Klimaschutz Benzinverbrauch von US-Autos stark gesunken

Die USA gelten als Land des unbegrenzten Spritverbrauchs. Doch die harten Sparvorgaben aus der Politik zeigen Wirkung: Laut einer Studie ist der Benzindurst der amerikanischen Autos stark gesunken.

Verkehr auf der Golden Gate Bridge in San Francisco: US-Autos verbrauchen weniger Sprit
AFP

Verkehr auf der Golden Gate Bridge in San Francisco: US-Autos verbrauchen weniger Sprit


Klimaschutz ist in den USA ein vergiftetes Thema - zumindest auf der bundespolitischen Bühne in Washington. Doch in den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Umwelt-Initiativen: Präsident Barack Obama geht zunehmend dazu über, Ökologie per Verordnung am Parlament vorbei durchzusetzen, und auch auf der Ebene der Bundesstaaten tut sich einiges.

Das zeigt offenbar Wirkung - nicht nur beim insgesamt sinkenden Treibhausgas-Ausstoß der USA: Auch der durchschnittliche Spritverbrauch von Autos ist dort deutlich gesunken, wie Forscher jetzt berechnet haben. Er liege aktuell um 21 Prozent niedriger als noch vor sieben Jahren, heißt es in einer Mitteilung der University of Michigan in Ann Arbor. Dadurch seien Milliarden Liter Benzin und enorme Mengen an Treibhausgas-Emissionen verhindert worden.

Wie Michael Sivak und Brandon Schoettle vom Verkehrsforschungsinstitut der University of Michigan berechnet haben, ist der durchschnittliche Verbrauch von Neuwagen von 11,7 auf 9,3 Liter auf 100 Kilometer gefallen. "In absoluten Zahlen ist die Verbesserung eher bescheiden", sagt Sivak. "Aber im Vergleich mit den Veränderungen während des 20. Jahrhunderts ist sie bedeutend."

Seit 2007 seien rund 57 Milliarden Liter Sprit eingespart worden, rechnen Sivak und Schoettle vor. Das entspreche dem Ausstoß von 157 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Die Statistik beruht auf den Daten von 93 Millionen Pkw, Pickup-Trucks, Kleinbussen und SUVs, die seit 2007 verkauft wurden. Sie machen etwa 40 Prozent aller leichteren Fahrzeuge in den USA aus.

In Zukunft dürfte der Spritdurst der US-Autos noch schneller sinken - zumindest, wenn die Vorgaben von Präsident Obama Bestand haben. Der hatte 2012 beschlossen, dass Neuwagen im Jahr 2025 nur noch rund 4,3 Liter auf 100 Kilometerverbrauchen dürfen.

In Deutschland betrug der Durchschnittsverbrauch von Neuwagen im vergangenen Jahr bei 6,1 Liter auf 100 Kilometer bei Benzinern und 5,4 Liter bei Diesel-Autos. Das entspricht einem Rückgang von 17 Prozent seit 2006, wie der Auto Club Europa im November 2013 berechnete. Als Grundlage dienten Daten des Kraftfahrtbundesamtes. Sie basieren allerdings auf den Angaben der Autohersteller, die mitunter deutlich unterhalb des tatsächlichen Verbrauchs liegen können.

mbe

insgesamt 12 Beiträge
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dirdirdir 14.10.2014
1. Es gibt auch gute Nachrichten!
Das sind Nachrichten, die auch uns zugute kommen. Allerdings werden im guten SPON-Artikel Äpfel mit Birnen verglichen, wenn der US-Strassenverbrauch mit dem europäischen Prospektverbrauch verglichen wird... ein europäischer SUV mit 300 PS gleitet da mit mit sagenhaften 7 Litern über 100 km Autobahn.
tkunze 14.10.2014
2. USA mit Europa gleichgezogen
Interessant find ich die Tatsache, dass der Durchschnittsverbrauch von Neuwagen in den USA mit dem in Deutschland gleichgezogen hat, auch wenn 9,3 (USA) auf den ersten Blick höher aussieht als 6,1 bzw. 5,4 (Deutschland): Immerhin kommen die Daten zum Verbrauch vom KBA bzw. der vergleichbaren Behörde in den USA. Das KBA nutzt aber die unrealistischen Verbrauchsangaben der Hersteller, auf die man inzwischen (laut einem Artikel in der vorletzten Spiegel-Ausgabe) locker 50% draufschlagen kann, um zu realen Werten zu kommen. In den USA hingegen wird der viel realitätsnähere EPA Zyklus verwendet. Interessantes Beispiel zur Veranschaulichung: Ein neuer Audi A6 3.0 TDI quattro (USA: 240 PS, D-Land: 218 bzw. 272 PS) verbraucht 8,15 l/100km (29 mpg) lt. Audi USA aber angeblich nur 5,1 l/100km lt. Audi Deutschland (Quelle: Audi Homepage). Damit kann man auf die irrwitzigen 5,1 l/100km nochmal 60% drauflegen, um zum realen Wert zu kommen...
dr.u. 14.10.2014
3. Was zählt
Das Einzige, was zählt, ist der Absolutverbracu an KFZ-Kraftstoffen. Geht der rutner? und wenn "Ja" wie viel? Der Umwelt ist es sche...egal, wieviel Kraftstoff ein einzelnes KFZ im Durchschnitt verbraucht. Entscheident ist nur der Gesamtverbrauch an Kraftstoffen.
raber 14.10.2014
4. Vergleichbarkeit der Messwerte
Es ist schon mehrmals festgestellt worden, dass die Spritverbrauchszahlen für Neuwagen in Deutschland getrickst werden und ein Riesenunterschied mit der Praxis besteht. Wie können dann Werte verglichen werden? Wird in den USA genauso getrickst? Sind die Messwerte vergleichbar?
TheK79 14.10.2014
5. EPA und CAFE
Es gibt in den USA zwei verschiedene Verbrauchsangaben. Das eine ist das sogenannte EPA-Rating, welches für die Werbung der Fahrzeuge dient. Dieses gilt als *extrem* realistisch und liefert Werte, die meist etwa 20-30% höher sind als die NEFZ-Angaben (also weitaus niedriger als was die Presse in Deutschland als "Wahrheit" verkauft). Für den gesetzlichen Flottenverbrauch (und soweit ich das einschätze auch für diese Studie) wird dagegen ein anderer Standard, genannt "CAFE" verwendet, der ähnliche Werte wie der NEFZ liefert – insofern kann man das durchaus vergleichen. Von "mit uns gleichgezogen" kann keine Rede sein – US-Autos sind noch immer im Schnitt zwei Klassen größer (von den 50% SUV noch gar nicht zu reden), 300-PS-V6 in der Mittelklasse völlig normal und alternative Antriebe eine Randerscheinung (3% Hybride sind noch das wichtigste…). Allerdings sind die Fortschritte unverkennbar, denn es ist nicht so lange her, dass alles unter 5m als "compact car" bezeichnet wurde und V8-Motoren von 6l und mehr Hubraum völlig normal waren.
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