Klimaschutz Australier sollen mehr Kängurus essen

Känguru-Essen gegen den Klimawandel? Der höchste Umweltberater der australischen Regierung empfiehlt seinen Landsleuten, mehr Beuteltiere zu verspeisen - damit der Bestand an Rindern schrumpft. Denn deren Darmgase treiben die Temperaturen hoch.


Sydney - Aus Rindern kommt nicht nur Milch, sondern auch jede Menge Methan, und das ist als Klimagas 23-mal wirkungsvoller als Kohlendioxid. Nach Angaben des Uno-Klimarats IPCC ist das Gas für etwa ein Fünftel des Treibhauseffekts verantwortlich, und die Hälfte der von Menschen verursachten Methanemissionen stammt wiederum aus der Landwirtschaft.

Känguru: Forscher macht Australiern Appetit auf Beuteltiere
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Känguru: Forscher macht Australiern Appetit auf Beuteltiere

Es besteht also Handlungsbedarf - aber wie soll man den Gasausstoß der Rinder senken, ohne den Bürgern das Fleisch vom Teller zu nehmen? Zumindest in Australien kam man schnell auf eine Idee: Kängurus essen. Das würde nicht nur den Bedarf an Rindern senken, sondern hätte auch den insbesondere für Landwirte erfreulichen Nebeneffekt, die enorme Zahl der nicht überall beliebten Beuteltiere ein wenig zu reduzieren.

Jetzt hat die zunächst belächelte Idee die Unterstützung des höchsten Umweltberaters der australischen Regierung gefunden. Kängurus stoßen viel weniger Methangas aus als Rinder, schreibt Ross Garnaut in seinem 600 Seiten starken Bericht, der auch zahlreiche andere Vorschläge zur Senkung des Treibhausgasausstoßes enthält. Er schlägt unter anderem vor, Bauern in den weltweiten Emissionshandel einzubeziehen. Die fällig werdenden Abgaben für Rinderpupse würden den Fleischpreis in die Höhe treiben und so die Essgewohnheiten der Australier ändern.

Im Grunde sei dies eine Rückkehr zu den Wurzeln: "Die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte in Australien - etwa 60.000 Jahre - war das Känguru die Hauptfleischquelle", betont Garnaut, Wirtschaftsexperte und Professor an der Australian National University. Er geht davon aus, dass Vieh für 67 Prozent der Treibhausgase der Landwirtschaft verantwortlich ist.

Obwohl das Känguru das Nationaltier der Australier und seine Zucht zwecks Schlachtung umstritten ist, werden schon heute Tausende der Beuteltiere in der Wildnis getötet, um die Populationen unter Kontrolle zu halten. Das Fleisch wird bisher zu Tierfutter verarbeitet.

Gesundheitsbewusste Australier haben schon seit einer Weile auf Kängurufleisch umgestellt. "Es ist fettarm, hat einen hohen Proteingehalt, und es ist insofern sehr sauber, weil das Känguru ein freilaufendes Tier ist", sagt der Umweltforscher Peter Ampt. In Australien wurde die Idee mitunter begeistert aufgenommen. Die Zeitung "The Australian" etwa garnierte ihre Berichterstattung auf ihrer Website über Garnauts Bericht mit einem Rezept: "Würziger Thai-Känguru-Salat". Auf die Leser der Zeitung blieb das offenbar nicht ohne Wirkung: Bei der begleitenden Online-Umfrage (Überschrift: Barbecue Skippy?) gelobten 62 Prozent, künftig öfter Beuteltier zu essen.

mbe/AFP



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