Klimaprognose Erwärmung macht Teile der Arktis unpassierbar

Das Eis der Arktis schmilzt und öffnet neue Seewege. Ganz anders sieht es aber auf dem Land aus: Permafrostböden tauen auf, einst harte Pisten werden zu Schlammwüsten. Forscher prognostizieren jetzt, dass große Gebiete im Norden unpassierbar werden könnten.
Grönland: Das Meereis schmilzt, Permafrostböden tauen auf

Grönland: Das Meereis schmilzt, Permafrostböden tauen auf

Foto: DPA

Das Eis des Nordmeeres ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Das eröffnet der Schifffahrt viele bisher unzugängliche Gebiete - und die Arktis-Anrainer streiten schon jetzt über die Aufteilung der Ressourcen. Doch das Tauwetter hat auch eine wirtschaftliche Schattenseite: Da nicht nur das Meereis, sondern auch die Permafrostböden auftauen, könnten große Teile der Arktis auf dem Landweg unpassierbar werden.

Straßen, die nur bei Kälte zu benutzen sind, gibt es etwa in Alaska, Finnland, Norwegen, Russland und Schweden. Allein in Kanada sind es 5400 Kilometer. Im Norden Alaskas hat sich die Zeit, in der diese Wege passierbar waren, seit den siebziger Jahren bereits von 200 auf 100 Tage pro Jahr halbiert. Jetzt prognostizieren Forscher, dass sich das Problem verschärfen wird: Die Transportmöglichkeiten werden voraussichtlich um 11 bis 82 Prozent zurückgehen, schreiben Forscher um Scott Stephenson von der University of California in Los Angeles im Fachblatt "Nature Climate Change" .

Die Temperaturen steigen durch den vom Menschen verursachten Klimawandel in der Arktis besonders stark. Während Wissenschaftler im globalen Mittel mit einer Erwärmung von zwei bis vier Grad bis zum Jahr 2100 rechnen, dürfte es in der Arktis im vier bis elf Grad wärmer werden, schreiben Stephenson und seine Kollegen. In ihre Studie flossen neben Klimaprognosen auch Daten über Besiedlung, Lufttemperaturen und Schneedecke sowie die aktuelle und vorhergesagte Eisbedeckung des Meeres rings um den Nordpol ein.

Besserer Zugang zu Ressourcen

Das Ergebnis: Der Transport über Land wird im Vorhersagezeitraum von 2045 bis 2059 durchweg schwieriger, jener über das Wasser einfacher. Die Küstenstaaten werden durch den Rückgang des Meereises einen besseren Zugang zu ihrer sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone erhalten, die sich 200 Seemeilen weit von der Küste ins Meer erstreckt. In Grönland sei das ein Plus von 28 Prozent, in Kanada von 19 Prozent, heißt es in dem Fachartikel.

Dann wären nur noch das Innere Grönlands sowie einige Bereiche der Wasserwege vor der nordöstlichen kanadischen Küste durchweg unpassierbar. Ein Großteil des arktischen Ozeans werde während der Monate Juli bis Februar für Schiffe der Typenklasse A ("Type A Class") neu zugänglich werden. Sie können zwar Eis brechen, allerdings weitaus schlechter als die spezialisierten und viel stärkeren Eisbrecher. Die Nordroute von Rotterdam nach Yokohama wäre im Vergleich zum Weg durch den Suez-Kanal etwa 40 Prozent kürzer, rechnen die Forscher vor.

Das alles hat bis zum Mitte des Jahrhunderts Folgen für die Umwelt, erklären die Wissenschaftler. Zu den neuen Handelsrouten komme ein verstärkter Tourismus. Fischer würden die neuen Möglichkeiten ebenso nutzen wie Konzerne, die nach Öl und Gas suchen. Es gibt Schätzungen, nach denen 30 Prozent des Erdgases und 13 Prozent des Erdöls unter der Arktis liegen - mit weniger als 500 Metern Wasser über dem Grund.

mbe/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.