Internationale Rangliste Beim Klimaschutz bleibt Deutschland Mittelmaß

Deutschland betrachtet sich gern als globalen Öko-Vorreiter - landet aber im neuen Klimaschutz-Index der Umweltorganisation Germanwatch erneut nur im Mittelfeld. Der Grund ist paradoxerweise die Energiewende.
Braunkohle-Tagebau in Jänschwalde: Energiewende führt zu mehr Kohleverstromung

Braunkohle-Tagebau in Jänschwalde: Energiewende führt zu mehr Kohleverstromung

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Es gab eine Zeit, als Deutschlands Platzierung im Klimaschutz-Index seinem Selbstbild entsprach: In den Ausgaben für die Jahre 2005 bis 2013 belegte es stets einen Platz unter den Top 10. Doch in der Rangliste für 2014 war Deutschland auf Rang 22 abgestürzt - und dort liegt es auch im Klimaschutz-Index 2015, der am Montag am Rande der Uno-Klimakonferenz in Lima vorgestellt wurde.

In seinem weltweit beachteten Ranking macht die Umweltorganisation Germanwatch dafür ausgerechnet die Energiewende verantwortlich. "Das sogenannte Energiewende-Dilemma - also der starke Anstieg der Kohleverstromung bei gleichzeitigem Ausbau der erneuerbaren Energien - zerstört bislang Deutschlands Klimabilanz", erklärt Germanwatch-Mitarbeiter Jan Burck, Autor des Berichts. Zwar habe sich die Klimapolitik der neuen Bundesregierung leicht verbessert, heißt es in dem Report. "Aber der Anteil erneuerbarer Energien ist nicht so stark gestiegen wie in den Jahren zuvor, als Deutschland in dieser Kategorie noch eine Spitzenposition belegte."

Die Bewertung der Staaten im Klimaschutz-Index (KSI) setzt sich aus fünf Kriterien zusammen:

  • Emissionsniveau (30 Prozent)
  • Entwicklung der Emissionen (30 Prozent)
  • Ausbau der erneuerbaren Energien (10 Prozent)
  • Energieeffizienz (10 Prozent)
  • Klimapolitik (20 Prozent)

Bewertet werden die 58 größten CO2-Emittenten, die zusammen für mehr als 90 Prozent des globalen Ausstoßes verantwortlich sind (siehe Tabelle unten).

Kein Land tut genug für den ersten Platz

Die ersten drei Plätze lässt Germanwatch auch in diesem Jahr unbesetzt - da kein Land genug tue, um die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen. Rang vier unter den 58 bewerteten Ländern belegt wie im Vorjahr Dänemark, gefolgt von Schweden, Großbritannien, Portugal und Zypern. Allerdings belegen die EU-Länder nicht nur die oberen Plätze. So landen Polen und Bulgarien vor allem wegen ihres rigiden Festhaltens an der Kohle auf den Rängen 40 und 41.

Der Bericht zeigt zudem, wie wenig Erfolge die internationale Klimapolitik trotz mehr als 20-jähriger Bemühungen vorzuweisen hat. Der Klimaschutz-Index 2015 zeige erneut einen Rekord bei den globalen energiebedingten CO2-Emissionen, erklärte Germanwatch. "Dieser Trend setzt sich nahezu ungebrochen seit der ersten Veröffentlichung des Index vor zehn Jahren fort."

Allerdings sieht die Umweltorganisation auch positive Tendenzen:

  • Die CO2-Emissionen wachsen zwar weiterhin, allerdings langsamer als zuvor.
  • Es gebe Anzeichen für eine Entkopplung des Treibhausgasausstoßes vom Wirtschaftswachstum und vom steigenden Primärenergieverbrauch. Das wäre enorm wichtig im Hinblick auf die großen Schwellenländer wie China oder Indien, deren Wirtschaft rasant wächst. Sollten die CO2-Emissionen weiterhin parallel dazu wachsen, wären wohl alle Klimaschutz-Anstrengungen zum Scheitern verdammt.
  • Der Sektor der erneuerbaren Energien wächst rasant. 51 der 58 im KSI untersuchten Länder zeigen einen positiven Trend für den Ausbau erneuerbarer Energien auf, meist mit Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Zugleich würden die Kosten schnell sinken. In manchen Fällen seien regenerative Energieträger bereits billiger als fossile.

In Deutschland verlaufe die Energiewende dagegen weiterhin schleppend, kritisiert Germanwatch. Ein Lichtblick sei der vergangene Woche vom Bundeskabinett beschlossene Klimaschutz-Aktionsplan. Er soll sicherstellen, dass Deutschland sein selbstgesetztes Ziel erreicht, seine CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Unter anderem sollen Kohle- und Gaskraftwerke 22 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich einsparen.

Der Aktionsplan, der über das Klimagesetz umgesetzt werden soll, konnte laut Germanwatch für den aktuellen Klimaschutz-Index nicht mehr berücksichtigt werden. "Bei Verabschiedung des Gesetzes und konsequenter Umsetzung des Gesamtprogramms hat Deutschland gute Chancen, im nächsten Klimaschutz-Index wieder einige Plätze zu klettern", so Burck. "Schon jetzt hat die Bundesregierung mit diesem Programm ein Zeichen gesetzt, das in Lima auf ein sehr positives Echo gestoßen ist."

mbe