich in trügerischer Sicherheit. Das zeigte besonders das Beben im japanischen Kobe 1995. Die Investition vieler Milliarden Euro in erdbebensichere Architektur reichten nicht aus - mehr als 6000 Menschen kamen ums Leben. Auch die Erdbebengebiete Deutschlands sind ungenügend auf Beben vorbereitet. In Städten am Rhein, auf der Schwäbischen Alb und im Erzgebirge drohen bei einem stärkeren Beben an Tausenden Gebäuden Dächer und Zwischenwände einzustürzen.

Nun forscht das KIT-Team an Stütztechnologie, die nicht nur für gemauerte Wände, sondern auch für Betongebäude sinnvoll eingesetzt werden könnte. "Die Herausforderung bei Beton sind jedoch die größeren Kräfte, die es aufzufangen gilt. Dafür testen wir neue Materialien wie Carbonfasern und legen die Grundlagen für kommende Innovationen am KIT."

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