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Erwärmung: Forscher warnen vor Erhitzung in den USA

Foto: Jim Lo Scalzo/ dpa

Klimawandel US-Regierungsberater warnen vor drastischer Erderwärmung

Hitzewellen, Wirbelstürme, Hochwasser: Ein US-Klimareport prophezeit der Welt mehr extremes Wetter und steigende Temperaturen. Obama fordert nun strengere Kohlendioxid-Grenzen, doch einige Forscher meinen: Beim Klimawandel bleibt nur noch eines - Schadensbegrenzung.

So warm war es in den USA noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnung: Die Temperaturen in den Vereinigten Staaten - außer Alaska und Hawaii - lagen um 1,83 Grad Celsius über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts, teilte die Behörde für Wetter und Ozeanographie NOAA zu Beginn der Woche in Washington mit. Forscher und Politiker in den USA begannen sogleich eine Debatte über die Folgen der globalen Erwärmung.

Jetzt liefert ein neuer Klimareport aus den Vereinigten Staaten neuen Diskussionsstoff: Ein vom US-Handelsministerium beauftragtes 60-köpfiges Expertengremium hat ein Gutachten vorgelegt , demzufolge die Temperaturen ohne nennenswerte Gegensteuerung bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,2 bis 5,5 Grad steigen werden. Der Vergleichswert ist die Durchschnittstemperatur der Jahre 1901 bis 1960.

In unterschiedlichen Szenarien haben die Forscher die Folgen des steigenden Treibhausgas-Ausstoßes durchgespielt: Unter der sehr optimistischen Annahme, die Welt schafft es, die Emissionen deutlich zu senken, steigt die Temperatur bis zum Jahr 2100 beispielsweise nur um rund ein Grad. Geht man aber davon aus, dass der Ausstoß von CO2 auch weiterhin zunimmt, simuliert ein Szenario einen Temperaturanstieg um mehr als fünf Grad. Wie die Zukunft tatsächlich aussehen wird, ist heute unklar und abhängig von den umweltpolitischen Maßnahmen, die ergriffen werden.

"Ein halbes Grad oben drauf ist eine ganze Menge"

Internationales Ziel ist es, die Klimaerwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Schon bei diesem Wert erwarten Forscher ein Abschmelzen von Gletschern und Polkappen, einen deutlich steigenden Meeresspiegel, Dürren sowie weltweite Migrationsströme. Bei einem Anstieg um fünf Grad könnten sich diese Effekte noch deutlich verstärken.

"Die Temperaturen steigen und sie werden in den nächsten Jahren weiter steigen", meint NOAA-Klimaforscher Jake Crouch. Besonders überraschend war für den Experten vor allem der starke Temperaturanstieg gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 1998. Im vergangenen Jahr sei es um 0,55 Grad heißer gewesen. "Ein halbes Grad oben drauf - das ist eine ganze Menge", betonte Crouch. Es sei ein klares Zeichen für eine anhaltende Klimaerwärmung in den USA.

Erst vergangene Woche hatte die NOAA verkündet, 2012 sei das heißeste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen in den USA gewesen. 61 Prozent der US-Staaten hatten den Angaben zufolge unter Dürre gelitten. In mehreren Staaten habe es erhebliche Ernteausfälle gegeben. Als weiteres Klimaextrem nannte die NOAA Hurrikan "Sandy", der im Herbst über die US-Atlantikküste fegte und schwerste Schäden verursachte. Allein in den USA kamen mehr als 130 Menschen ums Leben.

Ein internationales Forscherteam hatte Ende 2012 im Fachmagazin "Nature Climate Change" vor den verheerenden Folgen einer stärkeren Erderwärmung gewarnt und unterschiedliche Zukunftsszenarien aufgestellt. Demnach dürfte es in der Praxis deutlich mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis der weltweite CO2-Ausstoß sinkt - das Zwei-Grad-Ziel wäre damit utopisch. Vor den USA (18 Prozent des Gesamtausstoßes) gilt China als der größte Verschmutzer (24 Prozent).

USA: Ehemals Bremser, jetzt Umweltschützer?

Auch der am Freitag veröffentlichte Entwurf des National Climate Assessment and Development Advisory Committee spricht eine deutliche Sprache: "Anzeichen für einen Klimawandel gibt es im Überfluss, der Planet erwärmt sich." Die stetig steigenden Temperaturen würden in den USA zu einer wachsenden Zahl von Wetterextremen wie Hitzewellen und stärkeren Wirbelstürmen führen. Das Gremium lässt keinen Zweifel daran, dass der Ausstoß von Treibhausgasen für die Veränderungen verantwortlich ist.

Teilweise sei der von Menschen verantwortete Klimawandel nicht mehr zu ändern, warnen die Experten in ihrem 400-seitigen Gutachten weiter. Doch hätten die US-Bürger die Möglichkeit, das Ausmaß zu begrenzen, wenn sie wollten. "Jenseits der nächsten paar Jahrzehnte wird das Ausmaß des Klimawandels davon abhängen, welche Entscheidungen die Gesellschaft in puncto Emissionen trifft."

Die USA galten lange als Bremser bei den Verhandlungen um einen weltweiten Klimaschutz. "Der Klimawandel wird einer der Schwerpunkte der zweiten Amtszeit Obamas sein", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses laut "Washington Post" vom Mittwoch. So habe der Präsident bereits die Kohlendioxid-Grenzen für Fahrzeuge reduziert.

Ein umfassendes Klimaschutzgesetz ist allerdings bisher am Widerstand des von Republikanern dominierten US-Kongresses gescheitert. Zudem schien Obamas Ehrgeiz in Sachen Klimaschutz spätestens seit dem Debakel bei der Uno-Klimakonferenz von Kopenhagen Ende 2009 erlahmt zu sein. Einige Republikaner kündigten nun erneut an, neue Grenzen für Treibhausgas-Emissionen ablehnen zu wollen, darunter Ed Whitfield, der Vorsitzende eines Unterausschusses für Energie und Handel im US-Repräsentantenhaus.

In der Vergangenheit wurden zudem Stimmen lauter, die das Zwei-Grad-Ziel und die aufwendigen Uno-Klima-Konferenzen als lähmend bezeichnen. "Die Hoffnung auf einen 'Global Deal' ist ausgeträumt", meint etwa der Umwelthistoriker Frank Uekötter vom Rachel Carson Center für Umwelt und Gesellschaft. Einige Wissenschaftler fordern, den Anstieg der Temperaturen hinzunehmen und die Folgen zu bekämpfen. Andere wiederum glauben, dass der Kollaps des globalen Wirtschaftssystems aufgrund der Ausbeutung des Planeten nicht mehr aufzuhalten ist.

hei/afp/dpa