Klimaschutz EU-Emissionshandel bleibt wirkungslos

Der CO2-Ausstoß der europäischen Industrie ist im vergangenen Jahr leicht gesunken. Doch das hat nichts mit dem Zertifikatsystem der EU zu tun. In diesem Jahr sollen die Regeln für den Emissionshandel nun verschärft werden.

Brüssel - Bislang gilt der EU-Emissionshandel als zahnloser Tiger. Zwar hat die europäische Industrie im vergangenen Jahr weniger Treibhausgase produziert als in den zwölf Monaten davor, doch das liegt nicht an dem Zertifikatsystem. Nach vorläufigen Berechnungen der EU-Kommission blieb die Gesamtmenge nämlich unter der von Brüssel erlaubten Menge. Von diesem Jahr an gelten allerdings schärfere Quoten, um das Instrument doch noch wirksam zu machen.

Beim Emissionshandel bekommen Industrie und Energieversorger Kohlendioxid-Verschmutzungsrechte zugeteilt, die europaweit gehandelt werden können. Fehlende Zertifikate müssen nachgekauft, überschüssige können verkauft werden. Doch offenbar sind zu viele Zertifikate auf dem Markt; die Unternehmen können sich billig bedienen. Im vergangenen Jahr blieb Deutschland mit rund 480 Millionen Tonnen unter seiner möglichen CO2-Quote von 497 Millionen Tonnen.

In einer Datenbank im Internet  kann jedermann einsehen, welche CO2-Menge rund 10.000 Unternehmen in der EU 2007 zugeteilt bekamen - und welche sie tatsächlich ausstießen. In Deutschland fallen derzeit knapp 57 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes unter den Emissionshandel. Die rund 1850 teilnehmenden Unternehmen kamen nach Angaben der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt 2007 auf einen CO2-Ausstoß von rund 487 Millionen Tonnen oder zwei Prozent mehr als 2006. Dagegen sanken die gesamten CO2-Emissionen in Deutschland um 2,7 Prozent.

Weil das Zertifikatsystem bisher noch nicht gut funktioniert, war für die Unternehmen der Ansporn zum Klimaschutz offenbar nur gering: Der Anteil von Stein- und Braunkohle an der Stromerzeugung legte zu. Die niedrigen Preise für die Emissionsberechtigungen boten laut DEHSt den Firmen 2007 nur wenig Anreiz, statt Kohle das wesentlich weniger klimaschädliche, aber teurere Erdgas zu nutzen.

chs/Reuters/AFP

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